Einmal Sizilien und zurück - 6 300 km
- ein Reisetagebuch -
Berlin, 9.3.01
Ich habe ganz spontan eine Reise nach Sizilien gebucht, und zwar eine Busreise, weil ich so in einer Gruppe reisen kann.
Heute nachmittag habe ich ein bißchen meinen Reiseführer "Sizilien"
durchgeblättert. Ich war sehr beeindruckt von den wunderbaren Bildern
und der Fülle der Informationen, die ich da zu lesen bekam.
Das Buch ist geschrieben von einer Frau namens Luise Tyroller, die lt.
Angabe schon über zwanzig Jahre der Faszination dieser
wunderschönen Insel erlegen ist. (Abenteuer und Reisen Sizilien,
erschienen im Mayers Geografischen Verlag).
Ich habe mir nun unsere geplante Route angesehen und werde mir an Hand
des vorliegenden Reiseführers anschauen, was wir alles zu sehen
bekommen. Es ist sozusagen eine kleine Vorbereitung meiner Reise, über
die ich dann im einzelnen selbstverständlich auch schreiben werde.
Also, los geht es:
Am 1. Tag fahren wir um 6.30 h ab Berlin los in Richtung Österreich mit
Zwischenübernachtung im Raum Gardasee (Gott sei Dank habe ich ein
Einzelzimmer und brauche keine Schnarcher zu ertragen!).
Unterwegs: 15.3.01
In aller Herrgottsfrühe fuhr ich mit dem dem Bus zum Kudamm, wo auch
schon einige Gestalten im grauen Licht des Morgens vor sich hinfroren.
Ich stieg dann in den Bus mit dem Schild "Sizilien" ein. Die
Reisegesellschaft war mal wieder typisch "ostlastig geprägt", graue
Gestalten mit teilweise unförmigen Figuren und fürchterlichem
Ostberliner Dialekt.
Mein Nachbar ist ein jüngerer Mann aus Norddeutschland, mit dem ich mich gut unterhalten kann. Sein Name ist Georg.
Die Fahrt geht durch Bayern, Österreich, dann über den Brenner. Unsere
erste Station ist ein Hotel am Gardasee (Spiazzi am Monte Baldo), in
der Nähe von Verona. Sehr schön gelegen und sicher ein guter
Ausgangspunkt für einen Urlaub am malerischen Lago di Garda. Mein
Hotelzimmer jedoch war eine einzige Zumutung: mit ca.10 qm hatte ich
gerade mal Platz für meine Reisetasche und mich selbst. Um in das
kleine Bad zu gelangen, musste ich wie ein Storch über meine Tasche
steigen. Außerdem war das Bett offensichtlich den ganzen Winter über
nicht benutzt worden, denn es war kalt und klamm. Wie ein Eskimo zog
ich alle verfügbaren Pullover und warmen Sachen an, die sich in
meinem Besitz befanden. Die ganze Nacht über hatte ich im übrigen das
Vergnügen, Zeuge von regen Gesprächen und Aktivitäten meiner
Nachbarn zu sein.
Am 2. Tag geht es dann durch die wunderschöne Toskana, die ich auch
über alles liebe, vorbei an Florenz, Rom, diesen atemberaubend schönen
Städten, in den Raum Neapel, wo ich vor ein paar Jahren ebenfalls schon
einmal war, in Mondragone mit wundervollen Ausflügen zum Vesuv und Pompeji,
sowie der zauberhaften der Insel Capri. Im Raum Neapel werden wir noch einmal
übernachten und hoffentlich erlebe ich hier nicht noch eine weitere böse Überraschung.
Unterwegs: 16.3.01
Lange Fahrt durch die atemberaubend schöne Landschaft der Toskana mit
ihren schlanken, hoch in den blauen Himmel ragenden Zypressen, die sehr
oft in Dreiergruppen rund um die malerisch gelegenen "casa colonici"
gepflanzt sind.
Unser Reiseleiter nannte uns den Grund dieser merkwürdigen
Anpflanzungen: in früheren Zeiten hielten vorbei reisende Pilger
auf ihrem Weg
nach Rom immer nach diesen Bäumen Ausschau, weil sie wussten,
daß sie bei den dort lebenden Menschen stets eine Herberge für
die Nacht finden würden. Welch ein schöner Brauch!
Unsere Fahrt geht vorbei an malerisch auf hohen Felsen gelegenen
mittelalterlichen Städten, an Orvieto zum Beispiel, die Stadt, aus der
der bekannte Wein gleichen Namens kommt. Der blaue Himmel,
geschmückt mit wunderschönen
Wolkenbildern und die anmutige leicht hügelige
Landschaft der Toskana sind für mich immer wieder eine Augenweide.
Ich kann es nicht fassen, dass einige meiner Mitreisenden schnarchend
in ihren Sesseln sitzen oder nur gleichgültig vor sich hin stieren. Die
Radiomusik ist überhaupt nicht nach meinem Geschmack, deshalb lege ich
mir ein schönes Mozart-Klavierkonzert in meinen CD-Spieler ein. Mit dieser herrlichen Musik
fühle mich sehr wohl und genieße die vorbeifliegende Landschaft in
vollen Zügen.
