Reisebericht Isla La Palma
im Mai 2009

Es war mal wieder Zeit, die
Luft eines anderen Landes zu atmen, und so ging meine Reise dieses Mal auf die
Isla La Palma, auch
Isla verde genannt.
Es war das erste Mal, dass ich eine der kanarischen Inseln besuchte, ich hatte
aber
schon eine Menge über andere Inseln dieser Gruppe gehört:
Von Teneriffa, wo eine
Freundin von mir oft in der
Ferienwohnung ihrer Eltern Urlaub machte und meist mit Grabesstimme von den riesengroßen Spinnen und Kakerlaken
berichtete, auch dass die Strände nicht weiß, sondern wenig einladend schwarz
seien, dafür aber die Vegetation wundervoll üppig und vielfältig. Einer Insel,
auf der das ganze Jahr über ein mildes, angenehmes Klima herrscht, wo meine Eltern viele Urlaube verbrachten,
meist in den Monaten, in denen es in Deutschland schon unangenehm kalt war und
die Winter vor der Tür stand. Erst als sie den krassen Klimaunterschied
gesundheitlich nicht mehr vertrugen, stellten sie ihre Besuche dort ein.
Von der Insel Lanzarote, wo
mein Bruder oft geschäftlich zu tun hatte – er versorgte die
dortigen
Goldschmiede mit Peridot oder Olivinen, wunderschönen grünen
Steinen, die
weltweit in Vulkangestein gefunden
werden, die dann die dortigen Goldschmiede zu Original Lanzarote
-Schmuck
verarbeiteten. Lanzarote als Vulkaninsel
hat kleinere Peridotvorkommen,
die aber wegen der großen Nachfrage nicht ausreichten. So
war dort ein guter Markt für diese
spezielle Ware, die mein Bruder aus
Minen in USA oder Norwegen bezog. Die geschmackvollen
Schmuckstücke mit den schönen grünen Steinen waren
bei den
Touristen sehr begehrt und gingen zu stattlichen Preisen über den
Ladentisch.
Ich hatte mein Hotel im
Internet gefunden. Es hieß Sol La Palma und lag auf der
Südwest-Seite der
Insel, in Puerto Naos, was sich als gute Entscheidung herausstellte.
Gemäß der
geografischen Beschaffenheit der kleinen sehr gebirgigen Insel fungiert
die
Bergkette (Cumbre), die sich mitten durch die Insel zieht, als
Wetterscheide. Die ständig von Nord-Ost wehenden Passatwinde
bringen viele Wolken mit sich, die sich an
den östlich liegenden Berghängen stauen, dichte
Nebelbänke bilden und abregnen.
Ganz häufig kann man hier das Phänomen von
„Wolkenwasserfällen“ bewundern.
Jedenfalls, als wir im Taxi saßen, das uns vom Flughafen Santa
Cruz zu unserem
Hotel auf der anderen, südwestlichen Seite der Insel liegenden
Puerto Naos bringen sollte, fuhren wir durch wenig
einladenden grauen Nebel und Nieselregen.
Kaum hatten wir
aber Los Llanos,
eine nette kleine Stadt, die ich in den nächsten Tagen noch
näher kennen lernen
sollte, erreicht, herrschte eitel Sonnenschein.
Unsere Fahrt ging ein paar Kilometer weiter vorbei an unzähligen
mit
durchsichtigen Planen abgedeckten Bananenplantagen, die mit ihrer
Hässlichkeit
leider die schöne Landschaft verunzierten. Bananen sind auf
La Palma die am meisten angebauten Früchte,
die ausschließlich auf der Insel und auf dem spanischen Festland
verkauft werden. Schließlich hatten wir unser einsam
am Meer gelegenes Hotel Sol La Palma erreicht. Erster Eindruck:
Große Anlage
mit terrassenförmig angelegten Etagen, gepflegte Außenanlage
mit zwei Pools und
nett anzuschauenden Sonnenschirmen in blau und afrikanisch anmutend aus
Stroh. Mein Zimmer war riesengroß,
ein wahrer Tanzsaal, mit einem Balkon, von dem ich auf das Meer und den langen,
schwarzen Strand schauen konnte. Die schwarze Mauer linkerhand störte mich ein
bisschen – aber nothing is perfect. Das
Zimmer war in Ordnung, zumindest für die paar Tage meines Aufenthaltes.
