Eine Reise in die Toskana
mit den Highlights Pisa, Florenz, Chiantistrasse,
San Gimignano, Siena, Lucca, Viareggio
vom
3. – 7. September 2008

Italien lockte, und ich konnte mal wieder nicht widerstehen:
So buchte ich bei dem Reiseveranstalter, mit dem ich schon meine vorherigen
Reisen unternommen hatte. Er hat den Vorteil, dass man mit ihm auch als
Frau alleine fahren kann, weil sich in der Gruppe meist immer jemand findet,
mit dem man sich austauschen kann. Es ist einfach schöner, wenn man
unterwegs mit jemand anderem seine Freude teilen kann. Und so war
es denn auch dieses Mal.
Wie immer ging es zu einer mehr als unchristlichen Zeit
los, dieses Mal musste ich schon kurz nach 3 Uhr morgens am vereinbarten
Abreisepunkt sein. Aufgrund des sehr frühen Starts konnten wir unseren
Zielort in der Toskana, Montecatini Therme, schon am frühen Abend
erreichen Von hier wollten wir unsere Ausflüge starten.
Montecatini Therme, eine sehr hübsche kleine Stadt,
nur wenige Kilometer zwischen Lucca und Florenz gelegen, ist einer der
bedeutendsten Kurorte der Toskana und ganz Italiens und aufgrund seiner
geografischen Lage ein sehr günstiger Ausgangspunkt für Urlauber,
die die Toskana bereisen wollen. Leider war der wunderschöne Kurpark
aus uns nicht bekannten Gründen geschlossen, und wir konnten nur durch
den Zaun sehen, wie schön es gewesen wäre, dort spazieren
zu gehen. Da wir aber jeden Tag eine andere Tour machten, konnten wir es
noch verschmerzen.
Am nächsten Morgen gleich nach dem Frühstück
starteten wir unsere erste Tour. Es ging nach Viareggio, dem Badeort am Ligurischen Meer.
Nach dem bunten Markttreiben – es waren buchstäblich
Himmel und Menschen unterwegs, auch viele Einheimische – wartete auf uns
eine Weinprobe in dem kleinen Ort Monte Carlo nahe bei. Auf einer fattoria
(Fattoria il Poggio) hatte man schon einen langen Tisch für uns gedeckt.
Der Wein strömte buchstäblich in Strömen, und als Unterlage
wurden die obligatorische Pasta, Oliven, herrlichen Parmaschinken, frisches
Brot, alles sehr lecker, gereicht. Nach kurzer Zeit waren wir, auch die
bisher eher zurückhaltenden Gäste, in sehr fröhlicher Stimmung.
Nach einem kurzen Besuch des kleinen Ladens, wo die meisten selbstverständlich
den angebotenen Waren – Wein, Oliven, Olivenöl usw. nicht widerstehen
konnten, setzten wir dann unsere Fahrt in sehr beschwingter Stimmung fort.
Es ging weiter durch das wundervolle toskanische
Land nach Lucca. Diese mit ca. 92000 Einwohnern sehr wohlhabende Stadt
ist umgeben mit einer mit Bäumen bewachsenen sehr gut erhaltenen Stadtmauer
(auf der man spazieren kann – passeggiata della Mura - und von wo aus
man eine herrliche Aussicht auf Stadt und Land mit herrlichen Villen und
landestypischen Häusern in hellem ockergelb und mit roten Ziegeldächern
hatte.
Der Name Lucca rührt übrigens her von
„luk“ = Sumpf (ligurisch-etruskisch), da sich die Stadt auf einen
Inselchen in einem Sumpfgebiet entwickelt hat. Im Jahr 180 v. Chr. wurde
es römische Kolonie, unter den Goten zum Hauptort Tusziens.
Die Karolinger verlegten dann ihren Regierungssitz nach Florenz. Aufgrund
ihrer geographisch sehr günstigen Lage (zwischen Pavia und Rom
gelegen) behielt Lucca aber ihre wirtschaftliche Bedeutung (Seidenindustrie,
Keramik, Blumenzucht, Olivenöl, Wein u.v.a.m.) Berühmte Komponisten:
Luigi Boccherini (1743-1805) sowie Giacomo Puccini (1858 – 1924) sind Söhne
der Stadt Lucca.