Dann taucht der Gebirgszug der Abruzzen zu meiner Linken auf, raue
unwirtlich aussehende Berge, die aber, wie mein Nachbar mir sagt, sehr
schön sein sollen und wo es neben Wolf und Luchs auch sogar Bären geben
soll. Hoch oben auf dem Berg leuchtet ein großes Gebäude auf: Monte
Cassino, das Kloster, das im Jahr 529 von Benedikt von Nursia
gegründet, im 2. Weltkieg völlig sinnlos zerstört und nach
dem Krieg mit großer finanziellen Unterstützung der Kanadier wieder
aufgebaut wurde.
Dann sehe ich den Vesuv mit seinen zwei Kratern, hoch über
Napoli und dem Meer. Irgendwo zu meiner linken Seite müssen Herkulaneum
und Pompeji liegen, die Städte, die bei dem Vulkanausbruch im Jahre 79
n. Chr. verschüttet und vernichtet wurden.
Sorrent, die Stadt, von der so viele Lieder singen, taucht auf, mit
totalem Verkehrschaos. Wir fahren entlang am Golf von Sorrent, die
Inseln Capri und Ischia liegen vor uns im dunstigen Licht des
hereinbrechenden Abends. Welch eine Landschaft!
Unterwegs: 17.3.01
Das zweite Hotel ist um einiges besser als das von letzter Nacht. Es
ist warm und hat eine heiße Dusche, unter die ich mich sofort stelle.
Morgen geht unsere Fahrt weiter in Richtung Sizilien. Unser Reiseleiter
und Fahrer hat sich einen Leckerbissen für uns ausgedacht: er will die
Route über die Amalfitana nehmen, entlang der wunderschönen
Küstenstraße, die angeblich die schönste der Welt sein soll.
Nach einer guten Nacht - dieses Mal ohne Alpträume schaue ich
als
erstes aus meinem Fenster, um die frische Luft zu genießen
und die Gegend zu inspizieren. Das schön beleuchtete Gebäude gegenüber,
das ich am Vorabend bewundert habe, ist- wie sollte es anders sein -
eine alte Burg hoch oben auf dem
Berg.
Das Frühstück ist dürftig wie es offensichtlich hier in Italien immer
ist: ein Brötchen mit einer Minibutter und einem Marmeladentöpfchen.
Dazu Milchkaffee mit wässriger Milch, Farbe graubeige.
An meinem Tisch sitzt ein merkwürdiges Paar: eine recht attraktive
blonde Frau, gut gekleidet mit einem alten Herrn, bei dem ich mich
frage, ob es ihr Vater oder ihr Mann ist. (Es war ihr Mann, wie es sich
später herausstellte).
Wie bereits erwähnt, ist die Reisegesellschaft äußerst schlecht
gekleidet. Eine Frau mit abstehendem Bauch in weißen, mit roten Rosen
bedruckte Hosen, einem türkisfarbenen Oberteil und einer blauen
Windjacke fällt mir besonders auf. Herr Lagerfeld würde beim Anblick einer solch abstrusen Kreation in Ohnmacht
fallen.
Der dritte Tag führt uns über die "Autostrada del Sol" nach Calabrien, dann setzen wir über nach Sizilien.
Eine Übernachtung im Raum Taormina oder Milazzo.
Reiseführer: "Taormina thront
auf einem Felssporn hoch über den blauen Fluten des Ionischen Meeres.
Die Griechen errichteten hier ein Theater - mit dem Ätna als
Bühnenkulisse.
Als Johann Wolfgang Goethe und sein malender Freund Kniep im Jahr 1778
auf ihrer italienischen Reise in Taormina Station machten, gab es hier
keinen einzigen Gasthof, nur eine Karawanserei - womöglich noch aus der
Zeit, als Taormina arabisch war - in der Mensch und Maultier
einträchtig unter demselben Dach nächtigten. Das lehnte Goethe jedoch
aus hygienischen Gründen ab. Dann war da noch ein Kloster, das Pilger
aufnahm. Goethe lehnte das jedoch auch ab und sagte:
"Noch nie habe ich ein Kloster um Gastfreundschaft gebeten." Wo er nun
tatsächlich geschlafen hat, wissen nur das Fremdenverkehrsamt des
Nachbarortes Giardini-Naxos: Bei einem reichen Bauern, und das
Fremdenverkehrsamt in Taormina: Natürlich in einer der Privatvillen von
Taormina."
Übrigens soll Taormina eine der wenigen sizilianischen Städte sein, wo
Besucher bis in die Nacht hinein ohne Angst vor Überfällen bummeln
gehen können. Die Gästeliste von Taormina ist spektakulär:
Guy de Maupassant, Kaiser Friedrich II von Preußen, Elizabeth Taylor,
Richard Burton, Oscar Wilde, Köngig Edward VII von England. Thomas
Mann, Greta Garbo, Marlene Dietrich, Johannes Brahms, Richard Wagner,
Nelson Rockefeller, Christian Dior usw. und so fort....
