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Eine Reise in die Provence
im September 2014





Prolog

"Man hat keine Idee davon, wie groß und wie schön die Welt eigentlich ist,
wenn man nicht Meere und Länder durchstrichen hat.

Zitat von Georg Weerth (1822-1856) an Heinrich Heine


Ein Zufall brachte mich wieder zurück in die Provence, in eine Gegend, für die ich schon seit langem schwärme. Im Sommer 2007 hatte ich an einer Busreise dorthin teilgenommen und war damals mit wunderschönen Bildern und Eindrücken nach Hause gekehrt (siehe auch meinen Reisereport Provence 2007 in dieser Homepage.

Dieses Mal war es eine private Reise. Eine Bekannte hatte mich angerufen und gefragt, ob ich Lust hätte, mit ihr in die Provence zu fahren. Sie schilderte mir, wo und wie wir untergebracht würden: auf einer privaten Domäne in der Nähe von Aix-en-Provence, mit Halbpension (Frühstück und Abendessen). Ich war interessiert und entschied mich mitzufahren.

Weil der Mercedes meiner Bekannten defekt war, mussten wir auf meinen Wagen, einen Suzuki Swift umsteigen, ein Auto, das auf dieser Reise bewies, was es alles kann bzw. bietet: Sicheres, zuverlässiges und wendiges Fahren und  unglaublich großes Fassungsvermögen für Gepäck sogar von drei  Frauen.

Die Hinfahrt über Lyon in Richtung  Aix-en-Provence verlief glatt und zügig, im Gegensatz zu unserer Rückreise, wo wir 80 km in einem Stop-und Go-Stau  standen und Mühe hatten, nicht die Nerven zu verlieren. Auf einem überdimensional großen Mautparkplatz war kaum ein Platz zu finden und ein solches Gedränge, dass wir fast befürchteten, irgendwo sei etwas Schreckliches passiert und all diese Menschen seien auf der Flucht. Dem war Gott sei Dank nicht so.

Unsere Zeit in der Provence:


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Carcès ist unser Standort,  wenige Kilometer  östlich von Aix-en-Provence. Die Domaine de Parallion liegt in einem wunderschönen Gelände mit dichtem Baumbestand und naturbelassenen Rebstöcken, die alle voller praller Trauben hängen. Mein Cabano, ein Häuschen mit einem großen Zimmer mit TV, einem wunderschön gekachelten Duschbad und einer kleinen, feinen Terrasse mit Blick in die Weinberge liegt inmitten dieser herrlichen Gegend mit weitem Blick über eine friedliche Landschaft. Ich kann  bis hin zu dem von Zypressen umstandenen schlossähnlichen Gebäude an der Grenze unserer Domäne sehen und   kann es kaum glauben, dass ich nach langer Zeit  wieder die herrliche Provence erleben darf.   Ein warmer Wind rauscht durch die goldgelb angeleuchteten Bäume und singt  eine wunderbar beruhigende Melodie. Jeden Morgen ist es eine Freude, ins Freie zu treten und tief die frische Luft zu atmen. Die Stille hier ist perfekt. Ab und zu höre ich über Kopfhörer ein bisschen klassische Musik, Beethoven, seine Leonoren-Ouvertüren.  Seine  Musik rundet alles ab zu einer phantastischen Sinfonie, die man nur in einer von  Sonne und  warmem Klima verwöhnten Landschaft so intensiv genießen kann.


Bei unserem ersten Ausflug werden wir von der Schönheit der kleinen Stadt Cotignac überrascht. Kleine mittelalterliche Gassen, viele  alte Häuser mit Holztüren, die fast alle mit kostbaren silbernen Klopfern ausgestattet sind. Überragt wird der Ort von einer bizarren, 80 m hohen und 400 m langen Felswand aus braunem, sprödem Tuffstein.

Man kann diese Felswand auf gut ausgebauten Wegen erklimmen und wird dann mit atemberaubenden Blicken ins Tal und auf die Stadt belohnt. Ganz bis oben kommen wir allerdings  wegen der mörderischen Hitze nicht. Wir heben uns dies für einen anderen Tag auf (was aber leider nicht realisiert wurde). Die Temperaturen liegen hier bei mindestens 36 Grad C. Jeder Schritt will also gut überlegt sein.