Nach dem Abendessen in unserem sehr angenehmen Hotel setzte
ich mich noch für eine Weile auf die geräumige Terrasse, zu der
ich direkt von meinem Zimmer aus Zugang hatte und betrachtete
zu herrlichen Puccini-Arien gesungen von Franco Corelli den südlichen
Nachthimmel mit seinen abertausend hell funkelnden Sternen. Ich hatte dieses
schöne Plätzchen ganz für mich allein und nach dem langen
mit Sehenswürdigkeiten und Aktivitäten angefüllten Tag genoss
ich diese einsamen Minuten sehr.
Am nächsten Morgen brachen wir dann nach Florenz
auf. Alleine schon die Fahrt dahin, die durch das Valle di Chianti führte,
war spektakulär: die grünen Hügel der Toskana mit kilometerlangen
Weinbergen, den silbrig-grünen Olivenhainen, den bildschönen
Casi colonici, den toskanischen Häusern und auf den Hügeln gelegenen
schlossähnlichen Anwesen waren für mich eine wahre Augenweide.
Zu gerne hätte ich Fotos gemacht, aber leider fuhren wir ohne Stop
durch dieses grüne Paradies. Wir hatten nämlich einen Termin
in Florenz, mit unserem Stadtführer, der uns Einiges über diese
Stadt erzählen wollte.
(Es gab übrigens auch einige Leute im Bus,
die während der Fahrt durch das Land stur gerade ausschauten oder
sich in dicke Wälzer (keine Reiseführer!) versenkten).
Zur Geschichte von Florenz: im 1. Jh. vor Christus wurde
zu Füßen der etruskischen Stadt Fiesole ein römisches Feldlager
gegründet. Erst viel später, im Jahr 1115 war Florenz eine autonome
Kommune. Die Macht hatten die Kleriker und reiche Kaufleute, die die
Stadt zu einer reichen Handelsstadt gemacht hatten, die auch der
wichtigste Ort der papsttreuen Guelfen (Welfen) war. Im Jahr 1282
übernahmen die Zünfte (arti) die Macht. Zwischen den Guelfen
(Papsttreue) und Ghibellinen (Kaisertreue) kam es immer wieder zu Spannungen,
auch zwischen zwei Gruppierungen der Guelfen; den weißen und schwarzen.
So wurde zum Beispiel Dante als schwarzer Guelfe gezwungen, aus der Stadt
zu fliehen. In dieser Zeit verfasste er die „Göttliche Komödie“.
Dante, der große Poet Italiens, ist aus politischen Gründen
nie wieder in seine Heimatstadt zurückgekommen, begraben ist er in
Ravenna. In der Florenzer Kirche „Santa Croce“ befindet sich lediglich
ein Kenotaph (ein Kenotaph, auch Cenotaph (aus dem Griechischen) ist ein
Ehrenmal für einen berühmen Verstorbenen, dessen sterbliche Überreste
sich nicht im Grab befinden, weil sie entweder nicht gefunden bzw.
weil sie an einem anderen Ort begraben wurden.
Florenz ist die Stadt des Geschlechtes „de Medici“.
Durch das Mäzenentum der Medici und weiterer norditalienischer
Kaufleute und Bankiers entwickelten sich Florenz, Venedig, Mailand
und Genua sowie Rom zu den kulturellen und wirtschaftlichen Metropolen
der damaligen bekannten Welt und prägten (beziehungsweise ermöglichten
erst) das Zeitalter der Renaissance.
Renaissance bedeutet „Wiedergeburt“. Bezogen auf
seinen Ursprung bedeutet der Begriff die „kulturelle Wiedergeburt der „Antike“.
Im weiteren Sinne meint Renaissance daher die Wiedergeburt des klassischen
griechischen und römischen Altertums und den Einfluss auf Wissenschaft,
Kunst, Gesellschaft sowie das Leben der vornehmen Kreise und die Entwicklung
der Menschen zu individueller Freiheit im Gegensatz zum Ständewesen
des Mittelalters. Im engeren Sinne wird unter dem Begriff Renaissance
eine kunstgeschichtliche Epoche verstanden.