Offensichtlich gab es in
diesem sehr großen Hotel, das, wie ich später feststellte, alles andere als
ausgebucht war, sehr exklusive in
den obersten Geschossen gelegene Suiten,
deren Balkone weit hinausragten und von
denen man wie von einem vorgeschobenen „Gefechtsstand“ oder wie vom Mast eines
Schiffes eine ganz wunderbare Aussicht auf das Meer und die ganze Anlage hatte.
Einige Male beobachtete ich von meinem Balkon aus einen älteren Herrn, der
wie ein Kapitän oben stand, ein Glas lässig in der Hand, und mit Kennermiene
und Genießerblick auf das Meer schaute.
Im Hotel war alles, was die
Menschheit so hervorbringt, vorhanden: dick, dünn, klein, groß, freundlich,
arrogant. Nach einigen Tagen gab es einige Leute, mit denen wir lachten und unsere
am Tage gemachten Erfahrungen austauschten. Ein älterer Herr, ein Niederländer,
mit dem ich aus Versehen an dem Buffet folgenreich – wir beide trugen
Suppenschüssel in der Hand – zusammengestoßen war, entpuppte sich zu meinem
speziellen Freund. Solch nette Leute wie er und seine Frau trifft man leider
viel zu selten. Am Vorabend meiner Abreise umarmten mich beide und wünschten
mir viel Glück.
Da dieser Urlaub ja nur sehr
kurz war – eigentlich nur fünf Tage vor Ort, weil man ja die An- und
Abreisetage nicht mitzählen kann – stellte ich einen Plan auf, wie ich diese kostbare Zeit am besten nutzen
konnte.
Wir hatten alle seitens der
Hotelleitungen Informationen über mögliche Touren erhalten, die, wenn man sie
alle gemacht hätte, an die 300 Euro gekostet hätten. Deshalb wollte ich erst
einmal überlegen, wie ich am günstigsten bzw. effektivsten die Insel erkunden
könnte.
Ein bisschen zur Geographie und Geschichte der Insel:
Die
Insel La Palma, die
eigentlich richtig San Miguel de La Palma heißt, liegt im
Nordwesten der
kanarischen Inseln und hat eine
Ausdehnung von 726 qkm. Sie misst von Nord nach Süd 50 km und 29
km an der
breitesten Stelle von West nach Ost. Im Verhältnis zu ihrer
Größe hat die Insel die höchsten Erhebungen der
Welt.
Das Gebirge, das sich ringförmig um die Insel zieht und sie
beherrscht, ist
über 2000 m hoch. Der höchste Berg ist der Roque de los
Muchachos mit 2426 m. Interessant
und kaum vorstellbar ist, dass sich der
gesamte Gebirgsblock der kleinen Insel 4000 Meter unterhalb des
Meeresspiegels
fortsetzt. Geologen haben herausgefunden, dass
es im Untergrund des Bergmassivs von La Palma einen tiefen Riss gibt.
Man hat berechnet, dass, sollte es eines Tages hier
einen Flankenabbruch geben, eine 50 m hohe Tsunamiwelle entstehen
würde, die in
den Millionenstädten an der amerikanischen Ostküste eine
verheerende Zerstörung
zur Folge hätte.
Die Bedeutung des
Inselnamens ist ungeklärt. Das spanische Wort palma bedeutet Palmenzweig, Palme
heißt palmera. Man mutmaßt, dass Seeleute aus Mallorca als erste Siedler im 14.
Jh. auf diese Insel kamen und ihr zu Ehren der Hauptsstadt ihrer Heimatinsel
den Namen La Palma gaben. Den vollständigen Namen – Isla de San Miguel de la
Palma – verdankt die Insel dem 29. September, dem Festtag des heiligen Michael.
An diesem Tag im Jahr 1492 ging auch der
spanische Eroberer Alonso Fernández de Lugo an Land.
Nach einigen Überlegungen beschloss
ich, mir die Insel per Bus zu erschließen. Die einzige Ausnahme
sollte die im Nationalpark gelegene Caldera de Taburiente
sein, die schwieriger zu erreichen ist.
In Los Llanos gibt es einen
zentralen, perfekt organisierten Busbahnhof, von dem sternförmig alle möglichen
Ziele angefahren werden. Da die Insel ja klein
ist (Breite der Insel (West-Ost): 29 km, Länge der Insel (Nord-Süd): 50
km, kann man ganz bequem und schnell überall hinfahren.
