b85 Cap Frehel

Normandie und Bretagne April 2014
Eine Reisebeschreibung




Wieder einmal war es für mich Zeit, ein neues Stückchen dieser Welt zu sehen. Gute Freunde hatten begeistert von Urlauben in der Bretagne berichtet, und so war ich neugierig und begierig, dieses Land an der Côtes d'Armor am Atlantik kennenzulernen.

Im Katalog eines saarländischen Reiseunternehmens fand ich dann ein Angebot, das meinen Vorstellungen entsprach.

Es hieß: „Normandie, Bretagne: Imposante Landschaften – Rouen – Honfleur – Deauville – St. Mal – Mont St. Michel – Cap Fréhel“.

Ende Februar, an einem trüben, regnerischen Tag, buchte ich diese vielversprechende Reise für einen Termin im April.

Der Anreisetag war – wie meist bei diesen Rundreisen per Bus – sehr anstrengend. Nach ca. 11 Stunden hatten wir unser erstes Ziel – Rouen in der Normandie, die Stadt Jeanne d'Arcs – erreicht.

Trotz der langen Fahrt konnten wir uns in einer Stadtführung ein wenig über diese alte, geschichtsträchtige  Stadt informieren. Nachfolgend  einige diesbezügliche Informationen aus „Wikipedia“:

"Victor Hugo hat die Stadt als Stadt der hundert Kirchtürme bezeichnet. Zahlreiche Bauwerke wurden durch die Bombardements während des Zweiten Weltkriegs zerstört, vor allem im Bereich zwischen Kathedrale und Seine. Nach dem Krieg wurde vieles wieder aufgebaut. Auch  sind heute noch an die zweitausend Fachwerkhäuser  im Original erhalten.

Die gotische Kathedrale von Rouen inspirierte Claude Monet zu dem berühmten gleichnamigen Bilderzyklus. Ihr Glockenturm ist 151 Meter hoch und wird von  zwei weiteren Türmen flankiert, dem Turm Saint-Romain und dem Butterturm " tour de beurre", der mit den Ablassbriefen der Fastenzeit bezahlt wurde.

Der Turm Jeanne d’Arc ist eine Ruine der 1200 erbauten Burg. Hier wurde   Jeanne d’Arc 1431 von den Richtern verhört.

Le Palais de Justice: Der Justizpalast, 1509 von R. Leroux erbaut, ist das größte nichtsakrale gotische Gebäude Europas. Unter dem Hof wurde das älteste jüdische Bauwerk Frankreichs entdeckt (um 1100). "

Am nächsten Tag setzten wir unsere Fahrt über Deauville, den mondänen und exklusiven  Badeort  und  das zauberhafte Honfleur mit seinen pittoresken Gässchen und seinem wunderschönen Hafenbecken fort.
Unser Ziel war nunmehr St. Cast an der Smaragdküste, wo wir in den nächsten Tagen unser Quartier haben würden.

St. Cast ist eingebettet in das Halbrund einer malerischen Bucht zwischen den Kaps Pointe de la -Garde und Pointe de St. Cast und ist ein beliebter Badeort mit langem Sandstrand und viel unberührter Natur.

Der nächste Tag sollte wieder, genau wie der Anreisetag, zu einem kleinen Marathon werden. Eine Fähre brachte uns zu früher Stunde von St. Malo durch den Ärmelkanal zu der grünen Blumeninsel Jersey. Ein Bus mit Reiseführer wartete dort  schon auf uns. Eine  Rundfahrt brachte uns zu vielen sehenswerten Eckchen, vorbei an grünen Wiesen und Feldern mit friedlich weidenden Schafherden, kleinen Yachthäfen mit prachtvollen Booten. Wir bewunderten die hübschen Häuser im Landhausstil, die schroffen, steilen Felsen an der blauen Küste, an der  das Meer  in allen vorstellbaren Blautönen leuchtet.  Die Inselhauptstadt St. Hélier überraschte uns mit ihren vielfältigen, chicen Geschäften  und einem eleganten,  international wirkenden Publikum. Hier könnte man ganz sicher einen schönen Sommerurlaub verbringen.

Unsere Karawane zog weiter: nach St. Malo, der alten Korsarenstadt am Meer.

„Steinkrone auf den Wellen“ und granitene Zitadelle“ haben Gustave Flaubert und F.R. Chataubriand sie genannt. Die mächtigen Bastionen und Wälle aus dem 12. JH bewirkten, dass die Stadt vom Meer her nie eingenommen wurde. Im 2. Weltkrieg erlitt sie große Schäden, die  in der Folgezeit wieder  behoben wurden.

Gegenüber von dem trutzigen St. Malo liegt das Städtchen Dinard, ein elegantes Seebad im heiteren Belle-Epoque Stil, das bereits damals  schon sehr von den Engländern frequentiert und  geschätzt wurde.
Herrliche Villen und Hotels in mediterraner Vegetation verbreiten eine angenehme Stimmung, die sich auf die ganze Gegend überträgt. Dank des Golfstroms ist das Klima hier ausgesprochen mild.