Die Medici waren Kaufleute, Bankiers und Kunstförderer.
Ihre Geschichte begann mit Giambuono de Medici, geboren 1150. Giovanni
de Medici, ein römischer Bankier, der 1397 ein Bankhaus in Florenz
gründete und als Bankier des Papstes die Kirchengelder verwaltete,
hatte wirklich große Bedeutung. Er gehörte der „signoria“,
der Stadtverwaltung an.d.h. er bestimmte mit über die Geschicke der
Stadt. Sein Sohn Cosimo erbte von ihm 180 000 Gold-Fiorini
– nach heutiger Berechnung ein Millionenvermögen. Cosimo
Vecchio (1389-1464) gründete die Medici-Bibliothek (Bibliotheka Laurenziana),
die Platonische Akademie (Humanistisches Zentrum der damaligen Zeit),
ließ den monumentalen Medicipalast erbauen. Unter seinem Enkel Lorenzo,
später genannt „der Prächtige“, (1449 – 1492) wurden große
Talente wie Botticelli, Ghirlandaio, Leonardo, Michelangelo entdeckt und
gefördert. Die Stadt entwickelte sich zu einem bedeutenden Kultur-
und Wissenschaftszentrum.
Im Jahr 1494 vertrieb man die Medici, weil sie für
den Geschmack der freiheitsliebenden Florentiner Bevölkerung zu stark
geworden waren. Dieses Exil dauerte bis 1512.
Cosimo I., (1519 - 1574), später Großherzog
von Toskana unterwarf das ghibellinische Siena, und die ganze
Toskana kam unter florentinische Herrschaft. Unter seiner Ägide
kam es zur größten Glanzzeit; die bedeutendsten Florentiner
Bauten wurden errichtet.
Im Jahr 1737 hatte die Dynastie der Familie de
Medici aufgehört zu existieren. Die Toskana fiel als Reichslehen an
Lothringen.
In Florenz trafen wir unseren Stadtführer, einen
Deutschen, der, wie er erzählte, schon über 10 Jahre in
Italien lebt. Er machte mit uns einen sehr schönen Stadtspaziergang,
zur Piazza della Signoria, dem Florentiner Zentrum kommunaler Macht mit
vielen Cafés und Restaurants und dem großen von Ammanati 1563-75
geschaffenen Neptunbrunnen, wir bewunderten Michelangelos David (eine Kopie)
und genossen den Flair dieser von mit Sehenswürdigkeiten nur so strotzenden
alten italienischen Stadt. Vorbei an den Uffizien gingen wir (leider
war keine Zeit für irgendwelche intensivere Führungen vorhanden;
vor den Uffizien hatte sich eine kilometerlange Menschenschlange gebildet,
und es hätte Stunden gedauert, um diese „heiligen Hallen“ zu betreten)
bis zur Ponte Vecchio mit schönen Juweliergeschäften gefüllt
mit edlem Gold- und Edelsteinschmuck.
Majestätisch wachend über dem goldenen Szenario
der Ponte Vecchio entdeckte ich die Statue von Benvenuto Cellini, „uomo
universale“ der italienischen Renaissance. Geboren am 3. November
1500 in Florenz wirkte Cellini an der Schwelle der Hochrenaissance
zum Manierismus als Goldschmied, Bildhauer, Medailleur, Münz-
und Siegelstecher sowie Schriftsteller. Cellini gilt als einer der großen
Bildhauer der Nachantike.
Sein berühmtestes Werk, das ihm den Adelstitel einbrachte,
ist die Statue „Perseus mit dem Haupt der Medusa“, die noch immer an ihrem
Originalaufstellungsort, der Loggia dei Lanzi auf dem Piazza della
Signoria zu bewundern ist.
Eine von Cellini gearbeitete goldene Medaille „am
Hut zu tragen, mit in ganz erhabenem Relief dargestellt ein Herkules der
einem Löwen den Rachen aufreißt“ findet die Bewunderung
von Michelangelo Buonaroti, den Cellini abgöttisch verehrt und dessen
Lob ihm außerordentlich schmeichelt.