Mein erster Ausflug – per
pedes - führte mich zunächst entlang der
Uferpromenade, vorbei an einem langen, schwarzen Strand mit an die Südsee erinnernden
Sonnenschirmen aus Stroh, zum ca. 3 km entfernten Leuchtturm. Der
Hauptteil meiner Wanderung führte mich anschließend direkt am Meer entlang und,
ich konnte sehen, wie wild und
ungezügelt das Meer ist. Man kann nur unter Lebensgefahr ins Wasser gehen, das
Problem ist neben der Gewalt des Meeres der raue, unwegsame Strand, der aus
rissigem Bimsstein und schwarzen, vom Meerwasser geschliffenen Steinen in allen
Größen besteht. Überall am Wegesrand findet man riesige Bananenplantagen, die teilweise
auch ohne diese hässlichen weißen Plastikplanen in der heißen Sonne
liegen. Riesige grüne Fruchtstauden hängen an den hoch
gewachsenen Bäumen und warten darauf geerntet zu werden.
Ich
staunte über die
abenteuerlichen Behausungen, an denen ich vorbeikam: niedrige, sehr
primitive, aber mit leuchtenden Farben
getünchte Häuschen, die zumindest die düstere vom
Lavagestein dominierte Umgebung
etwas aufhellten. In einem etwas solideren kleinen Haus, direkt am Meer
und umwachsen
von üppigen Weinreben - einem so
genannten Kiosco – kehrte ich ein und gönnte mir ein
exzellentes Mal mit fangfrischen Kalamaris. Auch der typische
von der Insel stammende Wein war spritzig und gut. Es war schön,
in dieser
grünen Laube zu sitzen, zusammen mit den freundlichen Leuten zu
plaudern und
die flinken Eidechsen zu füttern.
Oder einfach still auf das
Meer zu schauen.
. Das Essen in solchen kleinen Kioskos ist sehr gut und vor allen Dingen preiswert.
An diesem Abend verzichte ich
auf das abendliche Buffet im Hotel. Statt dessen saß ich auf dem
Balkon und
beobachtete ein Schar kleiner Kinder, die zusammen mit ihren Eltern
bunte
Drachen steigen ließen. Der Wind blies kräftig wie immer und
das helle Lachen der Kinder schallte zu mir hoch.
Das Meer, das die Insel
umspült, ist wild und schön, und seine Schönheit
faszinierte mich jeden Tag
aufs Neue. Ich machte unzählige Fotos und kleine Filme
von den meterhohen Wellen, die mit brachialer Gewalt auf den
schwarzen, von der stetigen Wucht des Meeres
fast bildhauerisch geformten in der
Sonne glänzenden Felsen aufschlugen und als weißer
brodelnder Schaum wieder ins
Meer zurückflossen. Die Farbe des Wassers changierte von dunklem
Blau hinein
ins Türkis. Es ist ein menschenunfreundliches Meer, das mit seiner
Gewalt jeden
zerschmettern würde, wenn er einmal in seiner Gewalt wäre.
Trotzdem sah ich
einige Mal, wie sich ein paar mutige junge Burschen, direkt in dieses
Inferno
stürzten und geschickt auf den Wellen reitend, ja direkt mit ihnen
spielten,
ihren Spaß hatten. Einmal versuchte ich, im Meer zu schwimmen,
das mit einer
Temperatur von unter 19 Grad C. nicht gerade verlockend war. Dafür
waren die
schwarzen, vom Wasser rund geschliffenen Steine siedend heiß,
dass man ohne
Schuhe den Strand nicht betreten konnte. Mein Versuch, in dem herrlich
blauen, wilden Meer zu schwimmen, scheiterte kläglich.
Aber es gab ja zwei schöne Poole beim Hotel, wo man sich herrlich
erfrischen
konnte.
Am Abend und auch in der
Nacht hörte ich das Meer, wild und ungestüm, am Strand und an den zerklüfteten
Felsen anrollen und sich brechen. Es gab
keinen Tag, wo das Meer sanft und ruhig
gewesen wäre, immer war es in Bewegung und Aufruhr. Genau so wild und archaisch
ist die ganze Insel. Das konnte ich auf meinen Exkursionen immer wieder
feststellen.
