Zebras
Safari Pure Namibia   2012



Aufbruch

Frühes Aufstehen,Überprüfung des Koffers, nach einigen Änderungen wiegt er „nur noch 21 kg“! Wann schaffe ich es endlich, vernünftig Koffer zu packen? Der geliehene Riesenkoffer erscheint mir steinschwer   und ist es auch, leider.

Plötzlich geht alles sehr schnell, und ich sitze im total überfüllten Regiozug zum Frankfurter Flughafen.  Mein ebenfalls prall gefüllter Rucksack liegt auf meinen Beinen. Stolz aus ihm herausragt der lustige bunte Drachen für die Kinder.

Bei der Flughafenkontrolle sagt eine Polizistin freundlich zu mir: „Komisch, das ist bestimmt schon der 30. Drache, der hier durchgeschleust wird!“
 
Was sagt uns dieses: es ist definitiv Herbst geworden. Im Zug habe ich, wie jedes Mal, wenn ich diese wunderschöne Strecke entlang der Nahe fahre, nur Augen für das bunte, herbstliche Land.  Es  kommt mir so vor, als läge  jeder Strauch, jede Rebe, jeder Baum im Wettstreit darüber, wer die herrlichsten Farben zeigt. Alles zusammen ergibt dies ein  Bild in prachtvollen, lodernden Farben, so als hätte ein Maler aus Versehen all  seine Farbtöpfe über eine Leinwand gegossen. Bad Münster am Stein liegt  Sonnen beschienen  in zauberhafter Schönheit, und natürlich bleibt  es nicht aus, dass ich an Vater denke, der diese kleine Stadt so sehr liebte.

Kurze Zeit später sitze ich in einem kleinen Flughafenbistro, umgeben von einem Konglomerat an Geräuschen, Stimmen, Ansagen. Welch ein Unterschied zu der mehr als himmlischen Ruhe in meiner kleinen Stadt. Ein Luxusladen nach dem anderen liegt auf dem Weg zu meinem Abflugsteig. Über die Preise kann ich nur staunen. Eine Stunde Einkauf hier, und ich hätte mein gesamtes Reisebudget auf den Kopf gehauen.

Nach einem kurzen Aufenthalt bei meiner Tochter in Pretoria fliege ich am 24.10.2012 nach Windhoek. Von hier aus soll die  zweiwöchige Safari starten


Unsere Route ist:

Windhoek – Outjo – Etosha Park – Kamjab – Brandberg – Swakopmund – Sossusvlei - Moon landscape – Windhoek


Indongo

So heißt unser junger, namibischer Reiseleiter, der zugleich Fahrer und Koch ist. Bei unserer Reise quer durch das Land werden wir  uns nämlich selbst verpflegen, und jeder ist angehalten, bei der Zubereitung der Essen tatkräftig mitzuhelfen.
 
Ich begegnet Indongo kurz nach meiner Ankunft im „Casa Africana“, einer kleinen Lodge  in Windhoek, das heißt, ich überfalle ihn fast.
Ich habe  gerade zu meinem Entsetzen festgestellt, dass ich bei der Ankunft am Flughafen eine falsche Tasche gegriffen habe. Sie ist genauso  schön gelb und von gleicher Größe, aber sie gehört mir nicht, sondern, wie ich dem Adressanhänger entnehme, einem Schweizer Reisenden.
 
Was tun? Um 18.00 Uhr wollen sich alle Safariteilnehmer zu einem gemeinsamen Abendessen in einem  Windhoeker Lokal treffen. Es ist  inzwischen 15.30 Uhr, und ich stehe da ohne Gepäck bzw. mit dem falschen. Ein Alptraum für jeden Reisenden, und mir muss dies passieren!

Wo ist meine Tasche? Wo ist  der arme Kerl, dessen Gepäck ich habe?

Es gibt nur eine Möglichkeit:  Ich muss zurück zum ca. 40 km entfernten  Flughafen. Verschwitzt, mit ausgetrocknetem Mund und Herzrasen sitze  ich im Auto und flehe alle guten Geister an, mir aus dieser unsäglichen Patsche zu helfen. Mein Chauffeur ist  übrigens ein guter Freund von Indongo, der wie ein Wunder zur Stelle ist und sich mit dieser Fahrt einen schönen Batzen Geld verdient.