Sein Gesamtwerk, für mehrere hundert Jahre
in Vergessenheit geraten, wurde erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts
wieder entdeckt. Cellini führte ein sehr abenteuerliches und bewegtes
Leben und schreckte sogar nicht vor Mord zurück (als Rache für
den Tod seines ermordeten Bruders Francesco). Wiederholte Male wurde er
der Homosexualität angeklagt. Es gibt eine Autobiographie von Cellini:
»Mein Leben. Die Autobiographie eines Künstlers aus der Renaissance.» Übersetzer: Jacques Laager, aus dem Jahr 2000. (Nachzulesen unter »Bellini» bei Wikipedia.
Die im Jahr 996 urkundlich erwähnte Ponte
Vecchio ist die älteste Brücke von Florenz. Die heutige Gestalt
erhielt sie 1345, der Vasari-Gang (siehe unten) wurde im 16. Jahrhundert
aufgesetzt. Seit dem 13. Jahrhundert gibt es Läden auf der Brücke.
Zunächst ließen sich fast nur Metzger dort nieder, weil es sehr
praktisch für sie war, ihre blutigen Abfälle einfach in den Fluss
zu werfen. Cosimo I. de Medici (1569 bis 1574), der Tag für
Tag die Brücke auf seinem Weg zu seinem Palast (Palazzo Pitti)
überqueren musste, fand den Gestank widerlich und bewirkte im Jahr
1540, dass nur noch Goldschmiedegeschäfte auf der Brücke zugelassen
wurden. Diese Verordnung gilt bis heute.
Cosimo I ist auch Auftraggeber für den nach
dem Erbauer genannten Vasari-Gang. Er sollte den Palazzo Vecchio
mit dem neu erworbenen Palazzo Pitti verbinden, ohne dass die Hochwohlgeborenen
die gewöhnlichen Straßen zu nehmen und sich nicht durch das
normale Volk auf dem Ponte Vecchio zu quälen brauchten. Der
Vasari-Gang erlaubte den Herrschenden, sozusagen über den Köpfen
der Untertanen und geschützt vor der Witterung zwischen den Palästen
hin- und herzupendeln. Der nur in 5 Monaten erbaute Gang
war in brenzligen politischen Situationen auch eine Möglichkeit zur
Flucht.
Seit 1865 dient der Vasari-Gang als Ausstellungsraum
für Zeichnungen, Wandteppiche, Stiche, auch für eine Gemäldesammlung
mit Selbstbildnissen von Künstlern und Bildnissen berühmter Persönlichkeiten.
Er ist heutzutage Teil der Uffizien.
Am Domplatz, dem Piazza del Duomo, dem sakralen
Zentrum von Florenz, endete unser Spaziergang. Die Taufkirche, das Baptisterium
San Giovanni, ist neben San Miniato al Monte das älteste Gotteshaus
der Stadt. Es ist auf einer noch älteren Kirche erbaut und war einst
die Lieblingskirche von Dante. Bis in das 19. Jahrhundert fanden hier noch
zweimal jährlich Sammeltaufen statt. Neben der herrlichen inkrustierten
Marmorfassade aus weißem und grünen Marmor aus den Steinbrüchen
Carrara und Prato ist die von dem genialen Lorenzo Ghiberti (1426 – 1452)
geschaffene und von Michelangelo glühend bewunderte „Paradiespforte“
gegenüber der Domfassade sehenswert. Es zeigt 10 Geschichten
aus dem Alten Testament. Die Pforte ist eine sehr schöne Kopie
aus vergoldeter Bronze. Das Original wurde nach einer großen Flut
beschädigt, danach wieder aufwendig restauriert und im Jahr 1988 zum
Verbleib ins Dombaumuseum gebracht.
Auf unseren Ausflügen stellten wir übrigens
fest, dass die Toskana nach wie vor ein hoch begehrtes internationales
Reiseziel ist. Ganz egal, wohin wir kamen: immer entluden sich ganze Wagenladungen
von Menschen aus Bussen unterschiedlichster Herkunft und bewegten sich
in langsam vor sich hin kriechenden Schlangen vorwärts.