In der steilen Felswand befinden sich merkwürdigerweise noch Überreste von großen Fenstern. Sie gehören zu Höhlenwohnungen, in denen Menschen während der Kämpfe mit den Sarazenen Schutz gesucht haben. Es soll zahlreiche Höhlen geben, die, wie ich hörte,   teilweise enorm große Stalaktiten beherbergen. Im Berg liegt auch die La Salle des Merveilles (Saal der Wunder), eine 50 m tiefe Karsthöhle mit mehr als 200 m langen Korridoren. Etwas weiter entfernt befindet sich die Tropfsteinhöhle Trompines, in der sich das Wasser der Quelle Saint-Martin sammelt. Beides konnten wir nicht besichtigen.



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Aus Wikipedia:
"Cotignac liegt gegenüber einem Felsen im Norden entlang der Cassolle, des kleinen Flusses, der durch die Gemeinde von Nord nach Süd durchfließt und schließlich über 10 m tief in einem Wasserfall weiter ins Tal stürzt. Auf dem Mont Verdaille im Südwesten, der das rechte Flussufer überragt, liegt die 1519 gegründete Kapelle Notre-Dame-de-Grâces, die früher ein berühmtes Pilgerziel in der Provence für Frauen war, deren Kinderwunsch unerfüllt blieb. Im Norden, am Hang des Bessillon liegt die Kapelle Saint-Joseph, die ebenfalls das Ziel vieler Pilger ist."
 
Später, auf einem Ausflug nach Villecroze, nutzen wir die  Gelegenheit, an einer Führung durch eine ähnliche Tropfsteinhöhle teilzunehmen. Es sind die "grottes troglodytiques", die einstmals auch teilweise zu Höhlenwohnungen ausgebaut wurden und Unterschlupf für Flüchtlinge boten. Auch dieser Fels besteht aus dem rauen, braunen Tuffstein

Zu der ca. einstündigen  Höhlenbesichtigung in Villecroze  hat sich eine kleine Gruppe zusammengefunden, die sich mühevoll durch die teilweise recht engen Höhlengänge bewegt. Ein kleiner Hund darf nicht mit hinein.  Er kann aber draussen warten und freut sich über alle Maßen, als endlich  Herrchen und Frauchen wohlbehalten wieder bei  ihm auftauchen.

Am 18.9.2014 ist in der Riviera Zeitung  ein Artikel über Villecroze und seine Grotten erschienen, der recht interessante Details verrät:
"In der Nähe der Verdon-Schlucht: Villecroze mit seinen fantastischen Grotten
Sie bestehen aus mehreren Räumen auf verschiedenen Ebenen, der größte ist sieben Meter hoch. Im vorderen Teil der Höhlen wurden große Fenster eingebaut, die eine traumhafte Aussicht auf den Ort bieten. Es ist kühl, Wasser tropft von den Wänden. Laternen beleuchten kleine und größere Säle, enge Schlupflöcher und Durchgänge, gewaltige Stalaktiten, die von der Decke bis zum Boden reichen, ausgetretene Treppen und einen unterirdischen See.
Vor tausenden von Jahren befand sich hier ein riesiger Wasserfall. Der im Wasser aufgelöste Kalk lagerte sich auf Pflanzen ab und formte sich in Jahrhunderten Schicht für Schicht bis zur heutigen Erscheinungsform.
Im Mittelalter gehörten die Grotten Benediktinermönchen, die hier Schutz vor den Sarazenen suchten. Ab 1566 ließ ein einheimischer Adeliger sie zu einer Festung ausbauen mit dem Ziel, eine sichere, hochgelegene, uneinnehmbare Felsenburg zu errichten, die noch dazu einen grandiosen Ausblick bot. Dennoch haben niemals Menschen längere Zeit dort gelebt, obwohl sie im Falle einer Belagerung aufs Beste ausgerüstet gewesen wären.
HS"

Ein weiterer Ausflug führte mich in einen einen kleinen mittelalterlichen Ort, der nur ein paar Kilometer entfernt von Carcès liegt: nach Entrecasteaux (übersetzt: zwischen Burgen). Zunächst einmal ein paar Angaben zu diesem hübschen Ort, die ich wiederum dem Internet entnehme:
"Der Name des Orts Entrecasteaux, der sinngemäß „zwischen Burgen“ bedeutet, geht auf dessen Lage zwischen den mittelalterlichen Befestigungen Pardigon, Riforan und Salgues zurück. Auch Entrecasteaux selbst wurde ursprünglich durch steinerne Mauern umrandet, in deren Schutz sich ab dem 10. Jahrhundert ein Dorf entwickelte. Die erste bekannte schriftliche Erwähnung erfolgte 1012 als Intercastra in den Cartulaire des Klosters Saint-Victor in Marseille.
Im 11. Jahrhundert wurde Entrecasteaux zu einer Grafschaft der Familie Castellane, denen im 14. Jahrhundert die Grafen von Grignan folgten. Diese ließen ab 1670 auf der Basis einer bestehenden Burg das Schloss Entrecasteaux errichten, dessen Außenanlagen durch André Le Nôtre entworfen wurden. Zu den Bewohnern des Schlosses zählte im 18. Jahrhundert auch der Seefahrer und Entdecker Joseph Bruny d’Entrecasteaux, dessen Familie das Lehen Entrecasteaux 1713 erworben hatte. Nach der Aufgabe des Lehnswesens wechselte das Schloss mehrfach den Eigentümer und ist heute in Privatbesitz, Touristen jedoch zugänglich."

