Reisebericht Isla La Palma
im Mai 2009


Vulkan


Es war mal wieder Zeit, die Luft eines anderen Landes zu atmen, und so ging meine Reise dieses Mal auf die Isla La Palma, auch
Isla verde
 genannt. Es war das erste Mal, dass ich eine der kanarischen Inseln besuchte, ich hatte aber
schon eine Menge über andere Inseln dieser Gruppe gehört:

 
Von Teneriffa, wo eine Freundin von mir oft  in der Ferienwohnung ihrer Eltern Urlaub machte und meist mit Grabesstimme  von den riesengroßen Spinnen und Kakerlaken berichtete, auch dass die Strände nicht weiß, sondern wenig einladend schwarz seien, dafür aber die Vegetation wundervoll üppig und vielfältig. Einer Insel, auf der das ganze Jahr über ein mildes, angenehmes Klima herrscht,  wo meine Eltern viele Urlaube verbrachten, meist in den Monaten, in denen es in Deutschland schon unangenehm kalt war und die Winter vor der Tür stand. Erst als sie den krassen Klimaunterschied gesundheitlich nicht mehr vertrugen, stellten sie ihre Besuche dort ein.
 
Von der Insel Lanzarote, wo mein Bruder oft geschäftlich zu tun hatte – er versorgte die dortigen Goldschmiede mit Peridot oder Olivinen, wunderschönen grünen Steinen, die weltweit in  Vulkangestein gefunden werden, die dann die dortigen Goldschmiede zu Original Lanzarote -Schmuck verarbeiteten. Lanzarote als Vulkaninsel  hat kleinere  Peridotvorkommen, die aber wegen der großen Nachfrage nicht ausreichten.  So war dort ein guter Markt für diese spezielle Ware,  die mein Bruder aus Minen in USA oder Norwegen bezog. Die geschmackvollen Schmuckstücke  mit den schönen grünen Steinen waren bei den Touristen sehr begehrt und gingen zu stattlichen Preisen über den Ladentisch.   
 
Ich hatte mein Hotel im Internet gefunden. Es hieß Sol La Palma und lag auf der Südwest-Seite der Insel, in Puerto Naos, was sich als gute Entscheidung herausstellte. Gemäß der geografischen Beschaffenheit der kleinen sehr gebirgigen Insel fungiert die Bergkette (Cumbre), die sich mitten durch die Insel zieht,  als Wetterscheide. Die  ständig von Nord-Ost wehenden Passatwinde bringen  viele Wolken mit sich, die sich an den östlich liegenden Berghängen stauen, dichte Nebelbänke bilden und abregnen. Ganz häufig kann man hier das Phänomen von „Wolkenwasserfällen“ bewundern. Jedenfalls, als wir im Taxi saßen, das uns vom Flughafen Santa Cruz zu unserem Hotel auf der anderen, südwestlichen Seite der Insel liegenden Puerto Naos  bringen sollte, fuhren wir durch wenig einladenden  grauen Nebel und  Nieselregen.

Kaum hatten wir aber Los Llanos, eine nette kleine Stadt, die ich in den nächsten Tagen noch näher kennen lernen sollte, erreicht, herrschte  eitel Sonnenschein. Unsere Fahrt ging ein paar Kilometer weiter vorbei an unzähligen mit durchsichtigen Planen abgedeckten Bananenplantagen, die mit ihrer Hässlichkeit leider die schöne Landschaft verunzierten. Bananen sind  auf La Palma die am meisten angebauten Früchte, die ausschließlich auf der Insel und auf dem spanischen Festland verkauft werden.  Schließlich hatten wir unser einsam am Meer gelegenes Hotel Sol La Palma erreicht. Erster Eindruck: Große Anlage mit terrassenförmig angelegten Etagen, gepflegte Außenanlage mit zwei Pools und nett anzuschauenden Sonnenschirmen in blau und afrikanisch anmutend aus Stroh.

Mein Zimmer war riesengroß, ein wahrer Tanzsaal, mit einem Balkon, von dem ich auf das Meer und den langen, schwarzen Strand schauen konnte. Die schwarze Mauer linkerhand störte mich ein bisschen – aber nothing  is perfect. Das Zimmer war in Ordnung, zumindest für die paar Tage meines Aufenthaltes.
 