Zum Ätna: Wo heute der größte und aktivste Vulkan Europas eine ganze
Region prägt, war in grauer Vorzeit eine weite Bucht, aus der sich
allmählich eine kleine Warze aus Lava erhob. Im Verlauf ständiger
Eruptionen füllte der Ätna zuerst die Bucht aus und schob seine
Lavaströme dann auch über die umliegenden Gebiete.
Der Ätna ist 3323 m hoch, und sein Durchmesser an der Basis entspricht
der Strecke München-Augsburg. Letztmalig hat er 1999 Lava gespuckt.
Während an der Südflanke die sizilianische Sonne eine karge
Mondlandschaft geschaffen hat, ist die wasserreiche Nordflanke ein
blühender Garten. Der Ätna ist ein junger Berg, sagen die Geologen, für
die 700 000 Jahre recht wenig bedeuten. Vielleicht ist er deshalb
immer noch so lebendig. Ständig schwebt eine weiße Dampfwolke über
seinem Krater, die bei klarem Wetter selbst in fünfzig Kilometer
Entfernung noch gut zu sehen ist. Von weitem wirkt sie so zart, daß die
Sizilianer sogar einen Kosenamen für sei erfunden haben:
"Pennecchietto", Federbüschelchen. Aber die Wolke hat es in sich. Die
Menge an CO2, die der Ätna ausstösst, ist für einen jungen Vulkan
außergewöhnlich hoch: alle anderen Vulkane der Welt zusammen schaffen
es gerade einmal, genausoviel CO2 zu produzieren. Deshalb haben die
Geologen den Ätna mit Forschungsstationen umzingelt, um zu ergründen,
aus welchen Tiefen des Erdinnern er seine Ladung bezieht.
Lt. Reiseführer ist die Nordseite des Ätna seine Schokoladenseite. Die
Sonne dörrt das Land aus, die vielen gletschergespeisten Wasserläufe
können für die Bewässerung genutzt werden. So gedeiht hier alles, was
die sizilianische Küche und was die Touristen verpackt mitnehmen
können: Getrocknete Steinpilze, ein Topf Honig von Wildkräuterblüten
oder Konfitüre aus exotischen Früchten sind günstige und leckere
Mitbringsel. Dazu Gebäck aus Haselnüssen, Mandeln und Pistazien,
Marzipan in allen Formen etc. Auch Limoncello, der Zitronenlikör, ist
zu empfehlen.
Unterwegs:18.3.01
Unser Hotel heißt "Atlantis" und liegt in der Nähe von Taormina. Auf
den ersten Blick sah es top aus. Wie es sich herausstellt, ist es aber
auch mit einigen Nachteilen behaftet: es ist sehr hellhörig, und so
habe ich das Vergnügen, wieder einmal an dem Tun und Treiben meiner
Nachbarn teilnehmen zu dürfen. Außerdem ist der Service nicht
besonders:
Beim Abendessen kassieren die Kellner den Wein ab, als wir noch
beim
Essen sind, so als wären wir Strauchdiebe, denen nicht zu trauen
ist.
Ich weise den jungen Mann auf seine Unhöflichkeit hin, worauf er dann
beleidigt abzieht, um sofort wiederzukommen, als wir den letzten Bissen
vertilgen. Offenbar eilt unserem Reiseveranstalter der Ruf von
Zechprellern voraus. Später auf dieser Reise erlebt ich allerdings
etwas, was diesee offensichtlich sehr schlechte Reputation bestätigt.
Die Reisegruppe, die im übrigen ein Durchschnittsalter von ungefähr 60
Jahren hat, ist sehr illuster gemischt. Überall hört man die diversen
ostischen Dialekte: Berlinerisch vom feinsten, Brandenburgisch und vor
allen Dingen das säuselnde Sächsisch.
Manche der Männergesichter kann ich mir in meiner Phantasie sehr gut
hinter den ehemaligen Zollabfertigungskabäuschen vorstellen, die ich
damals zu r Zeit der Brliner Mauer so oft passieren musste. Wo sind diese Typen nur geblieben, die
mich damals so erbarmungslos drangsaliert haben und die nicht die
geringste Rücksicht auf eine allein reisende Mutter mit zwei kleinen
Babies nahmen.
Na ja, das ist ja Gott sei Dank jetzt Vergangenheit. Jetzt dürfen wir
gemeinsam reisen und uns zusammen an den Schönheiten Italiens erfreuen.
Aber Spaß beiseite: ich glaube, dass es noch sehr viele Jahre braucht,
um den Graben zwischen den Ost-und Westdeutschen zu schließen.
Mein Reisegefährte hat das Zimmer neben mir. Ich höre von ihm keinen
Mucks, ganz im Gegenteil zu meinen Nachbarn zur Linken, die
offensichtlich beim Abendessen zu tief ins Glas geschaut haben und,
nach den Geräuschen zu schließen, offensichtlich in den frühen
Morgenstunden ihre Klobrille umarmten.
Heute machen wir einen Ausflug zum Ätna:
Leider ist das Wetter sehr durchwachsen. Es regnet sogar. Wir fahren -
ziemlich lange hoch zum Ätna, bis zur Seilbahn, die wir aber nicht
nehmen, weil die Zeit nicht ausreicht. Auf der Ebene, auf der wir uns
befinden, ist nichts Spektakuläres zu sehen, kein Rauch, keine
Fumerolen so wie damals auf dem Vesuv.