Am Flughafen kann ich nach Passieren der Sicherheitskontrolle den Gepäckraum betreten. Unzählige herrenlose  Koffer und Taschen stehen  auf dem Boden herum. Und dann – mein Herz macht einen Satz – sehe ich sie:  wie hervorgehoben aus der schnöden Masse prangt gelb und prächtig mein verloren gegangenes Goldstück auf einer großen Waage.

Die falsche Tasche lasse ich einfach bei den anderen verwaisten Stücken zurück. Es ist  ja auch kein Mensch da, dem ich irgendwelche Erklärungen hätte geben können.

Jetzt war ich bereit für die Safari!

Indongo, aus dem Stamm der Ovambos,  ist 32 Jahr jung, sieht gut aus und spricht ein phantastisches Deutsch. Außerdem ist er, wie wir bald hören,  klug und gebildet. Er gehörte zu den namibischen Kindern, die im frühen Kindesalter ihre Eltern in kriegerischen Aktionen  verloren haben. Sie wurden in die  DDR gebracht, wo sie  aufwuchsen und neben einer sozialistischen Erziehung eine gute Bildung mit guten Sprachkenntnissen erhalten haben.

Namibia war von 1884 bis 1915 deutsches Schutzgebiet. Berühmt ist der 1904 stattgefundene Herrero-Aufstand in Okahandja gegen die deutschen Kolonialherren, bei dem 65000 Herreros ihr Leben lassen. 1920 erhält  Südafrika vom Völkerbund das Mandat für Südwestafrika. 1962 werden Homelands nach südfrikanischem Muster gebildet. 1964 beginnt, vor allem im Ovamboland,  der Kampf der Swapo für Freiheit. Im Jahr 1973 erkennt die UN-Vollversammlung die Swapo als "authentische Repräsentation des nambischen Volkes" an. 1990 wird Namibia unter dem Präsidenten Sam Nujoma unabhängig.

Indongo kennt noch viele Lieder, die er damals  als junger Pionier in der ehemaligen DDR gelernt hat, zum Beispiel das Lied des „kleinen Trompeters“. Dieses gibt er bühnenreif bei den so genannten „singenden Steinen“  (Doleritgestein) in der Namib wieder   Während er voller Inbrunst  sein Liedchen schmettert, schlägt er die Steine und lässt sie erklingen.

Indongo erweist  sich als  intelligenter, freundlicher und fröhlicher Begleiter. Seine große Schwäche sind  die schönen Mädchen, die wir in Hülle und Fülle treffen. Jedes Mal, wenn ein solches Geschöpf in seine Nähe kommt, hält  er ergriffen inne und sagt mit seiner schönen, beim Anblick all der Pracht belegten Stimme:

Was für ein schönes Springböckchen!

Sein Ausspruch wird auf unserer Safari zum geflügelten Wort.


Bild222Giraffe



Auf dem Weg zum Etosha National Park


Im Toyota Landcruiser

In schwüler Hitze jagen wir
über holprige Schotterpisten
durchs weite, staubige Land.
Durchgeschüttelt,
hoch- und nieder geschleudert
werden wir auf unserem harten Sitz,
fühlen uns wie Cowboys
beim wilden Rodeo.
Das Hemd klebt uns am Leib,
so heiß ist es.
Ab und zu ein Schluck Wasser
und weiter geht unsere schnelle Fahrt
durch dieses weite, ungebändigte Land.
Zebras, Giraffen,
Gnus, Spring- und Steinböcke
schauen uns nach,
neugierig wohl,
welch seltsames Tier
so einfach ihre Stille stört.

Die „Sasa-Lodge

Unter gewaltigen Felsblöcken hoch oben in den Bergen liegt unsere kleine Lodge, eine grüne, blühende Oase inmitten der Wüste. Liebevoll ausgestattet in warmen afrikanischen Farben empfangen uns die kleinen Hütten, geben uns Schutz in den kalten von zahlreichen Tieren belebten Nächten. Hier sind wir nahe an der Natur, so groß ist hier die Stille, die Einsamkeit, dass es uns fast fürchtet. Stark muss man wohl sein, um hier zu leben ohne zu verzweifeln.