 
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Ich spaziere durch diesen malerischen Ort, mache viele Bilder, wandere  am Schloss entlang herauf und herunter zu dem kleinen Fluss, über den sich eine  wunderschöne Brücke spannt.  Auch dieser Fluss, wahrscheinlich ist es die Dovelle, ist,  wie alle Gebirgsflüsse  hier, von einem kräftigen Grün. Viele alte Häuser stehen zum Verkauf. Das Schild "A vendre" ist hier allgegenwärtig. Man wird  sicher für alle Häuser Käufer finden - trotz der exorbitanten Preise. Die Provence ist ein angesagtes Gebiet, das auch durch prominente Leute, wie zum Beispiel  Angela Jolie und  Brad Pitt, immer begehrenswerter wird. Die beiden haben sich in Correns, südlich von Cotignac, ein Weingut gekauft, das sie bewirtschaften lassen. Wie oft sie wohl hierher kommen?

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Bei unseren Fahrten durch das Land passieren wir viele interessante Orte: Salernes (wo ich noch die letzte Phase des Marktes mitbekomme), Lorgues, dessen Wochenmarkt wir besuchen. Dort decken wir uns  mit Lavendel, Seife, Herbes de Provence und anderen provenzalischen Spezialitäten ein.

In Sillans-La Cascade machen wir einen Abstecher herunter zu den vielen traumhaften ineinander überlaufenden kleinen Teichen in tiefem Grün, die, inmitten  riesiger Felsblöcken liegend,  von dem Wasserfall gespeist werden. Ein paar junge Leute machen den Versuch, ins Wasser zu steigen, aber es scheint ihnen doch viel zu kalt.


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Im 635 m Höhe gelegenen Tourtour, einem ganz zauberhaften Ort in der Nähe von Villecroze, haben wir einen großartigen Blick hinunter auf das provenzalische Land, das im leichten Dunst in der Sonne träumt. Es gibt attraktive Geschäfte mit provenzalischen Spezialitäten.
Auch Maler und andere Künstler haben sich in diesem hübschen Ort niedergelassen. Die Menschen sind freundlich und scheinen sich hier sehr wohl zu fühlen.

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Zur Geschichte von Tourtour /aus Wikipedia:

"Die Schlacht von Tourtour aus dem Jahr 973 brachte den entscheidenden Sieg des Grafen Wilhelm I. von Provence über die Sarazenen. Die Sarazenen wurden durch ihre Niederlage endgültig aus Südfrankreich vertrieben, und Wilhelm I. erwarb sich durch seinen Sieg den Beinamen der Befreier und den Titel eines Pater patriae."

Wer sich in diesem Teil Frankreichs, in Alpes-de-Haute Provence, auskennt, weiß, dass es hier eine ganz besondere, großartige Sehenswürdigkeit gibt, die "Gorges du Verdon". Diese stand selbstverständlich auch auf unserem Programm.
Zunächst ein paar wissenswerte Daten (aus Wikipedia):

"Die Verdonschlucht, französisch Gorges du Verdon, umgangssprachlich auch Grand Canyon du Verdon, ist eine Schlucht in der französischen Provence, Département Alpes-de-Haute-Provence. Sie beginnt flussabwärts nach der Stadt Castellane und endet nahe Moustiers-Sainte-Marie im Stausee Lac de Sainte-Croix. Durch den etwa 21 km langen und bis zu 700 Meter tiefen Canyon fließt der türkisfarbene Fluss Verdon. Die Gorges du Verdon sind neben der Tara-Schlucht einer der größten Canyons Europas und Hauptbestandteil des nach ihm benannten Regionalen Naturparks Verdon.

Geographische Lage:

Der Verdon entspringt in der Nähe des Col d’Allos im Bergland Trois Évêchés und mündet nach etwa 175 km in der Nähe von Vinon-sur-Verdon in den Durance. Das interessanteste Stück seines Laufes befindet sich zwischen Castellane und der Galetas-Brücke kurz vor dem Lac de Sainte-Croix. Die Schlucht von Verdon definiert über weite Strecken die Grenze zwischen den Départements Var im Süden und Alpes-de-Haute-Provence im Norden. Das Gebiet ist in drei Teilabschnitte gegliedert:

Die „Prégorges“ zwischen Castellane und der Brücke bei Soleils.