Besonders in Pisa und Florenz war das Gedränge ganz besonders groß
- und unangenehm. Immer wieder wurden wir vor Taschen- und Trickdieben
gewarnt, die in einem solchen Gewühle leichtes Spiel haben.
Dieser Besuch von Florenz wird mir aus ganz privaten
Gründen in Erinnerung bleiben: eigentlich hatte ich gar nicht vor,
die Fahrt mitzumachen, da ich befürchtete, es sei für einen Besuch
dieser Stadt viel zu heiß: wir hatten durchweg Temperaturen
über 30 Grad C. Aus Erfahrung wusste ich, dass Florenz bei solchen
schweißtreibenden Temperaturen ziemlich anstrengend ist. Da das Wetter
am frühen Morgen aber bedeckt war, änderte ich meine Pläne,
und sah zu, dass ich bei der Tour noch mitkam. Das einzige Problem war,
dass ich kein Bargeld mehr hatte, es befanden sich nur noch 10 Euro in
meiner Tasche. Aber das ließe sich ja leicht in Florenz lösen,
dachte ich. Ich hatte aber meine Rechnung ohne den Wirt gemacht: Kurzum:
ich probierte es an insgesamt drei Bankautomaten: jedes Mal weigerte sich
der Automat, mir zu Diensten zu sein. Zum Schluss zweifelte ich an allem,
vor allem an der Richtigkeit meiner Pin-Nummer (die sich im Nachhinein
als doch richtig herausstellte).
Ich war also in dieser aufregenden Traumstadt unterwegs,
bestückt mit zehn kümmerlichen Euros. Nach einem köstlichen
Eis waren es nur noch sieben Euro, zu wenig, um in einem Restaurant
Mittag zu essen und auf dem herrlichen Markt ein paar schöne Dinge
einzukaufen. Von den Mitfahrenden kannte ich niemanden, den ich wegen einer
Anleihe hätte ansprechen können. So ging ich denn meiner eigenen
Wege, kreuz und quer durch diese wunderbare Stadt, hatte Durst, Hunger
und Wut im Bauch. Das einzige, das mich noch erfreuen konnte, war der veilchenblaue
Himmel und die Schönheit der Stadt, die ich dann auch eifrig auf meine
„Platte“ bannte. Am Ufer des Arno machte ich einige stimmungsvolle Aufnahmen,
an denen ich mich noch heute erfreue. Diese Bilder hätte ich garantiert
nicht gemacht, wenn ich mit dem Pulk durch die Restaurants und über
den Markt gezogen wäre. So birgt auch jedes Missgeschick etwas
Gutes in sich.
Fazit: Leute nehmt genügend Bargeld mit oder Reiseschecks,
auch im nahen europäischen Ausland! Dann ist man auf Nummer „Sicher“.
Unsere nächste Tour war ein weiteres „Highlight"
dieser Reise: Unsere Ziele waren San Gimignano und Siena und auch hier
war einmal wieder der Weg unser Ziel; wir fuhren nämlich quer durch
das Chianti, zunächst in Richtung San Gimignano.
Das Chianti, ein burgenreiches Hügelland mit
dichten Wäldern und Macchia ist eines der bekanntesten Weinanbaugebiete
und ein sehr geschätztes Reiseziel in Italien. Diese herrliche
Region eignet sich für Entdeckungstouren mit Auto, Rad oder – am besten
– per pedes, dem Wandern von Weinort zu Weinort. Dieses Glück hatten
wir leider nicht; wir fuhren in einem Bus durch diese schöne
Landschaft, vorbei an grünen Weinbergen, pittoresken Dörfern
eingerahmt von schlanken, dunkelgrünen Zypressen, – wir sahen ganze
Alleen davon - Städtchen, Burgen und Schlössern, alles in allem
ein Fest für die Augen.