Mein zweiter Busausflug
führte mich nach Los Llanos de Aridane, einer kleinen quirligen Stadt mit einer
herrlichen Fußgängerzone, der Plaza Espanana, mit hohen Schatten spendenden
Indischen Lorbeerbäumen. Auf marmornen
Bänken kann man sich niederlassen und sich von der Hitze ein wenig ausruhen. Auch
die beiden
Straßencafés laden zum Verweilen
und kühlen Drinks ein. Dieser Platz ist
der angesagte Treffpunkt für Einheimische und Touristen. Ich habe dort viele
Deutsche im reiferen Alter gesehen, offensichtlich Leute, die sich auf der
Insel permanent niedergelassen haben, die hier saßen und sich angeregt über
Gott und die Welt unterhielten. Prall gefüllte Einkaufstüten mit herrlichen
Waren aus dem nahe gelegenen Mercado, wo „man“ jeden Tag frisch Obst und Lebensmittel
einkaufen kann, standen neben ihnen.
Hier traf ich auch Peter, einen Mann von
der Waterkant, schon über 20 Jahre auf der Insel wohnt und gerade dabei
war, seine wunderschöne Finca in den Bergen zu verkaufen. In unserem Gespräch
merkte ich ihm an, dass ihm das nicht leicht fiel, aber offensichtlich hatte
er dringende Gründe. Er führte mich ein
wenig herum und machte dann den Vorschlag, nach Tazacorte zu
fahren, um dort in einem kleinen
Fischlokal am Meer zu essen. Eine prima Idee! Das kleine Lokal lag malerisch und die
Fischsuppe, die wir beide aßen, war ausgezeichnet.
Das Zentrum dieses kleinen
Ortes ist die nur einseitig bebaute
Avenida de la Constitutión. Es gibt dort einige sehr
hübsche kleine Restaurants
und viele attraktive von wohlhabenden Palmeiros im
16./17. Jh. erbauten Herrenhäuser. Ein reger Handel mit
Zuckerrohr
hatte damals die Menschen reich gemacht.
Santa Cruz de la Palma:. Die
Fahrt mit dem Bus, wiederum zu dem
Einheitspreis von ca. 2 Euro, die mich quer durch die Insel
führte, war alleine schon eine Reise wert und ein
Genuss für meine Augen. Santa Cruz, die
Inselhauptstadt, liegt am östlichen Rand
der Insel unterhalb der bewaldeten Berghänge der Cumbre, und ist
eine der
schönsten Städte des kanarischen Archipels. Stattliche
Bürgerhäuser und
Adelspaläste, lauschige Plazas und verträumte Winkel
strömen noch immer ein
wenig vom Flair der einst stolzen reichen Handelsstadt aus.
Zwischen Küste und Cumbre erstreckt sich nur ein
schmaler Uferstreifen, und so sind die weißen Häuschen in
den Berg hinein
gebaut. Insgesamt macht die Insel trotz ihrer wichtigen Funktion als
Hafenstadt
– an der großen Mole legen neben Fähr- und
Kreuzschiffe auch Frachter an - eher einen etwas verschlafenen
Eindruck. Es
muss erwähnt werden, dass Los Llanos de Aridane der
Inselhauptstadt auf den
Gebieten Handel und Dienstleistungen zunehmend mehr Konkurrenz
macht.
Ich schlenderte durch die
Fußgängerzone und bewunderte schöne alte Häuser
mit kunstvoll verzierten
Holzbalkonen, prachtvolle Adelspaläste in der eleganten Calle
Real, vorbei an
kleinen Läden, Cafeterias und Restaurants. Unten am Hafen, im
unteren Bereich
der Fußgängerzone, lockte mich eine
außergewöhnliche Attraktion an: ein riesiges altes
hölzernes Segelschiff reckte
seine hohen Masten in den azurblauen
Himmel der alten, geschichtsträchtigen Hafenstadt. Beim Anblick
dieses schönen
Schiffes hatte ich auf einmal wahnsinnige Lust, in See zu stechen
– auf solch
einem herrlichen Boot. Ein Wunsch, der
wahrscheinlich nie in Erfüllung gehen wird!
Es war fast Siestazeit, und
die Straßen wurden merklich leerer. In einem kleinen Schmuckgeschäft, das
gerade am Schließen war, kaufte ich auf die Schnelle - ich konnte nicht widerstehen - ein paar
hübsche Schmuckstücke aus mit Olivinen oder Peridot verzierten schwarzem Lavastein.
