
Provence revisited
vom 10. - 16. Juni 2019
Vor ein paar Tagen bin ich aus der Provence zurückgekehrt,
von einer Reise, die der von mir im Jahr 2007 gemachten
ähnelte. Dieses Mal war sie aber leider etwas kürzer. Von der
damaligen Fahrt habe eine ausführliche Reisebeschreibung mit
vielen schönen Fotos erstellt, auf die ich verweisen möchte. Man findet
sie in meiner homepage www.lyrik-am-fluss.de unter der Rubrik „Unterwegs“.
Duftende Lavendelfeld- Antike Bauwerke – weiße Pferde, Stiere,
sogar Flamingos, aber vor allem sagenhaft schöne Städte und Landschaften:
dies war das Programm dieser Reise.

Les Baux de Provence
Ich sah fast alle Orte wieder: Avignon, Arles, Les Baux, den
Luberon, den Vaucluse, Roussillon mit den Ockerfelsen, Nîmes, Uzès,
Aigues Mortes, Sainte Marie de la Mer und viele herrliche, duftende
Lavendelfelder inmitten großartiger Landschaften.
Ich lief über die Brücke von Avignon, wanderte durch den riesigen
Papstpalast. In Les Baux de Provence ( in der Chaine des Alpilles südlich von
Avignon) staunte ich wieder über diese atemberaubende alte Burg, die
wie ein Adlernest hoch über der Landschaft schwebt und von wo aus man
seine Blicke über das herrliche provenzalische Gebirgsland schweifen
lassen kann.
Avignon - Brücke und Papstpalast
Tief beeindruckt war ich auch wieder von den durch
die Römer im 1. Jh. erbauten Arenen in Arles und Nîmes und
dem südfranzösischen Flair der beiden antiken Städtchen.
Roussillon - wunderschön
Die leuchtenden Ockerfelsen des Colorado de Provence bei
Roussillon (südlich von Gordes) sind noch lebhaft in meiner
Erinnerung; und noch einmal bei strahlendem Sonnenschein durch
diese bizarre Landschaft laufen zu können, war ein Erlebnis: Das
Leuchten und Glühen des in allen Schattierungen vorkommenden Ockers
wird mir für immer unvergesslich bleiben. Die ganze Stadt
Roussillon erstrahlt in leuchtendem Ocker.
Pont du Gard
Ein weiteres Highlight für mich war die riesige Pont du
Gard, dieses alte, im Jahr 19 vor Chr. von Agrippa, einem Schwiegersohn
von Augustus, erbaute Aquädukt, das damals die Stadt
Nîmes (früher Nemausus genannt) mit Wasser aus der Eure-Quelle
bei Uzès versorgte.
In schwindelnder Höhe überbrückt das mächtige Bauwerk, ein Wunderwerk
römischer Bau- und Ingenieurskunst, den Fluss Gard. Gebettet in
eine bildschöne Flusslandschaft ist es ein äußerst
ästhetischer Anblick und weltweit bekannt und gern besucht. Seit 1985
gehört es zum Unesco Weltkulturerbe. Man nimmt an, dass tausend
Arbeiter fünf Jahre lang an seiner Entstehung gearbeitet haben.
Chateau Neuf-du-Pape, der berühmte Weinort in der Provence kannte ich
noch nicht. Leider hatte es an diesem Tag etwas geregnet und der
Himmel war wolkenverhangen. Als es sich dann aber
aufklarte, was in der Provence von einem Moment zum anderen gehen kann,
hatten wir von einem Plateau von hoch oben herrliche
Ausblicke auf das weite, grüne Land unter uns. Wein haben wir
nicht gekauft, weil sein Preis unsere Reisebudgets sicher gesprengt
hätte.
Arena Nîmes
Eine andere interessante Station für mich war der
berühmte Mont Ventaux, der windige Berg, 1909 m hoch, der einige
Kilometer östlich von der Stadt Orange liegt und auch von Avignon
gut erreichbar ist.
Blick ins schöne Land
Dieser Berg ist durch Francesco Petrarca, den großen Lyriker und
Romantiker berühmt geworden: in einem Brief an seinen Freund
Francesco Diogini schildert er seine seine Gefühle und
Gedanken, die er bei der Besteigung des Berges am 26. April 1336 hatte!!
Sehr interessant und nachzulesen im Internet unter:
https://www.bergnews.com/service/petrarca-mont-ventoux/petrarca-mont-ventoux.php
Heutzutage ist der Mont Ventaux bekannt durch die Tour de France. Als
wir den Berg besuchten, begegneten uns zahllose Radfahrer, Männer
und Frauen, die im Berg unterwegs waren und auch einige Wanderer,
die einen Aufstieg gewagt hatten.
Seinen Namen (windiger Berg) verdankt der Berg dem Mistral, der
hier sehr stark bläst. Die Temperaturen können im Winter auf
minus 27 Grad fallen, so dass hier oben von September bis April eine
winterliche Schneedecke liegt.
Dieser „windige Berg“ ist hochinteressant für Pflanzenliebhaber und
Botaniker. Man findet hier alle Sorten von Blumen und Pflanzen:
angefangen von Thymian bis zu einer Pflanze aus dem kalten
Spitzbergen, der Saxifraga. Alle Arten von Pinien, Tannen, Zedern
und Buchen wachsen hier.
Flamingos
In St Marie de la Mer hatten wir einen Bootstrip gebucht, um die
berühmten weißen Pferde und die Stiere zu besuchen. Auf unserer
Fahrt hin zu diesen Tieren sahen wir, wie reich die Vogelwelt
dort ist, alle Sorten von Reihern, Gänsen, Schwänen sind dort
zuhause, und ab und zu gaben Flamingos ein Stelldichein:
ein wahres Vogelparadies. (Obiges Foto ist aus dem Internet).
Weisse Camarque Pferde und Stiere
Sie waren eine Augenweide: die schönen weißen Pferde und mächtigen
Stiere der Camarque. Alle weideten zusammen friedlich
mit ihren zahlreichen kleinen Nachkommen und ließen sich nicht dabei
stören. Alle Herden sind übrigens in Privatbesitz. Sogenannte Guardians
durchstreifen Tag für Tag diese Weidgebiete und schauen, ob alles in
Ordnung ist. Sie tragen, genau wie die amerikanischen Cowboys oder die
portugiesischen Campinos große, breitkrempige Hüte und
natürlich Bluejeans. Als Waffe führen sie lange Stangen mit sich.
Gesehen haben wir einige dieser Männer oder sogar weibliche Guardians
leider nur aus weiter Ferne.