Offensichtlich gab es in diesem sehr großen Hotel, das, wie ich später feststellte, alles andere als ausgebucht war, sehr exklusive  in den  obersten Geschossen gelegene Suiten,   deren Balkone weit hinausragten und von denen man wie von einem vorgeschobenen „Gefechtsstand“ oder wie vom Mast eines Schiffes eine ganz wunderbare Aussicht auf das Meer und die ganze Anlage hatte. Einige Male  beobachtete ich  von meinem Balkon aus einen älteren Herrn, der wie ein Kapitän oben stand, ein Glas lässig in der Hand, und mit Kennermiene und Genießerblick  auf das Meer schaute.
  Im Hotel war alles, was die Menschheit so hervorbringt, vorhanden: dick, dünn, klein, groß, freundlich, arrogant. Nach einigen Tagen gab es einige Leute, mit denen wir lachten und unsere am Tage gemachten Erfahrungen austauschten. Ein älterer Herr, ein Niederländer, mit dem ich aus Versehen an dem Buffet folgenreich – wir beide trugen Suppenschüssel in der Hand – zusammengestoßen war, entpuppte sich zu meinem speziellen Freund. Solch nette Leute wie er und seine Frau trifft man leider viel zu selten. Am Vorabend meiner Abreise umarmten mich beide und wünschten mir viel Glück.
 
Da dieser Urlaub ja nur sehr kurz war – eigentlich nur fünf Tage vor Ort, weil man ja die An- und Abreisetage nicht mitzählen kann – stellte ich einen Plan auf,  wie ich diese kostbare Zeit am besten nutzen konnte.
 
Wir hatten alle seitens der Hotelleitungen Informationen über mögliche Touren erhalten, die, wenn man sie alle gemacht hätte, an die 300 Euro gekostet hätten. Deshalb wollte ich erst einmal überlegen, wie ich am günstigsten bzw. effektivsten die Insel erkunden könnte.
 
Ein bisschen zur  Geographie und Geschichte  der Insel:

Die Insel La Palma, die eigentlich richtig San Miguel de La Palma heißt, liegt im Nordwesten der kanarischen Inseln und  hat eine Ausdehnung von 726 qkm. Sie misst von Nord nach Süd 50 km und 29 km an der breitesten Stelle von West nach Ost. Im Verhältnis zu ihrer Größe hat  die Insel die höchsten Erhebungen der Welt. Das Gebirge, das sich ringförmig um die Insel zieht und sie beherrscht, ist über 2000 m hoch. Der höchste Berg ist der Roque de los Muchachos mit 2426 m. Interessant  und kaum vorstellbar ist, dass sich der gesamte Gebirgsblock der kleinen Insel 4000 Meter unterhalb des Meeresspiegels fortsetzt. Geologen haben herausgefunden, dass  es im Untergrund des Bergmassivs von La Palma einen tiefen Riss gibt.  Man hat  berechnet, dass, sollte es eines Tages hier einen Flankenabbruch geben, eine 50 m hohe Tsunamiwelle entstehen würde, die in den Millionenstädten an der amerikanischen Ostküste eine verheerende Zerstörung zur Folge hätte.
 
Die Bedeutung des Inselnamens ist ungeklärt. Das spanische Wort palma bedeutet Palmenzweig, Palme heißt palmera. Man mutmaßt, dass Seeleute aus Mallorca als erste Siedler im 14. Jh. auf diese Insel kamen und ihr zu Ehren der Hauptsstadt ihrer Heimatinsel den Namen La Palma gaben. Den vollständigen Namen – Isla de San Miguel de la Palma – verdankt die Insel dem 29. September, dem Festtag des heiligen Michael. An diesem Tag im Jahr  1492 ging auch der spanische Eroberer Alonso Fernández de Lugo an Land.
 
Nach einigen Überlegungen beschloss ich, mir die Insel per Bus zu erschließen. Die einzige Ausnahme sollte die  im Nationalpark gelegene Caldera de Taburiente sein, die schwieriger zu erreichen ist.
 
In Los Llanos gibt es einen zentralen, perfekt organisierten  Busbahnhof, von dem sternförmig alle möglichen Ziele angefahren werden. Da die Insel ja klein  ist (Breite der Insel (West-Ost): 29 km, Länge der Insel (Nord-Süd): 50 km, kann man ganz bequem und schnell überall hinfahren.