Die Schlucht zwischen der Brücke und l’Imbut.

Der Canyon zwischen l’Imbut und der Brücke von Galetas.

Die Schlucht ist am Grund zwischen 6 m und 100 m breit, die gegenüberliegenden Flanken sind zwischen 200 m und 1500 m voneinander entfernt und die Tiefe variiert zwischen 250 m und 700 m.

Entstehung:

In der Trias-Zeit senkte sich die Provence ab und wurde vom Meer bedeckt. In der Folge lagerten sich am Grund verschiedene Schichten von Kalk (abgestorbene Muscheln u. ä.) ab. Im Jura wurde die Provence erneut von einem warmen, wenig tiefen Meer überflutet, was die Entstehung mächtiger Korallenbänke begünstigte.

In der Kreidezeit hob sich die Provence, und das Meer zog sich in den Bereich der heutigen Alpen zurück. Erst im Tertiär wurden die Alpen aufgefaltet. Die in der Folge zerbrechenden Kalkmassive aus der Jurazeit bestimmten das Relief und die Täler. In dieser Zeit suchte sich auch der Verdon sein Bett.

Im Quartär überformten die eiszeitlichen Gletscher die Landschaft. Am Ende der Vereisung nehmen die Flüsse ihre Erosionstätigkeit wieder auf. Bedingt durch die Eisschmelze waren die Wassermengen gewaltig: bis zu 3000 m³/s. Diese Mengen ermöglichten die tiefen Einschnitte im weichen Gestein." Aus Wikipedia, Internet.

Über Entrecasteaux, Villecroze, Aups fahren wir via Bauduen nach Aiguines, nordöstlich des  Lac de Sainte-Croix, eines Stausees. Von dort aus geht es weiter hinein in den Canyon. An verschiedenen Punkten halten wir an und blicken in atemberaubende Tiefen, wo der Verdon als immer kleiner werdendes grünes  Band seinen Weg nimmt. Angesichts einer solchen fast unbeschreiblichen Schönheit und Naturgewalt  fühle ich mich ganz klein und unwichtig.


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Leider können wir nicht den ganzen Canyon befahren, weil sein Länge für unsere zur Verfügung stehende  Zeit viel zu gross ist. Wir beschließen, an einem anderen Tag von einem anderen Ausgangspunkt  (z.B.Moustière Sainte-Marie) den Canyon abzufahren. (Diesen Plan konnten wir, wie so manch anderes Vorhaben,leider nicht umsetzen.)

Vielleicht komme ich  irgendwann noch einmal zurück in diesen Teil der Provence. Dann werde ich den ganzen Canyon entlang fahren undseine ganze Schönheit bewundern.

Die Provence ist eine Reise wert, sie ist Licht, Luft und Schönheit.  Ganz egal, wo du hinkommst, dir begegnet nur Schönheit: das goldene Licht der Sonne und samtweiche Luft  verzaubern Landschaft,  Bäume, Weinberge; selbst die letzte Ruine aus einer längst vergessenen Zeit  wird in ein exquisites Bauwerk verwandelt.  Nicht von ungefähr haben hier die berühmtesten Maler gemalt und versucht, dieses Licht in ihren Werken einzufangen. Mit Erfolg! Wenn wir Bilder von Manet, Monet, Cézanne, Vincent von Gogh, Renoir, Gauguin u.v.m.  anschauen, können wir die Provence mit dem Duft von Lavendel, Rosmarin und Thymian spüren.

Epilog:

„Die Luft war ruhig und der würzige Duft der Hügel erfüllte wie ein unsichtbarer Dunst die tiefe Schlucht.
Thymian, Lavendel und Rosmarin mischten sich mit dem Geruch des goldgelben Harzes, dessen lange,
unbewegliche Tränen wie Glas auf dem lichten Schatten der schwarzen Baumrinde glänzten. Ich marschierte
lautlos in der Stille dieser Einsamkeit.“

Marcel Pagnol: Aus seinem lesenswerten Buch: „Eine Kindheit in der Provence“
 



Idar-Oberstein, im September 2014/update Febr. 2019
Copyright 2014 Gisela Bradshaw

Die im Text angeführten Zitate stammen aus Wikipedia.
Schöne Fotos von der Provence findet man in
meinem Bericht Provence 2007

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