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Einmal Sizilien und zurück - 6 300 km 

- ein Reisetagebuch -


Berlin, 9.3.01
Ich habe ganz spontan eine Reise nach Sizilien gebucht, und zwar eine Busreise, weil ich so in einer Gruppe reisen kann.

Heute nachmittag habe ich ein bißchen meinen Reiseführer "Sizilien" durchgeblättert. Ich war sehr beeindruckt von den wunderbaren Bildern und der Fülle der Informationen, die ich da zu lesen bekam.

Das Buch ist geschrieben von einer Frau namens Luise Tyroller, die lt. Angabe schon über zwanzig  Jahre der Faszination dieser wunderschönen Insel erlegen ist. (Abenteuer und Reisen Sizilien, erschienen im Mayers Geografischen Verlag).

Ich habe mir nun unsere geplante Route angesehen und werde mir an Hand des vorliegenden Reiseführers anschauen, was wir alles zu sehen bekommen. Es ist sozusagen eine kleine Vorbereitung meiner Reise, über die ich dann im einzelnen selbstverständlich auch schreiben werde.

Also, los geht es:

Am 1. Tag fahren wir um 6.30 h ab Berlin los in Richtung Österreich mit Zwischenübernachtung im Raum Gardasee (Gott sei Dank habe ich ein Einzelzimmer und brauche keine Schnarcher zu ertragen!).

Unterwegs: 15.3.01
In aller Herrgottsfrühe fuhr ich mit dem dem Bus zum Kudamm, wo auch schon einige Gestalten im grauen Licht des Morgens vor sich hinfroren. Ich stieg dann in den Bus mit dem Schild "Sizilien" ein. Die Reisegesellschaft war mal wieder typisch "ostlastig geprägt", graue Gestalten mit teilweise unförmigen Figuren und fürchterlichem Ostberliner Dialekt.
Mein Nachbar ist ein jüngerer Mann aus Norddeutschland, mit dem ich mich gut unterhalten kann. Sein Name ist Georg.

Die Fahrt geht durch Bayern, Österreich, dann über den Brenner. Unsere erste Station ist ein Hotel am Gardasee (Spiazzi am Monte Baldo), in der Nähe von Verona. Sehr schön gelegen und sicher ein guter  Ausgangspunkt für einen Urlaub am malerischen Lago di Garda. Mein Hotelzimmer jedoch war eine einzige Zumutung: mit ca.10 qm hatte ich gerade mal Platz für meine Reisetasche und mich selbst. Um in das kleine Bad zu gelangen, musste ich wie ein Storch über meine Tasche steigen. Außerdem war das Bett offensichtlich den ganzen Winter über nicht benutzt worden, denn es war kalt und klamm. Wie ein Eskimo zog ich alle verfügbaren Pullover und warmen Sachen an, die sich in meinem Besitz befanden. Die ganze Nacht über hatte ich im übrigen das Vergnügen, Zeuge von regen Gesprächen und Aktivitäten meiner Nachbarn zu sein.

Am 2. Tag geht es dann durch die wunderschöne Toskana, die ich auch über alles liebe, vorbei an Florenz, Rom, diesen atemberaubend schönen Städten,  in den Raum Neapel, wo ich vor ein paar Jahren ebenfalls schon einmal war, in Mondragone mit wundervollen Ausflügen zum Vesuv und  Pompeji, sowie der zauberhaften der Insel Capri. Im Raum Neapel werden wir noch einmal übernachten und hoffentlich erlebe ich hier nicht noch eine weitere  böse Überraschung.

Unterwegs: 16.3.01
Lange Fahrt durch die atemberaubend schöne Landschaft der Toskana mit ihren schlanken, hoch in den blauen Himmel ragenden Zypressen, die sehr oft in Dreiergruppen rund um die malerisch gelegenen "casa colonici" gepflanzt sind.
Unser Reiseleiter nannte uns den Grund dieser merkwürdigen Anpflanzungen:  in früheren Zeiten hielten vorbei reisende Pilger auf ihrem Weg nach Rom  immer nach diesen Bäumen Ausschau, weil sie wussten, daß sie bei den dort lebenden Menschen  stets eine Herberge für die Nacht finden würden. Welch ein schöner Brauch!
Unsere Fahrt geht vorbei an malerisch  auf hohen Felsen gelegenen mittelalterlichen Städten, an Orvieto zum Beispiel, die Stadt, aus der der  bekannte Wein gleichen Namens kommt.  Der blaue Himmel, geschmückt  mit  wunderschönen Wolkenbildern  und die anmutige leicht hügelige Landschaft der Toskana sind für mich immer wieder eine Augenweide.

Ich kann es nicht fassen, dass einige meiner Mitreisenden schnarchend in ihren Sesseln sitzen oder nur gleichgültig vor sich hin stieren. Die Radiomusik ist überhaupt nicht nach meinem Geschmack, deshalb lege ich mir ein schönes Mozart-Klavierkonzert in meinen CD-Spieler ein. Mit dieser herrlichen Musik  fühle mich sehr wohl und genieße die vorbeifliegende Landschaft in vollen Zügen.