Mein erster Ausflug – per pedes -  führte mich zunächst entlang der Uferpromenade, vorbei an einem langen, schwarzen Strand mit an die Südsee erinnernden Sonnenschirmen aus Stroh, zum ca. 3 km entfernten Leuchtturm. Der Hauptteil meiner Wanderung führte mich anschließend direkt am Meer entlang und, ich  konnte sehen, wie wild und ungezügelt das Meer ist. Man kann nur unter Lebensgefahr ins Wasser gehen, das Problem ist neben der Gewalt des Meeres der raue, unwegsame Strand, der aus rissigem Bimsstein und schwarzen, vom Meerwasser geschliffenen Steinen in allen Größen besteht.
Überall am Wegesrand  findet man riesige Bananenplantagen, die teilweise auch ohne diese hässlichen weißen Plastikplanen in der heißen Sonne liegen.  Riesige  grüne Fruchtstauden hängen an den hoch gewachsenen Bäumen und warten darauf geerntet zu werden.
 

Ich staunte über die abenteuerlichen Behausungen, an denen ich vorbeikam: niedrige, sehr primitive,  aber mit leuchtenden Farben getünchte Häuschen, die zumindest die düstere vom Lavagestein dominierte Umgebung etwas aufhellten. In einem etwas solideren kleinen Haus, direkt am Meer und umwachsen von üppigen Weinreben -  einem so genannten Kiosco – kehrte ich ein und gönnte mir ein exzellentes Mal  mit fangfrischen Kalamaris. Auch der typische von der Insel stammende Wein war spritzig und gut. Es war schön, in dieser grünen Laube zu sitzen, zusammen mit den freundlichen Leuten zu plaudern und die flinken Eidechsen zu füttern.
Oder einfach still auf  das Meer zu schauen.

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Das  Essen in solchen kleinen Kioskos ist  sehr gut und vor allen Dingen preiswert.
An diesem Abend verzichte ich auf das abendliche Buffet im Hotel. Statt dessen saß ich auf dem Balkon und beobachtete ein Schar kleiner Kinder, die zusammen mit ihren Eltern bunte Drachen steigen ließen. Der Wind blies kräftig wie immer und das  helle Lachen der Kinder schallte zu mir hoch. 
 
wildesMeer


Das Meer, das die Insel umspült, ist wild und schön, und seine Schönheit faszinierte mich jeden Tag aufs Neue.  Ich machte unzählige Fotos und kleine Filme von den meterhohen Wellen, die mit brachialer Gewalt auf den  schwarzen, von der stetigen Wucht des Meeres fast bildhauerisch geformten  in der Sonne glänzenden Felsen aufschlugen und als weißer brodelnder Schaum wieder ins Meer zurückflossen. Die Farbe des Wassers changierte von dunklem Blau hinein ins Türkis. Es ist ein menschenunfreundliches Meer, das mit seiner Gewalt jeden zerschmettern würde, wenn er einmal in seiner Gewalt wäre. Trotzdem sah ich einige Mal, wie sich ein paar mutige junge Burschen, direkt in dieses Inferno stürzten und geschickt auf den Wellen reitend, ja direkt mit ihnen spielten, ihren Spaß hatten. Einmal versuchte ich, im Meer zu schwimmen, das mit einer Temperatur von unter 19 Grad C. nicht gerade verlockend war. Dafür waren die schwarzen, vom Wasser rund geschliffenen Steine siedend heiß, dass man ohne Schuhe den Strand nicht betreten konnte. Mein Versuch, in dem herrlich blauen,  wilden Meer zu schwimmen, scheiterte kläglich. Aber es gab ja zwei schöne Poole beim Hotel, wo man sich herrlich erfrischen konnte.
 
Am Abend und auch in der Nacht hörte ich das Meer, wild und ungestüm, am Strand und an den zerklüfteten Felsen anrollen und sich brechen.  Es gab keinen Tag, wo das Meer  sanft und ruhig gewesen wäre, immer war es in Bewegung und  Aufruhr. Genau so wild und archaisch ist die ganze Insel. Das konnte ich auf meinen Exkursionen immer wieder feststellen.
 