Los Canarios oder
Fuencaliente: Dieses Städtchen
liegt am südlichsten Zipel der Insel. Schon die Auffahrt hoch zu den Vulkanen
war spektakulär: Es ging steil bergauf, vorbei an lindgrünen jungen Kiefern, an
erstarrten Lavaströmen, auf denen kleine Ziegen herum sprangen und sich emsig an
frisch gewachsenem Gras gütlich taten, mit herrlichen Aussichten
hinunter zum blauen wilden Meer, spärlichen Ansiedlungen und den
allgegenwärtigen mit weißen Plastik bedeckten Bananenplantagen. Oben angekommen, steuerte ich
den unter mir liegenden Vulkan San Antonio (657 m ü.d.M) an. Dieser Vulkan war im Jahr
1677/78 neun Wochen lang ausgebrochen und hatte viel Weideland zerstört. Im 18.
Jahrhundert entdeckte man, dass sich das poröse Vulkangestein hervorragend für
Weinanbau eignet: es speichert Wasser
und hält den Boden bis zu einer Tiefe von ca. 30 cm immer feucht.
Angebaute Weine von exzellenter Qualität sind leichte trockene Weißweine der
Traubensorte „listán“ und der sehr beliebte Malvasia, eine süßer schwerer
Dessertwein. Eine Flasche davon war gut verpackt in meinem Handgepäck auf der Heimreise. Weitere
Ausbrüche, die letztmaligen, waren im Jahr 1971. Die dabei
herausgeschleuderten Lavamassen bildeten den Vulkan Teneguia (439 m
ü.d.M.).
Lavaströme mit einer Geschwindigkeit von 120 m pro Minute
wälzten sich den Berg hinunter ins Meer. Der Ort
Fuencaliente
blieb verschont. Fuencaliente heißt „heiße
Quelle“. Es gab in diesem Ort eine
heiße Quelle, die von den Menschen verehrt wurde und der man
heilende Kräfte
nachsagte. Diese Quelle wurde zum Leidwesen der dortigen
Bevölkerung bei einem
der Ausbrüche verschüttet. Wie ich
hörte, arbeitet man daran, diese Quelle wieder nutzbar zu machen. Es ist ja weithin bekannt,
dass Quellen aus Vulkangestein aufgrund ihres Mineralreichtums sehr gesund für
Menschen ist, sie tun vor allen Dingen gut bei rheumatischen Beschwerden und
auch bei Hautproblemen wirken sie wahre Wunder.
Ich wanderte auf dem Krater
des Vulkans St. Antonio entlang und genoss die herrlichen Blicke herunter zu
dem tiefer liegenden Vulkan Teneguia. Der Bus brachte mich und eine
Wandergruppe, die offenbar die Vulkanroute gelaufen waren, wieder herunter nach Los
Llanos.
In den wenigen Tagen, die ich
jetzt auf der Insel war, hatte ich einiges Schönes gesehen und erlebt. Die
Krönung meiner Reise aber sollte die geführte Tour zum Roque de los Muchachos
sein, der Caldera de Taburiente.
Allein die Fahrt dahin (mit
einer dreisprachigen Reiseführerin) ,die uns auch durch die Schlucht der
Todesängste (Barranco de las Angustias) führte, war ein einmaliges Erlebnis: Wir hatten Glück
mit dem Wetter und konnten all die Herrlichkeit bei klarer Sicht und Sonnenschein sehen.
Seit 1954 steht das Zentrum
von La Palma als Parque Nacional de la Caldera de Taburiente unter Naturschutz.
Das Herz des Nationalparks bildet die Caldera de Taburiente, ein riesiger
Kessel mit einem Umfang von 28 km und einem Durchmesser von 8 km. Die Wände der
Caldera erreichen Höhen von über 2000 Meter, höchste Erhebung des Kraterrandes
ist der Roque de los Muchachos (2426 m über dem Meeresspiegel). Zum Kesselgrund
fallen die Ränder der Caldera bis zu 1500 m steil ab, lediglich nach Südwesten hin durchbricht der Barranco
de las Angustias, die Schlucht der Todesängste, die hufeisenförmige Caldera.
Diese bildet den natürlichen Abfluss des in der Caldera entspringenden
Quellwassers. Für die Urbewohner von La
Palma war diese Schlucht die letzte Zufluchtsstätte während der spanischen
Eroberung. Nahe dem Barranco de las Angustias
ragt der Roque Idafe auf, eine Felsnadel aus Basalt, ein Monolith, der von den
Urbewohner als Heiligtum betrachtet wurde. Fast der ganze Nationalpark wird von
einem lichten Kiefernwald bedeckt, ab 2000 m findet man eine subalpine
Vegetation, unter anderem den Codesco, eine Ginsterart, deren Sträucher bis zu
einem Meter hoch werden.