Wir hören, daß der Ätna ein "berechenbarer Berg" ist, d.h. seine
offensichtlichen Aktivitäten, Ausstoß von Rauch, Dampf und sogar
rotglühender Lava sind zwar beachtlich, aber scheinen eher den Druck zu
reduzieren, unter dem der Berg steht.
Der Vesuv im Gegensatz dazu soll ein "unberechenbarer Vulkan" sein, der
sich scheinbar ruhig verhält, dann aber schlagartig explodieren kann.
Auf dem Vesuv sind deshalb überall Meßstationen aufgestellt, die den
Zustand dieser "Bombe" überprüfen. Vor dem Ausbruch des Vesuvs am 24.
August 79 nach Christus, wobei Pompeji, Herkulaneum und weitere
blühende Städte von einem Augenblick auf den anderen zerstört wurden,
waren keinerlei Anzeichen einer Katastrophe zu bemerken. Alles geschah
ganz plötzlich und unerwartet.
Ich habe zu dem Thema ein kleines Gedicht geschrieben, weil mich das Thema "Leben am Abgrund" fasziniert hat.
Ätna
Aufgestiegen aus dem Meer
Bist Du
Ätna,
Stolzer Berg
Der Du gebietest
Als Herrscher über Leben und
Tod,
Gottgleich
Über Reichtum und
Verheerende Not.
Dauernd in Bewegung
Bist Du
Ätna
Alles beherrschend
Hältst Du
Seit ewigen Zeiten schon
Dein Zepter über das Land.
Wie klein und
machtlos
Sind wir Menschen doch
Angesichts deiner Kraft.
Unterwegs: 19.3.2001
Unsere Fahrt geht weiter nach Taormina, das wie ein Nest hoch oben
an einem Berghang über dem Ionischen Meer liegt. Leider kommt die
Sonne erst viel später durch, was meine Stimmung dann auch schlagartig
verbessert. Als ich mit meiner Kamera dann durch das "Teater greco"
schlendere, wird der Himmel wieder blau und strahlend, und ich
photographiere dieses schöne Theater aus allen möglichen Perspektiven.
Der 5. Tag ist zu unserer freien Verfügung. Wenn man will, kann man
einen Ausflug zu den Liparischen Inseln nach Vulcano machen, was
ich eventuell auch machen werde.
Reiseführer: "Lipari gehört wie die anderen Inseln Vulcano, Salina, Filicudi, Panarea und Stromboli zu den Äolischen Inseln.
Die griechische Sage weiß, daß Äolus, der Gott der Wind, mit seinen
Töchtern auf dem Archipel wohnte und dort in einem Schlauch aus einem
Tierbalg die Winde hütete. Als Odysseus auf seinen Irrfahrten
vorbeikam, gab ihm Äolus den Schlauch mit. Sollte Odysseus in eine
Flaute geraten, konnte der die Winde gezielt und wohl dosiert
herauslassen. Pech, daß einer aus seiner Mannschaft sich am Schlauch zu
schaffen machte, ohne den Inhalt zu kennen. Alle Stürme entwichen auf
einmal und sorgten für ein verheerendes Unwetter. Und wieder einmal
verzögerte sich Odysseus Heimkehr....
Obsidian: Aus Obsidian stellten die Menschen die schärfsten Werkzeuge
her, bevor sie lernten, Bronze zu gießen. Für jeden Zweck gab es das
geeignete Messer, für jedes Wild die Pfeilspitze, für jede Axt die
richtige Schneide. Funde von Werkzeugen aus Obisidian in ganz Europa
und Nordafrika zeigen, daß Lipari konkurrenzlos war im Herstellen
dieser wichtigen Werkzeuge. Obisidian bedeutete wirtschaftliche Macht,
so wie später Stahl. Obisidian ist natürliches Glas entstanden durch
die Hitze bei Vulkanausbrüchen."
Turbulenter Tag. Viele von uns nehmen an dem
angebotenen Ausflug
teil. Auf dem Programm steht die Insel Vulcano auf den Äolischen
oder Liparischen Inseln. Peter, unser Reiseleiter, ist an diesem Tag
wegen fehlender Gelder in seiner Kasse etwas verschnupft. Da es auch
sein offizieller freier Tag ist, fährt er uns nur mit dem Bus bis nach
Messina, wo die Boote zu den Inseln abgehen. Am Vorabend hatte er
bereits erfolglos versucht, mit mir anzubandeln. Offensichtlich um sich
rächen oder vielleicht auch nur aus Zufall, drückte er mir die
Schiffskarten in die Hand mit der Bitte, die Gruppe zu managen. Ich bin
so verdattert, dass ich ohne zu protestieren akzeptiere. Das sollte
dann auch noch ein kleines Nachspiel an dem gleichen Tag haben.
Die Insel Vulcano ist sehr interessant. Überall brodelt und dampft es,
und auch der Geruch lässt auch auf rege Aktivitäten schließen,
Schwefelgeruch ist überall. Die Farben der Insel sind gelb, grünschillernd
und natürlich wunderbar grün wegem der üppig gedeihenden Pflanzen.
