Reise nach Istrien
vom
15. bis 21. Oktober 2007

Ich hatte mal wieder Fernweh
und mich für eine Reise nach Istrien entschieden. Es war eine Busreise
von dem Anbieter, den ich schon von meiner Reise in die Provence her kannte,
die im Übrigen außergewöhnlich schön gewesen war.
„Sonniges Istrien – Rabac 7
Tage
Traumhafte Küsten – romantische
Buchten – malerische Städte“ – so hieß das Motto meiner bevorstehenden
Reise.
Am 15. Oktober 2007 sehr früh
am Morgen machte ich mich frohgemut und neugierig auf den Weg. Schon als
der Zubringerbus nach Saarbrücken losfuhr, wurde meine gute
Laune leicht gedämpft: Hinter mir saß eine weibliche Person
mit einer Stimme, die auf viel Rotwein und Zigaretten schließen ließ.
Die Frau, die ich wegen der noch anhaltenden Morgendunkelheit nicht sehen
konnte, erzählte non-stop und so laut, dass alle Passagiere, die angesichts
der frühen Stunde sicher gerne noch ein Auge zugemacht hätten,
ob sie wollten oder nicht, die nicht enden wollenden Monologe mit anhören
mussten.
Leicht gebeutelt kam ich in
Saarbrücken an, wo wir den eigentlichen Reisebus besteigen sollten.
Man hatte mir einen Platz im vorderen Busbereich (leider mit einem geteilten
Fenster) zugeteilt, neben einem kleinen, ältlichen Mann, der scheu
in die Runde blickte. Noch vor Abfahrt des Busses setzte der Monolog einer
weiter rückwärts sitzenden Dame ein. Lauthals ging sie alle möglichen
Themen durch, von denen sie offensichtlich einige an Lager hatte. Offensicht
litt sie an einem Kommunikationsstau, hatte vielleicht zuhause niemanden,
mit dem sie sprechen konnte. Der kleine schüchterne Herr neben mir
und ich waren dieser Geräuschkulisse gnadenlos ausgeliefert, ebenso
alle anderen Fahrgäste, die das Pech hatten, hier zu sitzen. Zu allem
waren hier einige trinkfeste Personen versammelt, so daß es auch
an fröhlichen Sprüchen und anhaltendem Gelächter nicht fehlte:
nach dem Kneipenmotto: "Helmut, machste mir noch en Bier! "
Erst bei unserer Ankunft in
Limone am Gardasee nach einer Fahrt von 12 Stunden verklang langsam
das Schnattern und Gegackere und herrliche Stille kehrte ein.
Ich wankte aus dem Bus, einem
Nervenzusammenbruch nahe und drauf und dran, auf Istrien zu verzichten
und nach Hause in die Stille meiner Wohnung zurückzukehren. Gnädigerweise
bot man mir dann aber einen anderen Sitzplatz hinten im Bus an, den ich
dankbar und erleichtert annahm.
Fazit des Tages: Busreisen können
nervtötend sein. Gott sei Dank hatte ich ab sofort einen eindeutig
besseren Platz im hinteren Teil des Busses. In den folgenden Reisetagen
allerdings hatten wir unsere Freude an einer Frau, die die ganze Fahrzeit
damit verbrachte, zwei riesige Taschen mit Knistertüten auf
der Suche nach Essbarem zu durchwühlen. Sie hatte darin eine wirklich
bemerkenswerte Ausdauer: erst am Ende unserer Reise, als wir wieder
in Saarbrücken einfuhren, stellte sie ihre Suchaktionen endgültig
ein.
Die Reise ging am drauffolgenden
Tag, am 16.10.07 gegen 9.00 Uhr weiter, nach dem ich am Abend noch
Limone durchstreift und eine recht gute Nacht im Hotel verbrachte hatte.
Ankunft in Rabac, Hotel Hedra
Hotel Hedra ist eines von drei
nebeneinander gruppierten großen, hässlichen Hotels, die alle
an einer wunderschönen Bucht liegen. Mindestens vier große Reisebusse
parkten draußen auf dem Gelände, im Hotel hielten sich ca. 200
Menschen auf, teilweise mit ziemlich massiven körperlichen Gebrechen
an Rollwagen einher kommend.