Dann taucht der Gebirgszug der Abruzzen zu meiner Linken auf, raue unwirtlich aussehende Berge, die aber, wie mein Nachbar mir sagt, sehr schön sein sollen und wo es neben Wolf und Luchs auch sogar Bären geben soll. Hoch oben auf dem Berg leuchtet ein großes Gebäude auf: Monte Cassino, das Kloster, das  im Jahr 529 von Benedikt von Nursia gegründet,  im 2. Weltkieg völlig sinnlos  zerstört und nach dem Krieg mit großer finanziellen Unterstützung der Kanadier wieder aufgebaut wurde.

Dann sehe ich den  Vesuv mit seinen zwei Kratern, hoch über Napoli und dem Meer. Irgendwo zu meiner linken Seite müssen Herkulaneum und Pompeji liegen, die Städte, die bei dem Vulkanausbruch im Jahre 79 n. Chr. verschüttet und vernichtet wurden.
 
Sorrent, die Stadt, von der so viele Lieder singen, taucht auf, mit totalem Verkehrschaos. Wir fahren entlang am Golf von Sorrent, die Inseln Capri und Ischia liegen vor uns im dunstigen Licht des hereinbrechenden Abends. Welch eine Landschaft!

Unterwegs: 17.3.01
Das zweite  Hotel ist um einiges besser als das von letzter Nacht. Es ist warm und hat eine heiße Dusche, unter die ich mich sofort stelle.

Morgen geht unsere Fahrt weiter in Richtung Sizilien. Unser Reiseleiter und Fahrer hat sich einen Leckerbissen für uns ausgedacht: er will die Route über die Amalfitana nehmen, entlang der wunderschönen Küstenstraße, die angeblich die schönste der Welt sein soll.

Nach einer guten Nacht - dieses Mal ohne Alpträume schaue ich als  erstes aus meinem Fenster, um die frische Luft zu genießen und die Gegend zu inspizieren. Das schön beleuchtete Gebäude gegenüber, das ich am Vorabend bewundert habe, ist- wie sollte es anders sein - eine alte Burg hoch oben auf dem Berg.
 
Das Frühstück ist dürftig wie es offensichtlich hier in Italien immer ist: ein Brötchen mit einer Minibutter und einem Marmeladentöpfchen. Dazu Milchkaffee mit wässriger Milch, Farbe graubeige.
An meinem Tisch sitzt ein merkwürdiges Paar: eine recht attraktive blonde Frau, gut gekleidet mit einem alten Herrn, bei dem ich mich frage, ob es ihr Vater oder ihr Mann ist. (Es war ihr Mann, wie es sich später herausstellte).
Wie bereits erwähnt, ist die Reisegesellschaft äußerst schlecht gekleidet. Eine Frau mit abstehendem Bauch in weißen, mit roten Rosen bedruckte Hosen, einem türkisfarbenen Oberteil und einer blauen Windjacke fällt mir besonders auf. Herr Lagerfeld würde beim Anblick einer solch abstrusen Kreation in  Ohnmacht fallen.
Der dritte Tag führt uns über die "Autostrada del Sol" nach Calabrien, dann setzen wir über nach Sizilien.
Eine Übernachtung im Raum Taormina oder Milazzo.

Reiseführer: "Taormina thront auf einem Felssporn hoch über den blauen Fluten des Ionischen Meeres. Die Griechen errichteten hier ein Theater - mit dem Ätna als Bühnenkulisse.
Als Johann Wolfgang Goethe und sein malender Freund Kniep im Jahr 1778 auf ihrer italienischen Reise in Taormina Station machten, gab es hier keinen einzigen Gasthof, nur eine Karawanserei - womöglich noch aus der Zeit, als Taormina arabisch war - in der Mensch und Maultier einträchtig unter demselben Dach nächtigten. Das lehnte Goethe jedoch aus hygienischen Gründen ab. Dann war da noch ein Kloster, das Pilger aufnahm. Goethe lehnte das jedoch auch ab und sagte:
"Noch nie habe ich ein Kloster um Gastfreundschaft gebeten." Wo er nun tatsächlich geschlafen hat, wissen nur das Fremdenverkehrsamt des Nachbarortes Giardini-Naxos: Bei einem reichen Bauern, und das Fremdenverkehrsamt in Taormina: Natürlich in einer der Privatvillen von Taormina."

Übrigens soll Taormina eine der wenigen sizilianischen Städte sein, wo Besucher bis in die Nacht hinein ohne Angst vor Überfällen bummeln gehen können. Die Gästeliste von Taormina ist spektakulär:

Guy de Maupassant, Kaiser Friedrich II von Preußen, Elizabeth Taylor, Richard Burton, Oscar Wilde, Köngig Edward VII von England. Thomas Mann, Greta Garbo, Marlene Dietrich, Johannes Brahms, Richard Wagner, Nelson Rockefeller, Christian Dior usw. und so fort....
 