Südlich von St. Malo und Dinard liegt einige Kilometer im Landesinneren an einem Meeresarm Dinan, eine Stadt mit einer kilometerlangen Stadtmauer mit 16 Stadttoren und einer imponierenden Burganlage aus dem 16. JH. Zahlreiche faszinierende Fachwerkhäuser, holzgeschnitzte Fassaden und blumengeschmückte Balkone machen Dinan zu einer der schönsten bretonischen Städte, in der Adelige, Künstler und Kaufleute jahrhundertelang lebten und die Stadt  mit ihrem Schaffen prägten.

Auf dem Markt in Dinan versuchte ich, meinen Widerwillen gegen Austern in Zuneigung zu verwandeln – leider  vergebens. Todesmutig hatte ich die eine Hälfte der salzig-glitschigen Auster geschluckt,   als mir schon klar war, dass die andere Hälfte nicht folgen würde. Auch ein guter Champagner hätte meine Meinung nicht geändert.


Der tausendjährige   Mont St. Michel, auch ein Höhepunkt unserer Rundreise, liegt zwischen der Normandie und der Bretagne in der Mündung des kleinen Flusses Cuescon, wird aber  zum Leidwesen der Bretonen der Normandie zugeordnet.

Die Insel im Wattenmeer ist ca. 3 ha groß, der Klosterberg selbst mit seinen acht  Wehrtürmen hat einen Umfang von 900 m und misst  oben  an der Skulptur des Heiligen St. Michael 156 Meter.

Die Porte de l'Avancée, das einzige Tor zu der Anlage, führt zunächst in eine malerische kleine Stadt mit Souvenirshops und einladenden Restaurants. Ein buntes Touristenvölkchen  aus aller Welt drängt sich zu jeder Saison durch die engen Gassen.

Der Aufstieg zum Klosterberg erfordert einige sportliche Energie. Dennoch waren ganze Heerscharen von Menschen dabei, den Berg zu erklimmen.
Und alle wurden reich belohnt: Denn ein Spaziergang auf den Wehrmauern bietet besonders vom Nordturm aus grandiose Ausblicke auf das Meer und die Küste. Die kleinen  Gässchen sind verwoben mit  vielen mittelalterlichen Gebäuden, und das ganze Ensemble bietet vielfältige und großartige Fotomotive.

Nun ein paar interessante geschichtliche Daten zu dem Mont St. Michel:

708:      Bischof Auber stiftet auf dem Felsen eine Kapelle

966:      Gründung des Benedektiner-Klosters. Die karolingische Abtei
            entstand zunächst aus romanischen, dann aus gotischen Gebäuden.
            Alle Baumeister haben Mut und großen Erfindungsgeist erwiesen. Die    
            Gebäude mussten, da sie miteinander verschachtelt und aufeinandergetürmt 
            waren, einen sicheren und stabilen Untergrund haben, was
            bautechnisch  damals eine Herausforderung war. Es wurde ständig gebaut,
            restauriert, niedergerissen und wieder aufgebaut.

    Im Jahr 1897 wurde der Berg mit der Statue des Heiligen Michael
    gekrönt. Immer wieder wurde die Anlage auch zweckentfremdet.
    So wurde sie 1811 zu einem Gefängnis umfunktioniert. Erst seit 1969   
    wohnen wieder Mönche auf dem Berg.


 Eine Anmerkung zu der bretonischen Sprache (Quelle: Wikipedia)

 Das Bretonische (breton. Brezhoneg) ist eine keltische Sprache. Es gehört wie das Walisische, das Kumbrische (ausgestorben) und     das Kornische zur Untergruppe der britannischen Sprachen. Sie wird in der Bretagne (Frankreich) von den britophonen Bretonen         gesprochen und ist damit die einzige moderne keltische Sprache, die auf dem europäischen Festland verbreitet ist.
Hauptverbreitungsgebiet sind das Département Finistère (Penn ar Bed) und der jeweils westliche Teil der Départements 
Côtes-d’Armor (Aodoù-an-Arvor) und Morbihan (Mor-bihan).


Wie auf anderen Reisen dieser Art habe ich auf auch dieses Mal  in den Mitreisenden schnell Gleichgesinnte gefunden. Zusammen, nicht nur bei dem allabendlichen 3-Gänge-Abendessen, hatten wir viel Spaß miteinander und genossen die herrlichen Landschaften und wunderschönen Ort unter einem strahlend blauen Himmel. Für dieses beständige und herrliche Wetter war wir jeden Tag  wieder dankbar.

Wir haben angesichts der Größe der Bretagne nur einen ganz kleinen Ausschnitt gesehen und durchfahren, konnten aber dennoch einen bleibenden, auch vom tollen Wetter begünstigten, Eindruck von der Schönheit dieses Landes an der Smaragdküste  mit nach Hause nehmen.  



„Man hat keine Idee davon, wie groß und wie schön die Welt eigentlich ist,
wenn man nicht Meere und Länder durchstrichen hat. „


Zitat von Weerth (an Heinrich Heine 1853)

Georg Ludwig Weerth (* 17. Februar 1822 in Detmold; † 30. Juli 1856 in Havanna, Kuba)
war ein deutscher Schriftsteller, Satiriker, Journalist und Kaufmann.



Anmerkung: bei der Erstellung dieses Reports habe ich auf  den Reiseführer

„Bretagne“ bei Abenteuer und Reisen sowie Wikipedia im Internet zurückgegriffen.

Idar, im April 2014
Copyright Gisela Bradshaw