Mein zweiter Busausflug führte mich nach Los Llanos de Aridane, einer kleinen quirligen Stadt mit einer herrlichen Fußgängerzone, der Plaza Espanana, mit hohen Schatten spendenden Indischen Lorbeerbäumen.  Auf marmornen Bänken kann man sich niederlassen und sich von der Hitze ein wenig ausruhen. Auch die beiden Straßencafés laden zum Verweilen und kühlen  Drinks ein. Dieser Platz ist der angesagte Treffpunkt für Einheimische und Touristen. Ich habe dort viele Deutsche im reiferen Alter gesehen, offensichtlich Leute, die sich auf der Insel permanent niedergelassen haben, die hier saßen und sich angeregt über Gott und die Welt unterhielten. Prall gefüllte Einkaufstüten mit herrlichen Waren aus dem nahe gelegenen Mercado, wo „man“ jeden Tag frisch Obst und Lebensmittel einkaufen kann,  standen neben ihnen. Hier traf ich auch Peter, einen Mann von  der Waterkant, schon über 20 Jahre auf der Insel wohnt und gerade dabei war, seine wunderschöne Finca in den Bergen zu verkaufen. In unserem Gespräch merkte ich ihm an, dass ihm das nicht leicht fiel, aber offensichtlich hatte er  dringende Gründe. Er führte mich ein wenig herum und machte dann den Vorschlag, nach Tazacorte zu fahren, um dort  in einem kleinen Fischlokal am Meer zu essen. Eine prima Idee!  Das kleine Lokal lag malerisch und die Fischsuppe, die wir beide aßen, war ausgezeichnet.
Das Zentrum dieses kleinen Ortes ist die nur  einseitig bebaute Avenida de la Constitutión. Es gibt dort einige sehr hübsche kleine Restaurants und  viele attraktive von wohlhabenden  Palmeiros  im 16./17. Jh. erbauten  Herrenhäuser. Ein reger Handel mit Zuckerrohr hatte damals die Menschen reich gemacht.
 
Santa Cruz de la Palma:. Die Fahrt mit dem Bus, wiederum zu dem Einheitspreis von ca. 2 Euro, die mich quer durch die Insel führte,  war alleine schon eine Reise wert und ein Genuss für meine Augen.  Santa Cruz, die Inselhauptstadt,  liegt am östlichen Rand der Insel unterhalb der bewaldeten Berghänge der Cumbre, und ist eine der schönsten Städte des kanarischen Archipels. Stattliche Bürgerhäuser und Adelspaläste, lauschige Plazas und verträumte Winkel strömen noch immer ein wenig vom Flair der einst stolzen reichen Handelsstadt aus. Zwischen  Küste und Cumbre erstreckt sich nur ein schmaler Uferstreifen, und so sind die weißen Häuschen in den Berg hinein gebaut. Insgesamt macht die Insel trotz ihrer wichtigen Funktion als Hafenstadt – an der großen Mole legen neben Fähr- und Kreuzschiffe auch Frachter an -  eher einen etwas verschlafenen Eindruck. Es muss erwähnt werden, dass Los Llanos de Aridane der Inselhauptstadt auf den Gebieten Handel und Dienstleistungen  zunehmend mehr Konkurrenz macht.
Ich schlenderte durch die Fußgängerzone und bewunderte schöne alte Häuser mit kunstvoll verzierten Holzbalkonen, prachtvolle Adelspaläste in der eleganten Calle Real, vorbei an kleinen Läden, Cafeterias und Restaurants. Unten am Hafen, im unteren Bereich der Fußgängerzone, lockte mich eine außergewöhnliche Attraktion an:  ein riesiges altes hölzernes Segelschiff reckte seine  hohen Masten in den azurblauen Himmel der alten, geschichtsträchtigen Hafenstadt. Beim Anblick dieses schönen Schiffes hatte ich auf einmal wahnsinnige Lust, in See zu stechen – auf solch einem herrlichen Boot.  Ein Wunsch, der wahrscheinlich nie in Erfüllung gehen wird!
 
Es war fast Siestazeit, und die Straßen wurden merklich leerer. In einem kleinen Schmuckgeschäft, das gerade am Schließen war, kaufte ich auf die Schnelle  - ich konnte nicht widerstehen - ein paar hübsche Schmuckstücke aus mit Olivinen oder Peridot verzierten schwarzem Lavastein.
 