Camarque Guardians (Internetphoto)
Vermisst habe ich lediglich auf dieser Reise drei Orte, L´'Isle-sur-la- Sorgue , die Abbey von Sénanque und Gordes.
L'Isle-sur-la- Sorgue, südlich von Fontaine de Vaucluse oder ein paar
Kilometer östlich von Avignon, ist eine bildschöne kleine Stadt an dem
Fluss Sorgue, der einer einzigartigen Karstquelle in der Nähe des Ortes
entspringt. Diese Quelle ist eine der reichsten und ergiebigsten
Quellen, die von einem riesigen, unterirdischen Wasserreservoir gespeist wird.
Früher war hier Sumpfland, das über die Jahre hinweg trockengelegt
wurde. Diese zauberhafte Stadt mit ihren vielen Kanälen und Brücken,
die ganz in der Nähe der Berge des Vaucluse liegt, hatte sich ganz tief
in mein Gedächtnis eingeprägt:
Ich denke oft zurück an ihre typische provenzalische
Atmosphäre, besonders aber das ständige leise Rauschen und
Murmeln der unzähligen, blumengeschmückten Kanäle und
Wasserräder ist noch in meinem Ohr, ein Geräusch, das beruhigend
und anheimelnd auf mich wirkte und noch immer wirkt. Auch die
vielen kleinen Antiquitätsläden hatten manch verlockendes Angebot.
Als Erinnerung an L' Isle-sur-la-Sorgue habe ich mir damals ein sehr
schönes Poster im Office du Tourisme gekauft. Es zeigt zwei
flache Boote, genannt "Nego Chin" mit zwei Männern und zwei Frauen, die, in
provenzalischer Tracht gekleidet, die Boote mit langen Stangen durch
den Fluss steuern. Die Szene erinnert mich an den Spreewald , wo die
Boote auch durch das Wasser „gestakt“ werden. Ich habe ein Bild von dem schönen Poster gemacht (siehe oben).
Die Abbaye von Sénanque ist eine Zisterzienserabtei aus dem 11.
Jahrhundert. Dort berühmt geworden ist im Jahr 112 Bernhard
von Clairvaux.
Ich kann mich noch gut an diese Abbaye und die
riesigen duftenden Lavendelfelder in dunklem Lila erinnern.
Der tiefblaue Himmel und die sattgrünen Felder bildeten einen
atemberaubenden Kontrast, genau so wie man sich die Provence vorstellt.
.
Gordes, eine schöne hoch gelegene kleine Stadt, die über das Tal der
Coulon blickt, wurde im Jahr 1938 von Literaten, Kunsthandwerkern und
Malern als Refugium entdeckt und entwickelte sich im Laufe der Zeit zu
einem teuren, elitären Ort. Die Blicke von hoch oben in das Land waren
spektakulär.
Alle drei Orte, L'isle sur la sorgue, die Abtei Sénanque und
Gordes lagen ganz nahe an unserer Route, waren aber sicher
aus zeitlichen Gründen leider nicht in unserem Programm.
Ein letztes Wort noch zu der Reise an sich: die Fahrt in unserem Bus
verlief ohne Probleme. Zahlreiche Pausen machten sie auch erträglich.
Durch die großen Fenster konnte ich die vorbei fliegenden,
durchweg wunderschönen Landschaften genießen. Wieder einmal stellte ich
fest, wie reich Frankreich an herrlichen Landschaften,Städten, Flüssen
ist.
Wir wohnten im Hotel de la Fenoulliére in Estezarges mitten in ausgedehnten Weinbergen (in der Nähe
von Avignon), das ich ja bereits von einer vorherigen Reise kannte und mit dem auch dieses Mal alle sehr zufrieden
waren. Besonders die hervorragende Küche wurde von allen gelobt. Die
vielen Menschen, die für unser Wohlergehen sorgten, waren
kompetent und vor allen Dingen sehr freundlich und hilfsbereit.
Bei unserer Abreise bereiteten sie uns einen ganz besonders herzlichen, fast familiären Abschied, was uns sehr freute.

Epilog
»Die Luft war ruhig, und der würzige Duft der Hügel erfüllte
wie ein unsichtbarer Dunst die tiefe Schlucht.
Thymian, Lavendel und Rosmarin mischten sich mit dem Geruch des
goldgelben Harzes, dessen lange unbeweglichen Tränen wie Glas
auf dem lichten Schatten der schwarzen Baumrinde glänzten.
Ich marschierte lautlos
in der Stille dieser Einsamkeit.»
Zitat Marcel Pagnol aus seinem Buch
»Eine Kindheit in der Provence»
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Reisebericht erstellt Juni 2019/updated 12 September 2021
Text und Bilder Copyright Gisela Bradshaw
Ausnahmen sind gekennzeichnet.
Mehr Provence-Fotos findet man in meinem
Provence-Bericht von 2007
in dieser Homepage.
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