Zum Ätna: Wo heute der größte und aktivste Vulkan Europas eine ganze Region prägt, war in grauer Vorzeit eine weite Bucht, aus der sich allmählich eine kleine Warze aus Lava erhob. Im Verlauf ständiger Eruptionen füllte der Ätna zuerst die Bucht aus und schob seine Lavaströme dann auch über die umliegenden Gebiete.
Der Ätna ist 3323 m hoch, und sein Durchmesser an der Basis entspricht der Strecke München-Augsburg. Letztmalig hat er 1999 Lava gespuckt. Während an der Südflanke die sizilianische Sonne eine karge Mondlandschaft geschaffen hat, ist die wasserreiche Nordflanke ein blühender Garten. Der Ätna ist ein junger Berg, sagen die Geologen, für die 700 000 Jahre recht wenig bedeuten. Vielleicht ist  er deshalb immer noch so lebendig. Ständig schwebt eine weiße Dampfwolke über seinem Krater, die bei klarem Wetter selbst in fünfzig Kilometer Entfernung noch gut zu sehen ist. Von weitem wirkt sie so zart, daß die Sizilianer sogar einen Kosenamen für sei erfunden haben: "Pennecchietto", Federbüschelchen. Aber die Wolke hat es in sich. Die Menge an CO2, die der Ätna ausstösst, ist für einen jungen Vulkan außergewöhnlich hoch: alle anderen Vulkane der Welt zusammen schaffen es gerade einmal, genausoviel CO2 zu produzieren. Deshalb haben die Geologen den Ätna mit Forschungsstationen umzingelt, um zu ergründen, aus welchen Tiefen des Erdinnern er seine Ladung bezieht.
 
Lt. Reiseführer ist die Nordseite des Ätna seine Schokoladenseite. Die Sonne dörrt das Land aus, die vielen gletschergespeisten Wasserläufe können für die Bewässerung genutzt werden. So gedeiht hier alles, was die sizilianische Küche und was die Touristen verpackt mitnehmen können: Getrocknete Steinpilze, ein Topf Honig von Wildkräuterblüten oder Konfitüre aus exotischen Früchten sind günstige und leckere Mitbringsel. Dazu Gebäck aus Haselnüssen, Mandeln und  Pistazien, Marzipan in allen Formen etc. Auch Limoncello, der Zitronenlikör, ist zu empfehlen.

Unterwegs:18.3.01
Unser Hotel heißt "Atlantis" und liegt in der Nähe von Taormina. Auf den ersten Blick sah es top aus. Wie es sich herausstellt, ist es aber auch mit einigen Nachteilen behaftet: es ist sehr hellhörig, und so habe ich das Vergnügen, wieder einmal an dem Tun und Treiben meiner Nachbarn teilnehmen zu dürfen. Außerdem ist der Service nicht besonders:

Beim Abendessen kassieren die Kellner den Wein ab, als wir noch beim Essen sind,  so als wären wir Strauchdiebe, denen nicht zu trauen ist. Ich weise den jungen Mann auf seine Unhöflichkeit hin, worauf er dann beleidigt abzieht, um sofort wiederzukommen, als wir den letzten Bissen vertilgen. Offenbar eilt unserem Reiseveranstalter der Ruf von Zechprellern voraus. Später auf dieser Reise erlebt ich allerdings etwas, was diesee offensichtlich sehr schlechte Reputation bestätigt.

Die Reisegruppe, die im übrigen ein Durchschnittsalter von ungefähr 60 Jahren hat, ist sehr illuster gemischt. Überall hört man die diversen ostischen Dialekte: Berlinerisch vom feinsten, Brandenburgisch und vor allen Dingen das säuselnde Sächsisch.

Manche der Männergesichter kann ich mir in meiner Phantasie sehr gut hinter den ehemaligen Zollabfertigungskabäuschen vorstellen, die ich damals zu r Zeit der Brliner Mauer  so oft passieren musste.  Wo sind diese Typen nur geblieben, die mich damals so erbarmungslos drangsaliert haben und die nicht die geringste Rücksicht auf eine allein reisende Mutter mit zwei kleinen Babies nahmen.
Na ja, das ist ja Gott sei Dank jetzt Vergangenheit. Jetzt dürfen wir gemeinsam reisen und uns zusammen an den Schönheiten Italiens erfreuen. Aber Spaß beiseite: ich glaube, dass es noch sehr viele Jahre braucht, um den Graben zwischen den Ost-und Westdeutschen zu schließen.

Mein Reisegefährte hat das Zimmer neben mir. Ich höre von ihm keinen Mucks, ganz im Gegenteil zu meinen Nachbarn zur Linken, die offensichtlich beim Abendessen zu tief ins Glas geschaut haben und, nach den Geräuschen zu schließen, offensichtlich in den frühen Morgenstunden ihre Klobrille umarmten.