Im Speisesaal war alles Self-Service mit stark
verwässertem Wein inklusive. Ich saß alleine in dieser namenslosen
Masse, versuchte aber, gute Miene zum bösen Spiel zu machen. Nach
dem Abendessen wagte ich einen kurzen Abstecher runter zum Strand, um einen
ersten Eindruck von der Gegend zu bekommen. Ich begegnete einigen betagten,
Händchen haltenden Paaren. An einem Kiosk am dunklen Strand tauchte
plötzlich der Schatten eines großen Mannes auf, der auf mich
zukam. Ich ging so schnell wie möglich wieder zum Hotel zurück.
Die Situation war mir zu gefährlich: ich trug meine Handtasche mit
allen Wertsachen bei mir. Ein Raubüberfall am ersten Tag in Istrien
hätte mir gerade noch gefehlt.
Bis zu diesem Zeitpunkt war
dieser Urlaub ein einziger Alptraum. Am Abend, als ich mich Ruhe suchend
in mein Zimmerchen zurückgezogen hatte, hörte ich lautes Geschnatter
und Gegickele - draußen auf dem Flur. Die Geräuschkulisse
stammte von einer Gruppe ältlicher Engländerinnen, die
angeregt an einem Tisch im Foyer Wand an Wand mit meinem Zimmer Karten
droschen. Es war offenbar ein sehr spannendes Spiel, weil alle Damen auf
das höchste erregt waren und unaufhörlich mit ihren hohen Stimmen
durcheinander quasselten. Gegen 21.30 Uhr endlich war der böse Spuk
zu Ende, und sie verschwanden in ihren Zimmern. Endlich war Ruhe!
Ich war dankbar und glücklich und versank in einen tiefen, traumlosen
Schlaf.
Positiver Nachtrag: der letzte
Abschnitt unserer Anfahrt zum Hotel in Rabac hatte uns uns durch wunderschönes,
menschenleeres, weites Bergland geführt, das mich sehr an Nordgriechenland erinnerte.
Die Orte, die wir durchfuhren, machten allerdings alle einen etwas
ärmlichen, vom Postkommunismus angehauchten Eindruck. Sie waren alle
schön, es fehlte ihnen aber der unwiderstehliche Charme italienischer
Dörfer.
Zitat aus dem Reiseführer:
„ Istrien besitzt im Westen
und Süden eine relativ flach abfallende buchtenreiche Küste,
im Landesinneren eine 300 bis 400 m hohe durch schmale Täler getrennte,
sanft wellige Hügellandschaft. Im Norden und Nordosten wird die spitz
zulaufende Halbinsel durch die bis 1400 m hohen Gebirgszüge Cicarija
und durch den Berg Ucka zum Hinterland und zur Kvarner Bucht hin
abgeriegelt.“
17.10.07
Frühstück im Hotel
Hedra! Nicht wie bei Tiffanys! Sondern eher wie bei einer Armenspeisung.
Ich konnte es nicht fassen, was für Paare hier herumstolzierten. Eine
Frau, klein und kräftig, mit einem Faltenrock in grellem Rot, eng
gegürtet, in einer grellgelben Bluse und einem Kopf mit steingrauer
Prinz-Eisenherzfrisur und ihr Partner, der wie ein gealterter Cocker-Spaniel
mit Pudellocken aussah, gefielen mir besonders gut. Wie immer saß
ich allein inmitten der wogenden mit vollen Backen kauenden Menge und amüsierte
mich still vor mich hin.
Nach dem Frühstück
brachen wir auf nach Opatija. Für diesen Ausflug hatte die Reiseleitung
eigens eine Reiseführerin bestellt. Es wäre auch anders gegangen,
weil, wie es sich herausstellte, denn Opatja ist ein sehr überschaubarer Ort.
Auf der Fahrt nach Opatja kamen
wir an einigen wunderbaren Küstenorten vorbei: einige Namen habe ich
aufgeschrieben: Lovran, Moscenicka Draga, Ika, Icici. Alles Orte, die sehr
malerisch am Meer liegen und sich sicher sehr gut für einen privaten
Aufenthalt an dieser schönen Küste eignen würden. Moscenicka
Draga zum Beispiel, ein zauberhafter Ort mit pastellfarbigen Häusern
am Hafen und einer üppig begrünten Villenpromenade bis zum Strand
liegt 7 km südlich von Lovran entfernt und hat einen der schönsten
Strände, den Sipar, der bereits in vielen Gedichten besungen wurde.