Georg und ich beschließen, den Vulkan zu erklimmen. Vorher kaufen wir
uns noch in einem kleinen Geschäft ein bisschen Proviant: Schinken,
Brot, Wasser und ein paar Tomaten. Ich radebrechte in italienisch und
nehme mir wie immer in solchen Situationen vor, endlich diese Sprache
richtig zu lernen.
Dann machen wir uns auf den Weg und steigen langsam den Berg hoch. Nach
nicht langer Zeit kommen wir zu der ersten Hürde, einen
Graben, den wir aber mühelos überwinden. Etwas höher kommt dann das
wirkliche Hindernis, eine große Felsspalte, die ziemlich gefährlich
aussieht, auch weil der Boden durch den lockeren schwarzen Lavasand
sehr rutschig ist. Da ich nicht die richtigen Schuhe anhabe, beschließe
ich, den Aufstieg nicht weiter fortzusetzen. Auch mein Begleiter
schließt sich mir an, und so nehmen wir denn wieder Kurs auf die
Bergsohle. Ein kleines Picnic inmitten von stacheligen Disteln und
umherhuschenden kleinen Echsen gibt uns neue Kraft.
Anschließend, wieder unten im Tal, beschließe ich, mich in die lehmigen
Wasser des Thermalbeckens zu tunken. Eine Frau unserer
Reisegesellschaft ist sofort mit dabei, und so sitzen wir dann für eine
halbe Stunde bis zum Kinn in dem brodelnden, von der Hitze des Vulkans
erwärmten Wasser und fühlen uns pudelwohl. Nach gar nicht langer Zeit
kommen weitere Leute zu uns in das Naturbecken und genießen dieses
ungewöhnliche Bad. Einige von ihnen steigen noch ins Meer, obwohl
dieses am Uferrand brodelt und richtig heiß zu sein scheint.
Leider gibt es in diesem improvisierten Heilbad keine
Dusche, unter der wir uns reinigen könnten. Dies können wir ja in
unserem Hotel nachholen. So treten wir müde und von leichten
Schwefelgeruch umweht unsere Rückfahrt an und fühlen uns wie
neugeboren.
Unsere Fähre nach Messina soll kurz nach vier ablegen.
Da ich ja die Verantwortung für die Gruppe
übertragen bekommen habe versammele ich meine Schäfchen an der
Anlegestelle um mich herum. Als ich dem Matrosen an der Sperre unser
Sammeltickets hinhalte ,schüttelt er seinen Kopf und sagt auf Englisch:
"No, you must go and change the tickets!"
Peter, der Reiseleiter,
hatte mir die Tickets in die Hand gedrückt und noch gesagt, es seien
Tickets für Hin- und Rückfahrt. Dem war offensichtlich nicht so.
In der Aufregung - weil das Schiff ja gleich ablegen sollte - kommt es
fast zu einem Handgemenge, weil sich einige der älteren Herrschaften
mit Gewalt Zugang zu dem Schiff verschaffen wollen.
Es gilt also zu handeln: ich renne los, im Schweinsgalopp, quer
über
den Pier auf der Suche nach dem Büro der Schiffahrtslinie. Gott sei
Dank ist Georg an meiner Seite. Wir landen
in einem kleinen Büro, in dem ein kleiner hutzeliger Mann ausgiebig
telefoniert, sich aber uns dann doch zuwendet, wahrscheinlich, weil er
unsere Aufregung mitbekommt. Er sagt uns, wo wir hinmüssen, und weiter
geht unser Galopp durch das Hafengelände.
Es stellt sich heraus, daß der Reiseleiter nur Tickets für eine
Strecke gelöst hatte, aus Versehen oder weil er sauer auf die Gruppe
war - ich weiß es nicht. Auf jeden Fall sind jetzt 210 000 Lire
fällig. Georg, der Retter, hat soviel Geld dabei. Wir bekommen die
fehlenden Rückfahrttickets und eilen wieder in Richtung Schiff, das Gott sein
Dank noch immer wartet. Es stellt sich dann noch heraus, dass der
Ausflug, für den wir DM 70.-- pro Person bezahlt haben,
total überteuert war. Hin - und zurück mit dem Schiff kosten umgerechnet nur DM 14.-- pro Person. Allgemeiner Unmut macht sich
breit, aber schließlich legen sich die Wogen der Erregung, und alle kehren zur Tagesordnung zurück.
Abends zurück im Hotel nehme ich erst mal eine schöne warme Dusche und spült mir den Schwefelschlamm von meinem Körper.
Nach dem Essen, das wie üblich abläuft - mit Monologen einiger Leute an
unserem Tisch, natürlich im schönsten breiten Berlinerisch - ziehe ich
mich auf mein Zimmer zurück und bewundere einen phantastischen
Sternenhimmel, auf den dann am folgenden Morgen ein ebenso wundervoller
Sonnenaufgang folgen soll.