Gerne hätte ich an der einen oder anderen Stelle
verweilt und ein Foto geschossen, aber unser Wagen, - unser Bus – rollte
weiter in Richtung San Gimignano. Der Hügel, auf dem San Gimignano
erbaut wurde, soll bereits von den Etruskern besiedelt worden sein. Doch
die erste urkundliche Erwähnung fand die Stadt erst im 8. Jahrhundert.
Von 1199 bis 1353 war San Gimignano eine freie Kommune, dann geriet es
in den Machtbereich von Florenz.
San Gimignano ist weltberühmt wegen der hohen Anzahl
seiner erhalten gebliebenen Geschlechtertürme,
die in anderen Städten
nur noch Stümpfe sind, und wegen seines fast unveränderten
mittelalterlichen
Aussehens. San Gimignano wird manchmal auch das Manhattan der Toskana
genannt.
Die Familien versuchten, sich in der Höhe ihrer Türme
gegenseitig
zu übertrumpfen und damit ihre Macht zu demonstrieren. Das schien
ihnen wichtiger zu sein als ein luxuriöses Leben, das in solchen
Türmen
natürlich nicht möglich war. Von den einst 72
Geschlechtertürmen
existieren in San Gimignano heute noch insgesamt 15. Die
Geschlechtertürme waren Zufluchtsorte für die im
Dauerstreit miteinander
befindlichen Ghibellinen (Waiblinger, Parteigänger des Kaisers)
und Guelfen (Welfen, Parteigänger des Papstes).
Die Stadt ist nie sehr groß gewesen, die schweren
Familienkämpfe schwächten es zusätzlich, und nach der Pest
von 1348 begab sich die Stadt 1352 in den Schutz von Florenz, mit anderen Worten unter seine Herrschaft.
Besonders hübsch in San Gimignano: die Stiftskirche
Santa Maria Assunta aus dem 12. Jh. mit einer schlichten Fassade und einem
breiten Treppenaufgang, die Piazza della Cisterna, ein ungleichmäßiges
Dreieck, ansteigend und umgeben von hohen Palästen, Cafés und
kleinen Geschäften.
In der Mitte des Platzes befindet sich auf einem Stufensockel
die aus grauweißem Travertin erbaute Zisterne. Die tiefen Rillen
am Brunnenrand verraten, dass hier schon seit sehr langer Zeit (seit 1273)
Wasserkübel an Stricken hochgezogen wurden.
Wir wanderten durch die kleine Stadt, die heute um die
7000 Einwohner hat (meistens außerhalb der Stadtmauer wohnend) und
bewunderten die schönen alten Paläste und Türme, den
Palazzo del Comune oder del popolo (13. Jh.) mit dem Torre Grossa (54 m
hoch), den Palazzo del Podestà (aus dem 12. Jh.) mit seinem 51 m
hohen Turm und guelfischen Zinnen und großem Bogen, den Voltone.
Unsere nächste und letzte Station an diesem Tag war
Siena.
Zur Geschichte von Siena: Siena geht vermutlich, wie Florenz,
auf eine etruskische Siedlung zurück und wurde unter römischer
Herrschaft eine Kolonie mit dem Namen Saena Iulia. Im Jahr 313 wurde die
Stadt Bischofssitz. Ihre eigentliche Bedeutung erlangte die Stadt aber
erst im Mittelalter.
Seit dem Jahr 1114 sind Fehden zwischen dem kaisertreuen
Siena, und dem päpstlichen Florenz belegt. Grund der Fehden
waren stets Wegezölle und Sicherung der Handelswege. Kaiser Barbarossa
unterstützte die Stadt und belohnte ihre Treue mit dem Münzrecht,
der Gerichtsbarkeit und dem Recht Konsuln zu wählen. Im 1236 wurde
die Stadt eine freie Kommune.
1555 wurde Siena nach langer Belagerung durch die Florentiner
eingenommen und zwei Jahre später als Lehen an Cosimo I de Medici
gegeben, unter dem es Teil des Großherzogtums Toskana wurde.