In meinem Reiseführer
(Baedeker – Allianz Reiseführer „Istrien .Kvarner Bucht“ habe ich
ein schönes (übersetztes) Gedicht von Rikard Katalinic
Jeretov (1869 – 1954) über den Strand von Sipar gefunden:
„Ihr kennt nicht Sipar,
kennt nicht meinen Strand,
an dem in Kindertagen Muscheln
ich fand,
wo den Kinderträumen
ich nachhing,
an dem einst ich Schmetterlinge
fing,
wo verzaubert ich
war von Wellen,
Meer und Wind und zum Ucka
wartend blickte,
dass auf diesen Berg ich
gehen würde,
um Fabelwesen zuzusehen,
die auf Pferden entlang
zur Erde
Sonnenstrahlen jagen
Ihr kennt den Sipar nicht,
kennt nicht meinen Strand,
wo als Kind mein Königreich
ich fand,
aus dem das Alter
mich nunmehr hat verbannt.“
Ucka ist ein sagenumwobenes
Bergmassiv, der westlichste Ausläufer des Dinarischen Gebirges. Es
ist 1401 m hoch und im Winter meist mit Schnee bedeckt. Die griechischen
Seefahrer nannten den Ucka „Olinfos“, die Venezianer „Caldiera“. Auf Italienisch
heißt er „Monte Maggiore“ – großer Berg.
Opatja ist eine direkt
am Meer gelegene wunderschöne kleine Stadt. Das Klima ist hier
das ganze Jahr über mild, und selbst wenn anderswo alle Hotels
für die Winterpause geschlossen haben, kann man hier noch herrliche
Tage verbringen. Es gibt zauberhafte Buchten, herrliche Anwesen (hochherrschaftliche
Villen und kleinere villenartige Häuser mit viel Grazie und Charme).
Mit der prachtvollen Boulevardstraße, den exotischen Parkanlagen
und bunten Blumengärten hat heute noch Opatija die nostalgische Atmosphäre
eines auf ein vornehmes Publikum eingestellten K.u.K.-Seebades.
Der Name Opatija bedeutet im
kroatischen „Abtei“. Im Jahr 1844 baute ein reicher Kaufmann aus Rijeka
namens Iginio Ritter von Scarpa neben einer Abtei zu Ehren seiner geliebten
Frau eine Villa, die Villa Angiolina. Die Villa liegt in einem herrlichen
Park am Meer, ebenfalls nach dem Namen von Angiolina benannt, in dem
viele exotischen Pflanzen (Palmen, japanische Kamelien, Zedern
aus dem Himalaja, u.v.a.m.) zu bewundern sind. In diesem exklusiven
Anwesen wurden damals rauschende Feste gefeiert, aber erst der Aufenthalt
Maria Anna von Savoyens, der Mutter Kaiser Franz Josephs I. in der Villa
Angiolina im Jahr 1860, machten vermutlich Opatija zum Treffpunkt des Adels
und reichen Leuten. Der Aufstieg zum Seebad erfolgte erst recht
nach dem Bau der Eisenbahnlinie Wien-Rijeka im Jahr 1873 und dem Bau des
Grandhotels Quarnero (Kvarner) im Jahr 1884. Die ersten reichen Wiener
fingen an, an der Lorbeerküste
( Lovran=Lorbeer) Villen
zu bauen. Parkanlagen, Promenaden, Badeanstalten wurden angelegt und viele
weitere Hotels und Yachthäfen folgten.
Wenn man entlang der Uferpromenade
entlang schlendert, fällt einem eine in das Meer gebaute Skulptur
auf: die Bronzefigur einer schlanken jungen Frau mit einer Möwe
auf dem Kopf. Es ist das von dem einheimischen Bildhauer Zvonko Car
im Jahr 1956 geschaffene Werk „Frau mit der Möwe“ oder auch „Gruß
an das Meer“ genannt.
Weitere Details über
Opatija findet man in dem Reiseführer. Wer durch Istrien fährt,
sollte auf jeden Fall diese Perle von einer Stadt besuchen.
18.10.07
Dieses Hotel! Ich hatte weiterhin
Schwierigkeiten, mich an den lieblosen Hotelbetrieb und dieses merkwürdige
Klientel zu gewöhnen. Als Alleinreisende wurde ich wie ein Fabelwesen
angestarrt oder was noch schlimmer war, man guckte durch mich hindurch.
An diesem Tag gab es kein offizielles
Programm, alles, was man hätte machen können, war eine Bootsreise
mit Picnic an Bord. Dazu hatte ich keine große Lust, weil auch das
Wetter ziemlich grau und regnerisch war. Ich verbrachte einige Zeit in
meinem käfigartigen Zimmer und vertiefte mich in meinen sehr guten
Reiseführer. Am nächsten Tag sollte nämlich unsere große
Istrienrundfahrt stattfinden, auf die ich mich schon sehr freute.