Heute machen wir einen Ausflug zum Ätna:
Leider ist das Wetter sehr durchwachsen. Es regnet sogar. Wir fahren - ziemlich lange hoch zum Ätna, bis zur Seilbahn, die wir aber nicht nehmen, weil die Zeit nicht ausreicht. Auf der Ebene, auf der wir uns befinden, ist nichts Spektakuläres zu sehen, kein Rauch, keine Fumerolen so wie damals auf  dem Vesuv.
Wir hören, daß der Ätna ein "berechenbarer Berg" ist, d.h. seine offensichtlichen Aktivitäten, Ausstoß von Rauch, Dampf und sogar rotglühender Lava sind zwar beachtlich, aber scheinen eher den Druck zu reduzieren, unter dem der Berg steht.

Der Vesuv im Gegensatz dazu soll ein "unberechenbarer Vulkan" sein, der sich scheinbar ruhig verhält, dann aber schlagartig explodieren kann. Auf dem Vesuv sind deshalb überall Meßstationen aufgestellt, die den Zustand dieser "Bombe" überprüfen. Vor dem Ausbruch des Vesuvs am 24. August 79 nach Christus, wobei Pompeji, Herkulaneum und weitere blühende Städte von einem Augenblick auf den anderen zerstört wurden, waren keinerlei Anzeichen einer Katastrophe zu bemerken. Alles geschah ganz plötzlich und unerwartet.

Ich habe zu dem Thema ein kleines Gedicht geschrieben, weil mich das Thema "Leben am Abgrund" fasziniert hat.


Ätna
Aufgestiegen aus dem Meer
Bist Du
Ätna,
Stolzer Berg
Der Du gebietest
Als Herrscher über Leben und
Tod,
Gottgleich
Über Reichtum und
Verheerende Not.
Dauernd in Bewegung
Bist Du
Ätna
Alles beherrschend
Hältst Du
Seit ewigen Zeiten schon
Dein Zepter über das Land.
Wie klein und
machtlos
Sind wir Menschen doch
Angesichts deiner Kraft.


Unterwegs: 19.3.2001
Unsere Fahrt geht  weiter nach Taormina, das wie ein Nest hoch oben an einem Berghang über dem Ionischen Meer  liegt. Leider kommt die Sonne erst viel später durch, was meine Stimmung dann auch schlagartig verbessert. Als ich mit meiner Kamera dann durch das "Teater greco" schlendere, wird  der Himmel wieder blau und strahlend, und ich photographiere dieses schöne Theater aus allen möglichen Perspektiven.


Der 5. Tag ist zu unserer freien Verfügung. Wenn man will, kann man einen Ausflug zu den Liparischen Inseln  nach Vulcano machen, was ich eventuell auch machen werde.
 
Reiseführer: "Lipari gehört wie die anderen Inseln Vulcano, Salina, Filicudi, Panarea und Stromboli zu den Äolischen Inseln.
Die griechische Sage weiß, daß Äolus, der Gott der Wind, mit seinen Töchtern auf dem Archipel wohnte und dort in einem Schlauch aus einem Tierbalg die Winde hütete. Als Odysseus auf seinen Irrfahrten vorbeikam, gab ihm Äolus den Schlauch mit. Sollte Odysseus in eine Flaute geraten, konnte der die Winde gezielt und wohl dosiert herauslassen. Pech, daß einer aus seiner Mannschaft sich am Schlauch zu schaffen machte, ohne den Inhalt zu kennen. Alle Stürme entwichen auf einmal und sorgten für ein verheerendes Unwetter. Und wieder einmal verzögerte sich Odysseus Heimkehr....
 
Obsidian: Aus Obsidian stellten die Menschen die schärfsten Werkzeuge her, bevor sie lernten, Bronze zu gießen. Für jeden Zweck gab es das geeignete Messer, für jedes Wild die Pfeilspitze, für jede Axt die richtige Schneide. Funde von Werkzeugen aus Obisidian in ganz Europa und Nordafrika zeigen, daß Lipari konkurrenzlos war im Herstellen dieser wichtigen Werkzeuge. Obisidian bedeutete wirtschaftliche Macht, so wie später Stahl. Obisidian ist natürliches Glas entstanden durch die Hitze bei Vulkanausbrüchen."

 
Turbulenter Tag. Viele von uns nehmen an dem angebotenen Ausflug teil.  Auf dem Programm steht die Insel Vulcano auf den Äolischen oder Liparischen Inseln. Peter, unser Reiseleiter, ist an diesem Tag wegen fehlender Gelder in seiner Kasse etwas verschnupft. Da es auch sein offizieller freier Tag ist, fährt er uns nur mit dem Bus bis nach Messina, wo die Boote zu den Inseln abgehen. Am Vorabend hatte er bereits erfolglos versucht, mit mir anzubandeln. Offensichtlich um sich rächen oder vielleicht auch nur aus Zufall, drückte er mir die Schiffskarten in die Hand mit der Bitte, die Gruppe zu managen. Ich bin so verdattert, dass ich ohne zu protestieren akzeptiere. Das sollte dann auch noch ein kleines Nachspiel an dem gleichen Tag haben.

Die Insel Vulcano ist sehr interessant. Überall brodelt und dampft es, und auch der Geruch lässt auch auf rege Aktivitäten schließen, Schwefelgeruch ist überall. Die Farben der Insel sind gelb, grünschillernd und natürlich wunderbar grün wegem der üppig gedeihenden Pflanzen.
 