Los Canarios oder Fuencaliente: Dieses Städtchen liegt am südlichsten Zipel der Insel. Schon die Auffahrt hoch zu den Vulkanen war spektakulär: Es ging steil bergauf, vorbei an lindgrünen jungen Kiefern, an erstarrten Lavaströmen, auf denen kleine Ziegen herum sprangen und  sich emsig an  frisch gewachsenem Gras gütlich taten, mit herrlichen Aussichten hinunter zum blauen wilden Meer, spärlichen Ansiedlungen und den allgegenwärtigen mit weißen Plastik bedeckten Bananenplantagen.

Oben angekommen, steuerte ich den unter mir liegenden Vulkan San Antonio (657 m ü.d.M) an. Dieser Vulkan war im Jahr 1677/78 neun Wochen lang ausgebrochen und hatte viel Weideland zerstört. Im 18. Jahrhundert entdeckte man, dass sich das poröse Vulkangestein hervorragend für Weinanbau eignet: es speichert Wasser  und hält den Boden bis zu einer Tiefe von ca. 30 cm immer feucht. Angebaute Weine von exzellenter Qualität sind leichte trockene Weißweine der Traubensorte „listán“ und der sehr beliebte Malvasia, eine süßer schwerer Dessertwein. Eine Flasche davon war gut verpackt in meinem  Handgepäck auf der Heimreise.

Weitere Ausbrüche, die  letztmaligen, waren im Jahr 1971. Die dabei herausgeschleuderten Lavamassen bildeten den Vulkan Teneguia (439 m ü.d.M.). Lavaströme mit einer Geschwindigkeit von 120 m pro Minute wälzten sich den  Berg hinunter ins Meer. Der Ort Fuencaliente blieb verschont. Fuencaliente heißt „heiße Quelle“. Es gab in diesem Ort eine heiße Quelle, die von den Menschen verehrt wurde und der man heilende Kräfte nachsagte. Diese Quelle wurde zum Leidwesen der dortigen Bevölkerung bei einem der Ausbrüche  verschüttet. Wie ich hörte, arbeitet man daran, diese Quelle wieder nutzbar zu machen.
Es ist ja weithin bekannt, dass Quellen aus Vulkangestein aufgrund ihres Mineralreichtums sehr gesund für Menschen ist, sie tun vor allen Dingen gut bei rheumatischen Beschwerden und auch bei Hautproblemen wirken sie wahre Wunder.
 
Ich wanderte auf dem Krater des Vulkans St. Antonio entlang und genoss die herrlichen Blicke herunter zu dem tiefer liegenden Vulkan  Teneguia. Der Bus brachte mich und eine Wandergruppe, die offenbar die Vulkanroute gelaufen waren, wieder herunter nach Los Llanos.
 
In den wenigen Tagen, die ich jetzt auf der Insel war, hatte ich einiges Schönes gesehen und erlebt. Die Krönung meiner Reise aber sollte die geführte Tour zum Roque de los Muchachos sein, der Caldera de  Taburiente.
 
Allein die Fahrt dahin (mit einer dreisprachigen Reiseführerin) ,die uns auch durch die Schlucht der Todesängste (Barranco de las Angustias) führte, war ein einmaliges Erlebnis: Wir hatten Glück mit dem Wetter und konnten all die Herrlichkeit bei klarer Sicht  und Sonnenschein sehen.
 
Seit 1954 steht das Zentrum von La Palma als Parque Nacional de la Caldera de Taburiente unter Naturschutz. Das Herz des Nationalparks bildet die Caldera de Taburiente, ein riesiger Kessel mit einem Umfang von 28 km und einem Durchmesser von 8 km. Die Wände der Caldera erreichen Höhen von über 2000 Meter, höchste Erhebung des Kraterrandes ist der Roque de los Muchachos (2426 m über dem Meeresspiegel). Zum Kesselgrund fallen die Ränder der Caldera bis zu 1500 m steil ab, lediglich  nach Südwesten hin durchbricht der Barranco de las Angustias, die Schlucht der Todesängste, die hufeisenförmige Caldera. Diese bildet den natürlichen Abfluss des in der Caldera entspringenden Quellwassers. Für die Urbewohner  von La Palma war diese Schlucht die letzte Zufluchtsstätte während der spanischen Eroberung. Nahe dem  Barranco de las Angustias ragt der Roque Idafe auf, eine Felsnadel aus Basalt, ein Monolith, der von den Urbewohner als Heiligtum betrachtet wurde. Fast der ganze Nationalpark wird von einem lichten Kiefernwald bedeckt, ab 2000 m findet man eine subalpine Vegetation, unter anderem den Codesco, eine Ginsterart, deren Sträucher bis zu einem Meter hoch werden.