Später an diesem Tag kam
dann doch noch die Sonne hervor, deren Glanz mich unwiderstehlich ins Freie
zu einem herrlichen Spaziergang über die lichtumflutete Uferpromenade
lockte. Ganz besonders schön fand ich das weiße Gestein, an
dem sich die Wellen brachen.
Auf der Uferpromenade begegneten
mir einige Mitreisende, die an der Bootsfahrt teilgenommen hatten. Sie
sahen total verfroren und zerzaust aus. Die See sei sehr rau gewesen, das
Picnic aber vorzüglich und vor allem reichlich.
Noch ein paar Worte zu dem schönen
weißen Stein: Er hat seit den 60 Jahren viele Künstler nach
Istrien gelockt, da er sich hervorragend für Bauwerke und Skulpturen
eignet. In Istrien gibt es regelmäßig Bildhauer-Symposien und
Workshops von Künstlern, die mit diesem wunderbaren weißen
Material arbeiten.
Bereits die Römer
haben ihn ausgiebig genutzt, so wurde auch das mächtige Amphitheater
in Pula vor ca. 2000 Jahren aus diesem Stein erbaut. Sie errichteten
auf der adriatischen Halbinsel ganze Städte mit diesem weißen
Stein.
Wegen seiner Widerstandsfähigkeit
gegen Salzwasser war der attraktive Kalkstein auch bei den venezianischen
Baumeistern sehr begehrt (Rialto-Brücke, Dogenpalast, Palazzo Venier
di, Leon in Venedig, heute Sitz der Kunstsammlung von Peggy Guggenheim).Auch
in den anderen italienischen Städten war der „pietra d’Istria“ wegen
seiner weißen Farbe und marmorähnlichen Struktur, seiner
Härte und Unempfindlichkeit gegen Sonne und Kälte
hoch renommiert und begehrt (Schloss Miramar in Triest).
Noch heute werden in Istrien
pro Jahr rund 25 000 Kubikmeter des wertvollen Materials abgebaut,
wobei die Steinbrüche heute im Landesinnern liegen. Die großen
Quader werden ausschließlich für die Restaurierung von historischen
Bauwerken (z.B. Kathedrale von Zagreb und Dom von Regensburg) verwendet.
19.10.07
Leider muss ich noch einmal
auf unser Hotel und die Gäste zurückkommen. Es liefen wirklich
die allermerkwürdigsten Gestalten herum. Fast alle Leute hatten ihre
Teller mehr als voll geladen und packten sich nebenher auch noch Essen
(speziell beim Abendessen) ein. Hier waren fröhliche Gesichter die
Ausnahme und nur wenige zeigten Freude darüber, dass wir hier in einem
wunderschönen Land waren mit einem in allen Farben von Blau schillernden
Meer vor der Tür. Aber vielleicht geht es in einem Hotel, wo alles
all-inklusive ist, immer so zu.
Es ist kein Wunder, dass
dies nicht meine Welt war. Ich wollte in einem schönen Land ein paar
Tage Urlaub machen, in einer zivilisierten Umgebung und mich an dem Essen
und netten Menschen erfreuen. Nein, in meinem nächsten Urlaub
sollte alles so sein wie ich es mir erträume: fern von indifferenten,
freudlosen Menschenmassen möchte ich sein, an einem Ort, wo ich mich
total erfreuen kann an der Schönheit und Einmaligkeit eines fremdem
Landes. Ich möchte einzigartig sein in einer einzigartigen Welt. Ist
das zu viel verlangt? Ich glaube nicht!
An diesem Tag fand zu meiner
einzigen Freude die lang ersehnte Istrienrundfahrt statt. Um es gleich
auf den Punkt zu bringen: sie war ein Traum! Das Wetter war nach den langen
schweren Gewittern am Vortag wieder wunderbar. Der Himmel war veilchenblau,
die Luft klar und demzufolge die Sicht einzigartig. Endlich hatte ich auch
eine paar sehr nette Leute ausfindig gemacht, die wie ich „gestrickt“ waren
und voller Freude und Neugier dieses Land kennen lernen wollten.
Wir besuchten Pula, eine der
ältesten Städte an einer der schönsten Küsten im Süden
der Halbinsel Istrien mit seinen grandiosen antiken Bauten: dem Amphitheater,
dem Augustustempel und dem Forum Romanum.