Georg und ich beschließen, den Vulkan zu erklimmen. Vorher kaufen wir uns noch in einem kleinen Geschäft ein bisschen Proviant: Schinken, Brot, Wasser und ein paar Tomaten. Ich radebrechte in italienisch und nehme mir wie immer in solchen Situationen vor, endlich diese Sprache richtig zu lernen.
Dann machen wir uns auf den Weg und steigen langsam den Berg hoch. Nach nicht langer Zeit kommen wir zu der ersten Hürde, einen Graben, den wir aber mühelos überwinden. Etwas höher kommt dann das wirkliche Hindernis, eine große Felsspalte, die ziemlich gefährlich aussieht, auch weil der Boden durch den lockeren schwarzen Lavasand sehr rutschig ist. Da ich nicht die richtigen Schuhe anhabe, beschließe ich, den Aufstieg nicht weiter fortzusetzen. Auch mein Begleiter schließt sich mir an, und so nehmen wir denn  wieder Kurs auf die Bergsohle. Ein kleines Picnic inmitten von stacheligen Disteln und umherhuschenden kleinen Echsen gibt uns neue Kraft.
 
Anschließend, wieder unten im Tal, beschließe ich, mich in die lehmigen Wasser des Thermalbeckens zu tunken. Eine Frau unserer Reisegesellschaft ist sofort mit dabei, und so sitzen wir dann für eine halbe Stunde bis zum Kinn in dem brodelnden, von der Hitze des Vulkans erwärmten Wasser und fühlen uns pudelwohl. Nach gar nicht langer Zeit kommen weitere Leute zu uns in das Naturbecken und genießen dieses ungewöhnliche Bad. Einige von ihnen steigen noch ins Meer,  obwohl dieses am Uferrand brodelt und richtig heiß zu sein scheint.  Leider gibt es in diesem improvisierten Heilbad keine Dusche, unter der wir uns reinigen könnten. Dies können wir ja in unserem Hotel nachholen. So treten wir müde und von leichten Schwefelgeruch umweht unsere Rückfahrt an und fühlen uns wie neugeboren.

Unsere Fähre nach Messina soll kurz nach vier ablegen.  Da ich ja die Verantwortung für die Gruppe  übertragen bekommen habe  versammele ich meine Schäfchen an der Anlegestelle um mich herum. Als ich dem Matrosen an der Sperre unser Sammeltickets hinhalte ,schüttelt er seinen Kopf und sagt auf  Englisch:
"No, you must go and change the tickets!"
 
Peter, der Reiseleiter, hatte mir die Tickets in die Hand gedrückt und noch gesagt, es seien Tickets für Hin- und Rückfahrt. Dem war offensichtlich nicht so.
In der Aufregung - weil das Schiff ja gleich ablegen sollte - kommt es fast zu einem Handgemenge, weil sich einige der älteren Herrschaften mit Gewalt Zugang zu dem Schiff verschaffen wollen.

Es gilt also zu handeln: ich renne los, im Schweinsgalopp, quer über den Pier auf der Suche nach dem Büro der Schiffahrtslinie. Gott sei Dank ist Georg an meiner Seite.  Wir landen in einem kleinen Büro, in dem ein kleiner hutzeliger Mann ausgiebig telefoniert, sich aber uns dann doch zuwendet, wahrscheinlich, weil er unsere Aufregung mitbekommt. Er sagt uns, wo wir hinmüssen, und weiter geht unser Galopp durch das Hafengelände.

Es stellt sich heraus, daß der Reiseleiter  nur Tickets für eine Strecke gelöst hatte, aus Versehen oder weil er sauer auf die Gruppe war - ich weiß es nicht. Auf jeden Fall sind  jetzt 210 000 Lire fällig. Georg, der Retter, hat soviel Geld dabei. Wir bekommen  die fehlenden Rückfahrttickets und eilen  wieder in Richtung Schiff, das Gott sein Dank noch immer wartet. Es stellt sich dann  noch  heraus, dass der Ausflug, für den wir   DM 70.-- pro Person bezahlt haben, total überteuert war. Hin - und zurück mit dem Schiff kosten umgerechnet nur DM 14.-- pro Person. Allgemeiner Unmut macht sich breit, aber schließlich legen sich die Wogen der Erregung, und alle kehren zur Tagesordnung zurück.

Abends zurück im Hotel nehme ich erst mal eine schöne warme Dusche und spült mir den Schwefelschlamm von meinem Körper.
Nach dem Essen, das wie üblich abläuft - mit Monologen einiger Leute an unserem Tisch, natürlich im schönsten breiten Berlinerisch - ziehe  ich mich auf mein Zimmer zurück und bewundere einen phantastischen Sternenhimmel, auf den dann am folgenden Morgen ein ebenso wundervoller Sonnenaufgang folgen soll.
An diesem neuen Tag, es istunser 6. Tag steht  Agrigento auf dem Plan:

Unterwegs: 20.3.01
Fahrt über Catania in der Herz der Insel, weiter über Enna nach Agrigent zum "Tal der Tempel". Übernachtung in dieser Gegend.