An diesem neuen Tag, es istunser 6. Tag steht Agrigento auf dem Plan:
Unterwegs: 20.3.01
Fahrt über Catania in der Herz der Insel, weiter über Enna nach Agrigent zum "Tal der Tempel". Übernachtung in dieser Gegend.
Reiseführer:
"Wenn man im Frühling das Tal der Tempel hinab wandert, kann man sich
gut vorstellen, warum die Landschaft um Agrigent seit jeher immer
wieder Siedler angelockt hat. Ende Februar wird im Tal das
Mandelblütenfest gefeiert. Im warmen Nachmittagslicht ist das Tal
stechend grün, die Sonne scheint durch die Gräser und den üppigen Klee.
Die Mandelbäume sind in rosa Blütenwolken getaucht, und alles ist so
frisch, als wären die dorischen Tempel eben erst fertig geworden. Sie
sind hier besser erhalten als die meisten Tempel in Griechenland.
Sieben der antiken Vermächtnisse liegen im Valle dei Templi. Davon ist
der Tempio di Concordia, der Tempel der Eintracht, fast unzerstört. Das
ganze Gebiet steht unter Landschaftsschutz.
Berühmte Leute aus der Gegen um Agrigent: Luigi Pirandello, der das
europäische Theater seit den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts
maßgeblich beeinflußt hat. Sein Grab liegt neben einer riesigen Pinie
abseits vom Haus, am Steilhang unter einem Felsbrocken. Darunter
erstreckt sich das Afrikanische Meer, über das weit draußen Frachter
vorbeiziehen. So hat es sich Pirandello gewünscht, als er sein
Testament schrieb.
Weiterhin: Guiseppe Tomasi di Lampedusa (Roman : Der Leopard)."
Agrigento! Ein italienischer Reiseführer zeigt uns das wundervolle
Gelände mit den vielen Tempeln, die nur zum Teil noch einigermaßen
erhalten sind. Es ist eine gute Atmosphäre in diesem Tal, alles ist
grün, und viele Blumen blühen und duften süß.
Gerne würde ich hier noch eine Weile alleine herum streifen, um die
wundervollen Ausblicke ausgiebig zu genießen, aber leider geht es nach
einer Stunde wieder weiter: Nach Enna, einer lombardischen, normannischen Stadt auf einem
Felsplateau. Von dem Kastell (Friedrich II war auch hier gewesen) hat
man einen atemberaubenden Blick auf die weite Landschaft zu unseren
Füßen, auf den Ätna, der wie immer alles beherrschend in der Landschaft
steht, über Felder und Wiesen und kleine Dörfer.
Direkt gegenüber, auch
auf einem Felsplateau liegt eine andere grandios anzuschauende kleine
mittelalterliche Stadt, die zu besuchen es auch wert wäre.
Wahrscheinlich ist es Calascibetta. Wie ich in meinem Buch nachlese, ist Calascibetta wahrscheinlich
aus dem Heerlager der Araber entstanden, das Enna über Jahre
belagerte. Der Name ist jedenfalls arabischen Ursprungs.
Aber leider wir haben zu einem Spaziergang dort keine Zeit, da wir
weiter müssen zu unserem nächsten Quartier in einer anderen Stadt.
Diese liegt südöstlich von Enna und heißt Piazza Amerina. 5 km von
dieser Stadt ist die berühmte Ausgrabungsstätte "Villa Casale"
(berühmte Mosaiken), die wir wegen unseres sehr ausgefüllten Programms
leider nicht besuchen können.
Piazza Amerina ist eine wunderbare mittelalterliche Stadt mit vielen
Gebäuden, auch einem wuchtigen Kastell, aus dem 16. Jh, unter
anderem einem Dom, der für einige Leute der schönste Siziliens sein
soll.
Georg und ich streifen nach dem Abendessen durch die Gassen dieser
Stadt und schauen uns alles an. Alle alten Gebäude sind schön
beleuchtet, was eine sehr geheimnisvolle Atmosphäre schafft.
7. Tag: Tagesausflug nach Palermo, der Hauptstadt Siziliens mit einer Stadtrundfahrt. Übernachtung im Raum Agrigent.
Unterwegs: 21.3.01
Heute waren wir in Palermo. Wir haben besichtigt: Normannenpalast
"Palazzo di Normanni" mit der Palatina-Kapelle, den Dom und Kirche San
Giovanni die Eremiti.
Ich stand an dem Sarkophag von Federico II und dachte an Mama.
Sicher
wäre das ein eindrucksvoller Moment gewesen, da sie sich ja so für die
Geschichte dieses interessanten Mannes interessiert. Unsere
Reiseleiterin sagte, dass man, als man den Sarkophag vor einiger Zeit
geöffnet habe, um mittels neuester Methoden festzustellen, wie Federico
II gestorben sei, ob eines natürlichen oder gewaltsamen Todes,
festgestellt habe, daß zwei weitere Leichen in dem Sarg lagen. Wer
diese beiden Personen waren, konnte man, so viel ich weiss, bis heute
nicht feststellen.