Der Name Istrien geht übrigens
auf die Histrer zurück, einem handelstüchtigen Volk, das vor
1500 bis 1000 vor Christi auf der Halbinsel siedelte. Der wichtigste
Handelsplatz der Histrer war San Giusto, das heutige Triest. Es gab Handelsbeziehungen
mit Dalmatern, Griechen und Etruskern.
Der Ursprung der Stadt Pula
ist eine große histrische vor ca. 1000 vor Christi gegründete
Siedlung namens Pola, von der riesige, zyklopenhafte Mauern freigelegt
wurden. Höchstwahrscheinlich geht ihre Gründung auf noch frühere
Zeiten zurück, man nimmt an, dass sich an diesem Platz eine
griechische Siedlung befand.
Über ein halbes Jahrtausend
war Pula die wichtigste römische Stadt Istriens (genannt Colonia Julia
Pollentia Herculanea, 40 vor Chr. gegründet) und besitzt heute
noch aus dieser Epoche einige gewaltige Bauwerke. Besonders die sehr gut
erhaltene Arena oder Amphitheater ist schon einen Besuch Pulas
wert.
Ab 1331 regierte Venedig über
die Stadt, leider nicht zum Vorteil der Stadt: Ende des 18. Jh. hatte Pula
nur noch ca. 600 Einwohner.
Aus der K.u.K. Zeit (ab 1866)
sind auch viele schöne Gebäude in der Stadt erhalten. Im Jahr
1918 besetzte Italien die Stadt Pula, 1945 die Deutschen. Erst 1947 fiel
die Stadt an Jugoslawien. Im Jahr 1991 wurde dann Kroatien selbstständig.
Die Geschichte Istriens ist
also sehr wechselvoll. Deshalb würde es auch den Rahmen meines Berichtes
sprengen, wenn ich näher auf sie eingehen würde. Den bereits
erwähnten Reiseführer empfehle ich als sehr gute Informationsquelle.
Weiter ging unsere Fahrt durch
schöne Landschaft nach Rovinji (ehemals Ruvignio, bewohnt seit der
Antike) an der Adria, und dieser Ort war für mich wegen seiner herrlichen
Lage direkt am
Adriatischen Meer der absolute
Höhepunkt. Wie Cinque Terre (Ligurien) sagten die einen, wie viele
der mittelalterlichen kleinen Städte Italiens, dachte ich. Die
Kirche hoch über dem Meer mit einer Rundumsicht bis nach Venedig –
einfach umwerfend.
Auch mein Reiseführer
schwärmt in den höchsten Tönen von der Schönheit dieses
kleinen Ortes:
„ Rovinji gehört zu den
schönsten istrischen Küstenstädtchen. Der venezianische
Glockenturm, auf einer einstigen Felseninsel in den Himmel ragend, ist
von farbenfrohen Häusern und einladenden Altstadtgassen umgeben, die
wie geschaffen zum Bummeln sind.
Die buchtenreiche Felsküste
südlich von Rovinji steht zum Teil unter Naturschutz.“
Zum Schluss unserer Tour
fuhren wir noch zu dem nahe gelegenen Limski-Fjord.
Der Limski Kanal ist ein 11
km langer Kanal, über den es keine Brücke gibt. Gesäumt
wird diese Wasserstraße (ein früheres Karsttal, das vor ca.
10 000 Jahren vom Meer überflutet wurde) von teilweise bis zu 100
m hohen, mit dichtem Wald bewachsenen Ufern.
Zur Zeit der Römer verlief
entlang dieses Karsttales die Grenze (lat. Limes = Grenze)
zwischen Colonia Julia Pollentia
Heculanea (Pula) und Colonia Julia Parentium (Porec).
Am Eingang zu dieser schönen
Wasserstraße hatten Händler ihre bunten Stände aufgebaut
und boten viele Spezialitäten des Landes feil: Grappa, Likör,
Käse, vor allem jedoch istrisches Olivenöl. Fast alle Besucher
ließen sich nicht lumpen und kauften nach Herzenslust ein. Die Händler
freuten sich, und auch mir machte es Spaß, durch meinen Einkauf diese
sicher nicht sehr begüterten Menschen ein bisschen zu unterstützen.