Reiseführer:
"Wenn man im Frühling das Tal der Tempel hinab wandert, kann man sich gut vorstellen, warum die Landschaft um Agrigent seit jeher immer wieder Siedler angelockt hat. Ende Februar wird im Tal das Mandelblütenfest gefeiert. Im warmen Nachmittagslicht ist das Tal stechend grün, die Sonne scheint durch die Gräser und den üppigen Klee. Die Mandelbäume sind in rosa Blütenwolken getaucht, und alles ist so frisch, als wären die dorischen Tempel eben erst fertig geworden. Sie sind hier besser erhalten als die meisten Tempel in Griechenland. Sieben der antiken Vermächtnisse liegen im Valle dei Templi. Davon ist der Tempio di Concordia, der Tempel der Eintracht, fast unzerstört. Das ganze Gebiet steht unter Landschaftsschutz.
Berühmte Leute aus der Gegen um Agrigent: Luigi Pirandello, der das europäische Theater seit den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts maßgeblich beeinflußt hat. Sein Grab liegt neben einer riesigen Pinie abseits vom Haus, am Steilhang unter einem Felsbrocken. Darunter erstreckt sich das Afrikanische Meer, über das weit draußen Frachter vorbeiziehen. So hat es sich Pirandello gewünscht, als er sein Testament schrieb.
Weiterhin:  Guiseppe Tomasi di Lampedusa (Roman : Der Leopard)."

Agrigento! Ein italienischer Reiseführer zeigt uns das wundervolle Gelände mit den vielen Tempeln, die nur zum Teil noch einigermaßen erhalten sind. Es ist eine gute Atmosphäre in diesem Tal, alles ist grün, und viele Blumen blühen und duften süß.
Gerne würde ich hier noch eine Weile alleine herum streifen, um die wundervollen Ausblicke ausgiebig zu genießen, aber leider geht es nach einer Stunde wieder weiter: Nach Enna, einer lombardischen, normannischen Stadt auf einem Felsplateau. Von dem Kastell (Friedrich II war auch hier gewesen) hat man einen atemberaubenden Blick auf die weite Landschaft zu unseren Füßen, auf den Ätna, der wie immer alles beherrschend in der Landschaft steht, über Felder und Wiesen und kleine Dörfer.
Direkt gegenüber, auch auf einem Felsplateau liegt eine andere grandios anzuschauende kleine mittelalterliche Stadt, die zu besuchen es auch wert wäre.  Wahrscheinlich ist es Calascibetta. Wie ich in meinem Buch nachlese, ist Calascibetta  wahrscheinlich aus dem Heerlager der Araber entstanden, das Enna über Jahre belagerte. Der Name ist jedenfalls arabischen Ursprungs.

Aber leider wir haben zu einem Spaziergang dort keine  Zeit, da wir  weiter müssen zu unserem nächsten Quartier in einer anderen Stadt.

Diese liegt südöstlich von Enna und heißt Piazza Amerina. 5 km von dieser Stadt ist die berühmte Ausgrabungsstätte "Villa Casale" (berühmte Mosaiken), die wir wegen unseres sehr ausgefüllten Programms leider nicht besuchen können.
 
Piazza Amerina ist eine wunderbare mittelalterliche Stadt mit vielen Gebäuden, auch einem wuchtigen Kastell,  aus dem 16. Jh, unter anderem einem Dom, der für einige Leute der schönste Siziliens sein soll.
Georg und ich streifen nach dem Abendessen durch die Gassen dieser Stadt und schauen  uns alles an. Alle alten Gebäude sind schön beleuchtet, was eine sehr geheimnisvolle Atmosphäre schafft.

7. Tag: Tagesausflug nach Palermo, der Hauptstadt Siziliens mit einer Stadtrundfahrt. Übernachtung im Raum Agrigent.

Unterwegs: 21.3.01
Heute waren wir in Palermo. Wir haben besichtigt: Normannenpalast "Palazzo di Normanni" mit der Palatina-Kapelle, den Dom und Kirche San Giovanni die Eremiti.

Ich stand an dem Sarkophag von Federico II und dachte an Mama. Sicher wäre das ein eindrucksvoller Moment gewesen, da sie sich ja so für die Geschichte dieses interessanten Mannes interessiert. Unsere Reiseleiterin sagte, dass man, als man den Sarkophag vor einiger Zeit geöffnet habe, um mittels neuester Methoden festzustellen, wie Federico II gestorben sei, ob eines natürlichen oder gewaltsamen Todes, festgestellt habe, daß zwei weitere Leichen in dem Sarg lagen. Wer diese beiden Personen waren, konnte man, so viel ich weiss, bis heute nicht feststellen.
 
Eine weiterer interessanter Punkt aus dem Leben dieses Mannes:
als seine Mutter, die normannische Prinzessin Constance vom Kaiser Heinrich VI  geschwängert wurde, war sie schon über 40 Jahre alt. Um sicher zu gehen, daß das Kind, das sie gebären würde,  auch das ihre war, musste sie die Geburt in der Öffentlichkeit vollziehen. In der Gegenwart von einigen Frauen brachte sie ihren Sohn zur Welt, der dann später der "wunderbare Verwandler der Welt" genannt wurde.