Eine weiterer interessanter Punkt aus dem Leben dieses Mannes:
als
seine Mutter, die normannische Prinzessin Constance vom Kaiser Heinrich
VI geschwängert wurde, war sie schon über 40 Jahre alt. Um sicher
zu gehen, daß das Kind, das sie gebären würde, auch das ihre war,
musste sie die Geburt in der Öffentlichkeit vollziehen. In der
Gegenwart von einigen Frauen brachte sie ihren Sohn zur Welt, der dann
später der "wunderbare Verwandler der Welt" genannt wurde.
Abends sind wir dann wieder in unserem Hotel "Villa Romana". Nach dem
Abendessen gehen Georg und ich wieder auf Streifzug durch die schöne
alte Stadt von Piazza Amerina. Oben auf dem Berg finden wir ein mittelalterliches Kastell. Drumherum
herrliche alte, aber leider langsam verfallende Renaissancebauten mit
schmiedeeisernen Balkonen. Alle Gebäude sind wunderbar angestrahlt und sehen überaus prächtig aus.
Das Kastell soll vor ein paar Jahren an einen Rechtsanwalt verkauft
worden sein, für ganze 35000 DM (umgerechnet). Davor war es ein
Gefängnis. Unterirdische Gänge sollen bis zum Dom führen. Sehr
geheimnisvoll alles! All diese Informationen erhalten wir von einem
jungen Italiener, der in einem Auto mit deutschen Kennzeichen oben am
Kastell sitzt und Dauertelefonateführt. Neugierig fragt er uns, woher
wir kommen und was wir hier oben in dunkler Nacht suchen.
Unterwegs: 22.3.01
Besuch der alten Stadt Syracusa mit Möglichkeit der Besichtigung -
weiter geht es dann zur Übernachtung im Raum Taormina oder Milazzo.
Syracusa:
eine schöne Stadt am Meer mit einem beeindruckenden Dom auf der Insel
Ortiga. Besuch der archäologischen Ausgrabungen, Dionysos
Ohr, Griechisches Theater und römisches Amphitheater.
Weiter geht es zu unserem neuen Hotel direkt am Meer in der Nähe von
Taormina. Es ist ein recht schönes Haus, obwohl ich von meinem Fenster
auf ausgehängte Wäsche blicke. Aber auch das ist Italien!
Ich erfahre von unserem Reiseleiter, dass sich eines unserer Hotels
darüber beschwert hätte, dass einige Leute unserer Gruppe
sich dermaßen unverschämt beim Frühstück mit Proviant eingedeckt hätten, dass
nichts mehr übrig geblieben war. Jetzt verstehe ich auch die Hast der
Kellner besser, uns auf "Vorkasse" zu setzen. Ich schämte mich für das unmögliche Verhalten meiner Landsleute.
Der 9. Tag ist dann leider schon wieder Abreise: Via Neapel und den
eingangs genannten Städten.
Unterwegs: 23.3.01:
Unsere Fahrt geht zurück nach Messina, zu der Fähre, mit der wir
übersetzen. Die Sonne scheint, und so kann ich noch einige Aufnahmen
machen.
Wir fahren wieder durch die grüne Landschaft von Calabrien mit
ihren menschenleeren Gebieten und den vielen Schafherden. Ich höre die
schöne Musik von John Barry und genieße die herrlichen Ausblicke auf
eine wilde Landschaft.
In Neapel. Wir übernachten wieder hoch über dem Golf von
Sorrent und der Stadt Neapel. Eine kleine Gruppe, darunter ich, wird aus Platzgründen aus dem
alten Hotel ausquartiert und kommt in ein anderes,
sehr schön gelegenes Hotel mit herrlichem Blick direkt auf das Meer.
Noch einmal muss ich als Reiseleiter einspringen, weil die
Hotelleute außer ihrer Sprache nur Englisch reden können. Niemand außer
mir spricht ausreichend gut Englisch. Als alle ihr Zimmer zugeteilt bekommen haben - einige ältere Herrschaften drehen
dabei fast durch - kehrt Ruhe ein.
Bei einem Glas Wein und mit Blick auf den Golf von Sorrent genieße ich den Rest des aufregenden Tages.
Heimreise: 24.3.01
Weiter
geht es über Rom, Florenz, durch die Malise, dann tauchen
wieder die Zypressen der Toskana auf. Ich höre Musik und lass meine
Blicke über die schöne Landschaft gleiten. Die anderen Leute
schlafen entweder oder stieren vor
sich hin. Die Frau hinter mir scheint wie jeden Tag ins Koma
gefallen zu sein. Leise schnarcht sie vor sich hin. Ich frage mich,
warum sie überhaupt eine solche Reise macht.
Am Gardasee: letzte Übernachtung in einem größeren Zimmer (sogar mit Fußbodenheizung).
Wir kommen Sonntagnacht in Berlin an und haben das Gefühl, in der
Eiszeit gelandet zu sein. Es ist bitterkalt, die Straße eine einzige
Rutschbahn, Verkehrschaos allerorten.. Einen größeren Gegensatz hätte es nicht
geben können. Wehmütig denke ich an die Sonne, die Blumen und die
vielen Zitronenbäume, die ich auf meiner schönen Reise geneißen konnte.
Fazit:
Sizilien hat mir sehr gut gefallen, und ich hoffe, daß ich diese schöne Insel irgendwann einmal wiedersehe.