Die Stadt hat ca.54.000 Einwohner und ist gegliedert in
drei Terzi (Drittel), in denen mehrere Stadtteile (Contraden) zusammengefasst
sind (insgesamt 17). Diese sind nach ihren Wappen (meist Tieren) benannt
und sind Gegner beim berühmten Palio. Der Palio de Siena ist
ein Pferderennen, das jedes Jahr der auf der Piazza del Campo ausgetragen
wird. Es würde hier zu weit führen, das komplexe Thema des Palio
zu beschreiben. Tipp: Im Internet unter wikipdia nachschauen.
Die Contraden, die im Laufe der Geschichte stets wechselnde,
hauptsächlich kommunale Aufgaben zu erfüllen hatten (ursprünglich
musste jede Contrade in Kriegszeiten Militäreinheiten stellen).
Heutzutage haben sie in Siena viele soziale Aufgaben; sie kümmern
sich um die Renovierung der Stadtteile, pflegen alte Bürger und geben
Arbeitslosen vorübergehend Aufgaben. Auf Grund der sozialen Aktivitäten
der Contraden, in denen jeder jeden kennt, hat Siena unter den toskanischen
Städten dieser Größe die geringste Kriminalitätsrate.
Die Zugehörigkeit zu einer Contrade ist für alle, ob Mann oder
Frau, in Siena eine edle Bürgerpflicht.
Siena gilt als eine der schönsten Städte der
Toskana und Italiens. Während Florenz als Paradebeispiel einer Renaissance-Stadt
vor allem durch die vielen Bauwerke und Kunstwerke beeindruckt, hat Siena
den mittelalterlichen Charakter der italienischen Gotik erhalten. Die historische
Altstadt gehört seit 1995 zum Unesco-Welterbe. Die 1240 gegründete
Universität gehört zu den ältesten Universitäten
Italiens und wird heute von etwa 20.000 Studenten besucht.
Der Dom aus schwarzem und weißem Marmor, heute eines
der bedeutendsten Beispiele der gotischen Architektur in Italien, entstand
aus einer dreischiffigen romanischen Basilika. Heute präsentiert sich
der Bau immer noch als solche, jedoch mit gotisch erhöhtem und eingewölbtem
Mittelschiff kompliziertem, mehrschiffigen Querhaus und einem gotischen
Chor. Der Bau wurde Anfang des 13. Jahrhunderts begonnen und zog sich bis
in das 14. Jahrhundert hinein. Eine letzte Vergrößerung wurde
1339 begonnen, aber wegen Geldmangels und Problemen mit der Statik nie
zu Ende geführt; heute sind nur Nordseitenschiff und Fassade des sog. »Duomo Nuovo» zu sehen, die die Großartigkeit des unvollendeten Plans
andeuten.
Wie immer haben wir viel zu wenig Zeit, um alle Sehenswürdigkeit
zu würdigen. Dennoch ist der Spaziergang durch diese schöne alte
toskanische Stadt – bei herrlichem Wetter mit blauem Himmel und sommerlichen
Temperaturen – ein Genuss.
Mit diesem letztgeschilderten Ausflug war unsere Toskanareise
offiziell beendet. Auf unserer Rückfahrt, die wir sehr früh am
Morgen antraten, gab es zu meinem Vergnügen noch sehr viel zu sehen:
wir machten Stopp am Lago di Como und hatten sogar Zeit, uns noch den schönen
Dom von Como anzusehen.
Auf der letzten Strecke - wir waren schonfast zu Hause
- ließen wir die Autobahn links liegen und nahmen die
Route über die elsässische Weinstraße. Die Sonne schien,
und so konnten wir die wunderschönen in einer wahren Traumlandschaft
eingebetteten kleinen elsässischen Städte und Dörfchen
genießen. Diese kleine Zugabe seitens unseres Reisebegleiters war
für viele von uns eine große Freude. Für mich jedenfalls
war es der Anstoß einer zukünftigen kleinen Reise: ins wunderschöne
Elsass, entlang der route de vin.
Meinem Reisebericht zugrunde lag das Dupont-Reisettaschenbuch
"Toskana", sowie "Wikipedia" im Internet.
Meine Fotos können im Web-Album Toskanareise betrachtet werden (siehe oben)
Idar-Oberstein, 25. September 2008
Copyright©2008 Gisela Bradshaw