Mein Abendspaziergang am Meer
an diesem ereignisreichen Tag war dann noch ein weiterer krönender
Abschluss dieser Reise, die so unschön angefangen hatte und jetzt
so wunderbar endete. Ich war in Gesellschaft einer sehr sympathischen
jungen Frau. Sie wollte wenigstens einmal im Meer geschwommen haben, und
ich hatte den Wunsch, den herrlichen Sonnenuntergang per Kamera und Video
einfangen. So eilten wir los, denn uns blieb ja nicht so viel Zeit bis
zum endgültigen Untergang der Sonne.
Meine Begleiterin sauste los,
um die perfekte Badestelle zu finden (die sie dann doch nicht fand). Ich
schlenderte gemächlich hinterher, den herrlichen Abend in vollen Zügen
genießend. Die wunderbare Bucht, das Meer, die weißen Felsen
im Licht der langsam sich verabschiedenden Sonne! Ich konnte nicht genug
davon bekommen von dem stets wechselnden Licht, dem Meer, das sich langsam
von hellem Silber in dunkles Grau verfärbte, dem roten Sonnenball,
der ganz zum Schluss auf den gegenüberliegenden Bergen und den wie
hingeschäumten Wolken lag und alles rosa golden schimmern ließ.
Welch eine wundervolle Kulisse!
Die Fischerboote, die wie aus dem Nichts
auftauchten und in das Gold der herabsinkenden Nacht steuerten! Der Glanz
der untergehenden Sonne im Gefieder einer Schar von Seevögeln, die
plötzlich auftauchten und über dem Meer ihre Kreise zogen und
genau so schnell als blinkende goldene Pünktchen wieder verschwanden.
Alles zusammen war ein einmaliges Erlebnis von einer Schönheit, die
man eigentlich nur erträumen kann Alles passte zusammen, alles war
gut und wunderbar anzuschauen. Für diesen Tag und diesen herrlichen
Abend war ich aus vollem Herzen dankbar. Ich hatte letztendlich doch eine
Handvoll netter Leute gefunden, die sich genauso wie ich an dem schönen
Land erfreuten. Die Natur und das Land, wie ich es heute erlebt hatte,
waren ein Wunder und von einer Schönheit, die alles andere unwichtig
machte.
Ich habe versucht, diesen Augenblick
am Meer in einem Gedicht zu beschreiben:
Am Meer
Sonnenlicht
rotgolden glühend
am Horizont
lässt Land und Meer
verschmelzen
zu einer Riesenscheibe,
ohne Anfang,
ohne Ende,
taucht sie in ein Wechselbad
von Silber, Rosa,
zartem Grau.
Plötzlich
wie aus dem Nichts
goldene Punkte
hoch am Himmel,
Seevögel,
angestrahlt vom gleißend
Licht.
In eleganter Formation
Kunstfliegern gleich
schweben sie vorbei
mit heisrem Schrei,
enteilen
wie schwarze Pfeile
dem fernen Horizont entgegen.
Fischerboote tauchen auf
gleiten lautlos,
schemenhaft
durch der Wellen silbrige
Gicht
dem weißen Licht des
Monds
entgegen.
Rabac, Istrien, im Oktober 2007
Ja, genauso war es!
Am 20. und 21. Oktober
2007 fand dann unsere Heimreise statt. Diese ging wieder über
Triest, in Richtung Gardasee, Limone, wo wir übernachteten. Da wir
recht früh ankamen, nutzte ich noch den Rest des Tages zum Anschauen
dieses schönen kleinen Ortes. Ich entdeckte versteckt in dem kleinen
Städtchen eine wunderschöne kleine Kapelle, die mit dem Kreuzritter-Zeichen
geschmückt war. In der Kapelle saß ein junges Pärchen versunken
im Gebet. Ich machte noch ein paar Schnappschüsse von dem unter mir
liegenden Gardasee, über den sich langsam die Nacht senkte.
Am nächsten Abend würde
ich wieder in meinen vier Wänden sein, und die Eindrücke meiner
Reise würden langsam aber sicher verblassen. Wer weiß,
ob ich jemals dieses kleine, bunte Land an der Adria wieder sehen
würde? Wenn ja, würde ich alleine reisen oder mit einem netten
anderen Menschen. Wir würden zusammen alle schönen Orte aufsuchen
und uns erfreuen an all den Herrlichkeiten, die dieses Land zu bieten hat.
Fazit: Istrien ist auf jeden
Fall eine Reise wert.
Meinem Reisebericht zugrunde
lag der Reiseführer „Istrien – Kvarner Bucht vom Baedeker-Verlag,
aus dem ich auch zitiert habe.
Copyright2008 Gisela Bradshaw
Idar-Oberstein, 27.02.2008