Abends sind wir dann wieder in unserem Hotel "Villa Romana". Nach dem Abendessen gehen Georg und ich wieder auf Streifzug durch die schöne alte Stadt von Piazza Amerina. Oben auf dem Berg finden wir ein mittelalterliches Kastell. Drumherum herrliche alte, aber leider langsam verfallende Renaissancebauten mit schmiedeeisernen Balkonen. Alle Gebäude sind wunderbar angestrahlt und sehen überaus prächtig aus.
Das Kastell soll vor ein paar Jahren an einen Rechtsanwalt verkauft worden sein, für ganze 35000 DM (umgerechnet). Davor war es ein Gefängnis. Unterirdische Gänge sollen bis zum Dom führen. Sehr geheimnisvoll alles! All diese Informationen erhalten wir von einem jungen Italiener, der in einem Auto mit deutschen Kennzeichen oben am Kastell sitzt  und Dauertelefonateführt.  Neugierig fragt er uns, woher wir kommen  und was wir hier oben in dunkler Nacht suchen.

Unterwegs: 22.3.01 
Besuch der alten Stadt Syracusa mit Möglichkeit der Besichtigung - weiter geht es dann zur Übernachtung im Raum Taormina oder Milazzo.
 
Syracusa: eine schöne Stadt am Meer mit einem beeindruckenden Dom auf der Insel Ortiga. Besuch der archäologischen Ausgrabungen, Dionysos Ohr, Griechisches Theater und römisches Amphitheater.

Weiter geht es zu unserem neuen Hotel direkt am Meer in der Nähe von Taormina. Es ist ein recht schönes Haus, obwohl ich von meinem Fenster auf ausgehängte Wäsche blicke. Aber auch das ist Italien!

Ich erfahre von unserem Reiseleiter, dass sich eines unserer Hotels darüber beschwert hätte, dass einige Leute unserer Gruppe  sich dermaßen unverschämt beim Frühstück mit Proviant eingedeckt hätten, dass nichts mehr übrig geblieben war. Jetzt verstehe ich auch die Hast der Kellner besser, uns auf "Vorkasse" zu setzen. Ich schämte mich für das unmögliche Verhalten meiner Landsleute.

Der 9. Tag ist dann leider schon wieder Abreise: Via Neapel und den eingangs genannten Städten.

Unterwegs: 23.3.01:
Unsere Fahrt geht zurück nach Messina, zu der Fähre, mit der wir übersetzen. Die Sonne scheint, und so kann ich noch einige Aufnahmen machen.
Wir fahren wieder durch die grüne Landschaft von Calabrien mit ihren menschenleeren Gebieten und den vielen Schafherden. Ich höre die schöne Musik von John Barry und genieße die herrlichen Ausblicke auf eine wilde Landschaft.
 
In Neapel. Wir übernachten wieder hoch über dem Golf von Sorrent und der Stadt Neapel. Eine kleine Gruppe, darunter ich, wird aus Platzgründen aus dem alten Hotel  ausquartiert und kommt in ein anderes, sehr schön gelegenes Hotel mit herrlichem Blick direkt auf das Meer. 
Noch einmal   muss ich als Reiseleiter einspringen, weil die Hotelleute außer ihrer Sprache nur Englisch reden können. Niemand außer mir spricht ausreichend gut Englisch. Als alle ihr Zimmer zugeteilt bekommen haben - einige ältere Herrschaften drehen dabei fast durch - kehrt Ruhe ein.
Bei einem Glas Wein und mit Blick auf den Golf von Sorrent genieße ich den Rest des aufregenden Tages.

Heimreise: 24.3.01
Weiter geht es über Rom, Florenz, durch die  Malise, dann tauchen wieder die Zypressen der Toskana auf. Ich höre Musik und lass meine Blicke über die schöne Landschaft gleiten. Die anderen Leute  schlafen entweder oder stieren vor sich hin. Die Frau hinter mir scheint wie jeden Tag ins Koma gefallen zu sein. Leise schnarcht sie vor sich hin. Ich frage mich, warum sie überhaupt eine solche Reise macht.
 
Am  Gardasee: letzte Übernachtung in einem größeren Zimmer (sogar mit Fußbodenheizung).

Wir kommen Sonntagnacht  in Berlin an und haben das Gefühl, in der Eiszeit gelandet zu sein. Es ist bitterkalt, die Straße eine einzige Rutschbahn, Verkehrschaos allerorten.. Einen größeren Gegensatz hätte es nicht geben können. Wehmütig denke ich an die Sonne, die Blumen und die vielen Zitronenbäume, die ich auf meiner schönen Reise geneißen konnte.

Fazit:
 Sizilien hat mir sehr gut gefallen, und ich hoffe, daß ich diese schöne Insel irgendwann einmal wiedersehe.
Adieu, schönes Sizilien!