Über die Entstehung der
Caldera de Taburiente gibt es unterschiedliche Erklärungen: Der deutsche
Geologe Leopold von Buch führte den Begriff „Caldera = Kessel (span)“ 1825 ein.
Er ging davon aus, dass es sich dabei um die Überreste eines eingestürzten
ehemaligen Vulkan handelt. Andere Geologen sind der Ansicht, dass die
Hauptursache der Entstehung Erosion sei. Eine weitere Theorie geht davon aus,
dass vor 12 Mio. Jahren im Zentrum der Insel La Palma ein schildförmiges
Vulkangebilde entstand, wobei sich die Caldera durch einen nach Südwesten
gerichteten Erdrutsch bildete; was auch
die oben genannte Schlucht, die Barranco de las Angustias, erklären würde.
Sicher werden im Laufe der
Zeit noch mehr Theorien entwickelt werden, wie diese außergewöhnlich
beeindruckende, wilde Landschaft entstanden ist. Diese Insel ist von
archaischer Schönheit, reich an wundervollen Landschaften unter einem
tiefblauen Himmel und konstant wehenden Passatwinden. Hier wird man mit den ungeheuren Kräften der Natur
konfrontiert, mit Vulkanen, die mit gewaltigen Eruptionen das Erdinnere
gesprengt haben und dadurch die ganze Landschaft veränderten und
noch immer verändern. Wenn man die Verwerfungen der Landschaft sieht, die
Wälle, Bergmassive, die einfach durch die Gewalt der Eruptionen hochgetürmt
wurden, hat man eine gute Vorstellung davon, welche Kräfte auf dieser Insel der
Vulkane am Werk waren und noch immer sind. Menschen, Tiere und Pflanzen
– alle müssen sich einer ständigen
Veränderung anpassen. Nach einer totalen Zerstörung dauert es nicht lange, und
das erste Leben in Form von zarten kleine Pflanzen, Blumen, Bäumen zeigt sich
wieder. Es folgen die Tiere und die Menschen, die im Chaos immer wieder Ordnung
schaffen. Sie richten sich neu ein, ackern und schuften, müssen aber immer
damit rechnen, dass alles wieder vom Vulkan zerstört wird.
Zum Schluss meines
Reiseberichtes, der im Übrigen auch auf dem Baedeker-Reiseführer – La Palma
– El Hierro – basiert, möchte ich ein Gedicht zitieren, dass ich nach einem
Besuch der Vulkane Ätna und Vesuv im
Jahr 2001 geschrieben habe. Der Vesuv, einer der
gefährlichsten Vulkane Europas, hat mich
damals besonders beeindruckt, auch die Verheerungen, die er in den
Städten am
Golf von Neapel angerichtet hat. Wer einmal das zerstörte Pompeji
besucht hat,
weiß von was ich spreche. Die Vulkane von La Palma haben eine
großartige,
ästhetisch schöne Landschaft geschaffen und
im Vergleich mit den italienischen Vulkanen bisher eigentlich
kaum Schaden angerichtet, man spricht deshalb sogar von
„lieben Vulkanen.
Ätna
Aufgestiegen aus dem Meer
Bist Du,
Ätna,
Stolzer Berg
Der Du gebietest
Als Herrscher über Leben und
Tod,
Gottgleich
Über Reichtum und
Verheerende Not.
Dauernd in Bewegung
Bist Du,
Ätna
Alles beherrschend
Hältst Du
Seit ewigen Zeiten schon
Dein Zepter übers Land.
Wie klein und
machtlos
Sind wir Menschen doch Angesichts Deiner Kraft.
Idar, den 24. Juni 2009/update Nov.2020/Sept. 2021
Bericht und Gedicht Copyrigh2009Gisela
Bradshaw
Nachtrag:
Am Sonntag, 19.9.2021 ist nach 50 Jahren Ruhe
der Cuembra Vieja (alter Gipfel) auf La Palma ausgebrochen und
glühend flüssiges Magma fliesst aus mehreren Kratern den Berg
herunter Richtung Meer.Tausende auf La Palma sind auf der Flucht.