Über die Entstehung der Caldera de Taburiente gibt es unterschiedliche Erklärungen: Der deutsche Geologe Leopold von Buch führte den Begriff „Caldera = Kessel (span)“ 1825 ein. Er ging davon aus, dass es sich dabei um die Überreste eines eingestürzten ehemaligen Vulkan handelt. Andere Geologen sind der Ansicht, dass die Hauptursache der Entstehung Erosion sei. Eine weitere Theorie geht davon aus, dass vor 12 Mio. Jahren im Zentrum der Insel La Palma ein schildförmiges Vulkangebilde entstand, wobei sich die Caldera durch einen nach Südwesten gerichteten Erdrutsch bildete;  was auch die oben genannte Schlucht, die Barranco de las Angustias, erklären würde.

Sicher werden im Laufe der Zeit noch mehr Theorien entwickelt werden, wie diese außergewöhnlich beeindruckende, wilde Landschaft entstanden ist.
Diese Insel ist von archaischer Schönheit, reich an wundervollen Landschaften unter einem tiefblauen Himmel und konstant wehenden Passatwinden. Hier wird man  mit den ungeheuren Kräften der Natur konfrontiert, mit Vulkanen, die mit gewaltigen Eruptionen das Erdinnere gesprengt  haben und  dadurch die ganze Landschaft veränderten und noch immer verändern. Wenn man die Verwerfungen der Landschaft sieht, die Wälle, Bergmassive, die einfach durch die Gewalt der Eruptionen hochgetürmt wurden, hat man eine gute Vorstellung davon, welche Kräfte auf dieser Insel der Vulkane am Werk waren und noch immer sind.

Menschen, Tiere und Pflanzen – alle müssen sich einer  ständigen Veränderung anpassen. Nach einer totalen Zerstörung dauert es nicht lange, und das erste Leben in Form von zarten kleine Pflanzen, Blumen, Bäumen zeigt sich wieder. Es folgen die Tiere und die Menschen, die im Chaos immer wieder Ordnung schaffen. Sie richten sich neu ein, ackern und schuften, müssen aber immer damit rechnen, dass alles wieder vom Vulkan zerstört wird.
 
Zum Schluss meines Reiseberichtes, der im Übrigen auch auf dem Baedeker-Reiseführer – La Palma – El Hierro – basiert, möchte ich ein Gedicht zitieren, dass ich nach einem Besuch der Vulkane Ätna und Vesuv im Jahr 2001  geschrieben habe. Der Vesuv, einer der gefährlichsten Vulkane Europas,  hat mich damals besonders beeindruckt, auch die Verheerungen, die er in den Städten am Golf von Neapel angerichtet hat. Wer einmal das zerstörte Pompeji besucht hat, weiß von was ich spreche. Die Vulkane von La Palma haben eine großartige, ästhetisch schöne Landschaft geschaffen und  im Vergleich mit den italienischen Vulkanen  bisher eigentlich kaum  Schaden angerichtet, man spricht  deshalb sogar von „lieben Vulkanen.
 
 Ätna
 
Aufgestiegen aus dem Meer
Bist Du,
Ätna,
Stolzer Berg
Der Du gebietest
Als Herrscher über Leben und
Tod,
Gottgleich
Über Reichtum und
Verheerende Not.
Dauernd in Bewegung
Bist Du,
Ätna
Alles beherrschend
Hältst Du
Seit ewigen Zeiten schon
Dein Zepter übers Land.
Wie klein und
machtlos
Sind wir Menschen doch
Angesichts Deiner Kraft.






 

 

Idar, den 24. Juni 2009/update Nov.2020/Sept. 2021 
Bericht und Gedicht Copyrigh2009Gisela Bradshaw

Nachtrag:
Am Sonntag, 19.9.2021 ist nach 50 Jahren Ruhe
der Cuembra Vieja (alter Gipfel) auf La Palma ausgebrochen und
 glühend flüssiges Magma fliesst aus mehreren Kratern den Berg
herunter Richtung Meer.Tausende auf La Palma sind auf der Flucht.