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Nachfolgend eine Reihe von Gedichten, zu denen ich auf dieser Reise inspiriert wurde:


Sizilianische Träume
1. In der Straße von Messina
Im Traume segelte ich
über die Stretta di Messina,
Fiel über Bord und tauchte
tief hinunter
bis zum Meeresgrund.
Erwachend
im Bauche einer griechischen Galeere
fand ich Gold und Edelstein zuhauf
und in riesigen Amphoren
Speis und Trank.
Als Galionsfigur mit kühnem Blick
den Winden trotzend
segle ich forthin in meinen Träumen
durch die Zeiten,
Vergangenheit und Gegenwart
vereinend.


2. Städte aus Tausendundeiner Nacht
Agrigento,
im Blütental der Tempel,
Palermo, wo Allahs Architekten wirkten,
Siracusa,
antiker Hafen am blauen Meer,
Taormina,
kühn gebaut
in schwindelnden Höhen:
Städte mit Namen
Wie aus Märchen
von Tausendundeiner Nacht
Sah ich
Mit staunenden Augen:
Mystische Orte,
geschaffen vom Genius
großer Künstler
im Banne  großer Weltreligionen,
atemberaubende Zeugnisse
vergangener Zeiten.

3. Auf Odysseus‘ Spuren
Auf Odysseus‘ Spuren
Folgte ich den lauen Lüften
Hinaus aufs Meer,
hielt Ausschau nach Äolus,
dem Gott der Winde,
damit er mir gäbe
für meine Segel
genügend Wind
für allzeit gute Fahrt.


4. Vulcano
Vulcanus,
Gott der Schmiede,
und Äolus,
Gott der Winde,
haben Dich,
Vulcano,
erschaffen
aus Feuer und Wind,
gehüllt in ein stolz‘ Gewand
aus Gold,
in gelb und grün,
giftig,
in der heißen Sonne
schillernd.
Heiße Wasser brodeln,
Schwefeldämpfe steigen
Hoch in des Himmels
Strahlend Blau.
Barmherzig linderst Du
so manchen Schmerz,
zerstörst gnadenlos
zugleich
so vieler Menschen Traum.


5. Ätna
Aufgestiegen aus dem Meer
Bist Du,
Ätna,
Stolzer Berg
Der Du gebietest
Als Herrscher über Leben und
Tod,
Gottgleich
Über Reichtum und
Verheerende Not.
Dauernd in Bewegung
Bist Du,
Ätna
Alles beherrschend
Hältst Du
Seit ewigen Zeiten schon
Dein Zepter übers Land.
Wie klein und
machtlos
Sind wir Menschen doch
Angesichts Deiner Kraft.


6. Nymphe Artusa
Abends am Papyrus-Brunnen
Bin ich Dir begegnet,
Nympe Artusa.
Ich sah Dich weinen,
beklagen  bitterlich
Dein schrecklich Los,
allein zu sein
in diesem fremden Land.
Alpheus heißt der Mann,
der Dich begehrt und den
Du haßt,
der mächt'ge Flußgott ist er.
Nicht erwehren kannst Du Dich
seiner starken Arme Kraft,
nicht ertragen
seiner heißen Blicke Glut.
Die Seine mußt Du werden,
Du weißt es ganz genau.
Und Deine Tränen
werden fließen
immerdar
In diesem Brunnen hier.


7. Siracusa
Unter Siracusas Sternenhimmel
Wandelte ich des Nachts,
als sie mir begegneten:
Schweigend schritten sie
Gesenkten Hauptes durch die Gassen:
Allen voran Sappho,
leise ein Gedicht rezitierend,
gefolgt von Epikarm und Pindar.
Zu Aischylos
gesellte sich Platon,
beide tief verloren in Gedanken.
Im diffusen Licht des Hafens
Verschwanden sie.
Mir war’s als wären sie geflogen
Hoch empor,
Den Sternen zu,
von wo sie,
ich glaub' es fest,
vor vielen hundert Jahren
auch gekommen waren,
die Welt mit ihrem Geiste
zu erleuchten.


8. Stupor Mundi
In der Kathedrale von Palermo
im Sarkophag aus purpurrotem Marmor
Hast Du,
edler Federico,
Vor mehr als 700 Jahren
die letzte Ruh‘ gefunden.
Einer der Großen,
Enkel Barbarossas,
König von Sizilien,
Deutscher Kaiser
Warst Du
vor langer, langer Zeit.
Dein Werk
Vollbracht in längst vergangnen Tagen
Ist noch heut‘ in aller Munde.
Stupor Mundi,
die Welt staunt ob Deiner Taten.
Alles Wissen Deiner Welt war Dir geläufig.
Gedichte schriebst Du,
Bücher, die noch heute gültig.
Bildung war Dein hohes Ziel,
Reformen Dein Programm.
Stupor Mundi,
noch heute staunt die weite Welt
ob Deiner wunderbaren Taten.


Gedichte und Reisetexte copyright Gisela Bradshaw
Berlin, 31.3.01 / update 25.9.2013/01/20