Adieu, schönes Sizilien!
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Nachfolgend eine Reihe von Gedichten, zu denen ich auf dieser Reise inspiriert wurde:
Sizilianische Träume
1. In der Straße von Messina
Im Traume segelte ich
über die Stretta di Messina,
Fiel über Bord und tauchte
tief hinunter
bis zum Meeresgrund.
Erwachend
im Bauche einer griechischen Galeere
fand ich Gold und Edelstein zuhauf
und in riesigen Amphoren
Speis und Trank.
Als Galionsfigur mit kühnem Blick
den Winden trotzend
segle ich forthin in meinen Träumen
durch die Zeiten,
Vergangenheit und Gegenwart
vereinend.
2. Städte aus Tausendundeiner Nacht
Agrigento,
im Blütental der Tempel,
Palermo, wo Allahs Architekten wirkten,
Siracusa,
antiker Hafen am blauen Meer,
Taormina,
kühn gebaut
in schwindelnden Höhen:
Städte mit Namen
Wie aus Märchen
von Tausendundeiner Nacht
Sah ich
Mit staunenden Augen:
Mystische Orte,
geschaffen vom Genius
großer Künstler
im Banne großer Weltreligionen,
atemberaubende Zeugnisse
vergangener Zeiten.
3. Auf Odysseus‘ Spuren
Auf Odysseus‘ Spuren
Folgte ich den lauen Lüften
Hinaus aufs Meer,
hielt Ausschau nach Äolus,
dem Gott der Winde,
damit er mir gäbe
für meine Segel
genügend Wind
für allzeit gute Fahrt.
4. Vulcano
Vulcanus,
Gott der Schmiede,
und Äolus,
Gott der Winde,
haben Dich,
Vulcano,
erschaffen
aus Feuer und Wind,
gehüllt in ein stolz‘ Gewand
aus Gold,
in gelb und grün,
giftig,
in der heißen Sonne
schillernd.
Heiße Wasser brodeln,
Schwefeldämpfe steigen
Hoch in des Himmels
Strahlend Blau.
Barmherzig linderst Du
so manchen Schmerz,
zerstörst gnadenlos
zugleich
so vieler Menschen Traum.
5. Ätna
Aufgestiegen aus dem Meer
Bist Du,
Ätna,
Stolzer Berg
Der Du gebietest
Als Herrscher über Leben und
Tod,
Gottgleich
Über Reichtum und
Verheerende Not.
Dauernd in Bewegung
Bist Du,
Ätna
Alles beherrschend
Hältst Du
Seit ewigen Zeiten schon
Dein Zepter übers Land.
Wie klein und
machtlos
Sind wir Menschen doch
Angesichts Deiner Kraft.
6. Nymphe Artusa
Abends am Papyrus-Brunnen
Bin ich Dir begegnet,
Nympe Artusa.
Ich sah Dich weinen,
beklagen bitterlich
Dein schrecklich Los,
allein zu sein
in diesem fremden Land.
Alpheus heißt der Mann,
der Dich begehrt und den
Du haßt,
der mächt'ge Flußgott ist er.
Nicht erwehren kannst Du Dich
seiner starken Arme Kraft,
nicht ertragen
seiner heißen Blicke Glut.
Die Seine mußt Du werden,
Du weißt es ganz genau.
Und Deine Tränen
werden fließen
immerdar
In diesem Brunnen hier.
7. Siracusa
Unter Siracusas Sternenhimmel
Wandelte ich des Nachts,
als sie mir begegneten:
Schweigend schritten sie
Gesenkten Hauptes durch die Gassen:
Allen voran Sappho,
leise ein Gedicht rezitierend,
gefolgt von Epikarm und Pindar.
Zu Aischylos
gesellte sich Platon,
beide tief verloren in Gedanken.
Im diffusen Licht des Hafens
Verschwanden sie.
Mir war’s als wären sie geflogen
Hoch empor,
Den Sternen zu,
von wo sie,
ich glaub' es fest,
vor vielen hundert Jahren
auch gekommen waren,
die Welt mit ihrem Geiste
zu erleuchten.
8. Stupor Mundi
In der Kathedrale von Palermo
im Sarkophag aus purpurrotem Marmor
Hast Du,
edler Federico,
Vor mehr als 700 Jahren
die letzte Ruh‘ gefunden.
Einer der Großen,
Enkel Barbarossas,
König von Sizilien,
Deutscher Kaiser
Warst Du
vor langer, langer Zeit.
Dein Werk
Vollbracht in längst vergangnen Tagen
Ist noch heut‘ in aller Munde.
Stupor Mundi,
die Welt staunt ob Deiner Taten.
Alles Wissen Deiner Welt war Dir geläufig.
Gedichte schriebst Du,
Bücher, die noch heute gültig.
Bildung war Dein hohes Ziel,
Reformen Dein Programm.
Stupor Mundi,
noch heute staunt die weite Welt
ob Deiner wunderbaren Taten.
Gedichte und Reisetexte copyright Gisela Bradshaw
Berlin, 31.3.01 / update 25.9.2013/01/20