Bild219Elefant
Unterwegs

Weites, leeres Land
Unter sengender Sonne,
Buschsavannen in staubiger Endlosigkeit
Gleiten vorbei auf unsanfter Fahrt.
Ab und zu Zeichen von Leben
In dieser Trostlosigkeit:
Elende Blechhütten auf verdorrtem Grund,
Springböcke, Wüstenelefanten,
Strauße, Herden von Zebras,
Gnus, Kudus
Tauchen auf und
verschwinden wieder am weiten Horizont.
Wasser ist kostbar hier,
Lebenselixier,
Herrscher über Leben und Tod.
Nicht nur die Menschen,
auch die Tiere wissen dies,
handeln entsprechend,
trinken gemächlich
mit Genuss,
machen das Trinken
zur Zeremonie am Wasserloch.
Wir schauen zu,
schweigend,
ergriffen
von solcher Würde.


Beobachtungen im Etosha-Park (Etosha bedeutet „großer, weißer Platz")

Zwei Elefanten

Plötzlich aus der Dunkelheit
tauchen sie auf,
zwei junge Elefanten,
traben schnellen Schrittes
dem Wasserloch entgegen.
Dort verharren sie
Sich gegenüberstehend,
tauchen,
einer nach dem anderen,
den Rüssel tief hinein
 ins labende Nass.
Unendlich langsam
ist ihre Bewegung,
Zeitlupen gleich.
immer wieder
schöpfen sie Wasser,
legen sich  abwechselnd
zärtlich einander liebkosend
den Rüssel auf die Schulter des anderen.
Sie trinken und trinken
immer im gleichen Rhythmus,
wie eine heilige Handlung,
als wüssten sie
wie wertvoll Wasser
für  alles Leben ist.


Zwei Löwen

Unter einem Schatten spendenden Baum haben wir sie entdeckt, ein großes  Männchen, ehrfurchtgebietend und sein etwas kleineres, aber drahtiges Weibchen. Genüsslich ausgestreckt ruhen sie in der brütenden Sonne.

Auf einmal erheben sie lässig  sich und schreiten gemessenen Schrittes direkt auf unser Fahrzeug zu. Unter der Brücke, auf der wir stehen, verschwinden sie.

Große Herden Zebras, Springböcke, Gnus, Kudus auf der anderen Seite am Wasserloch sind unruhig geworden. Alle  sind still, starren wie gebannt in Richtung Brücke. Nach einiger Zeit tauchen die riesigen Katzen wieder auf und bewegen sich gemächlichen Schrittes auf die wartenden Tiere und das Wasserloch zu.

Wie auf Kommando setzen sich diese in Bewegung und galoppieren in allen Richtungen davon.
Die Löwen drehen sich gelangweilt um und tauchen wieder ab in ihr Versteck. Wieder einmal haben sie allen gezeigt, wer der Herr im ist.


 
Bild221RudelLoewe

Oktoberfest in Kamanjab

Wir haben den wunderschönen Etosha Park verlassen und sind „on the road again“. Unser Ziel ist Swakopmund am Atlantik.

Auf unserer Route liegen  der Petrified Forest , der ca. 300 Mio. alte versteinerte Wald,  Twyfelfontein (2500 Felsgravuren nomadisierender San) und das Brandbergmassiv. Der höchste Berg, der Königstein, ist 2573 m hoch und Teil des Massivs, das sich 100 km südlich von Khorixas in einem Oval von 750 qkm, 30 km in der Länge und 23 km in der Breite ausdehnt. Die Berge sind die Überreste eines riesigen erloschenen Vulkans. Wenn die Sonne auf- oder untergeht, scheint der ganze Berg in Flammen zu stehen, woher auch sein Name herrührt.

Brandberg White Lady Lodge  
„Home of the desert elephants

Bergketten baden im Licht
der untergehenden Sonne,
rot leuchtende Pracht
in unendlicher Weite.
Wie hingeklotzt  scheinen sie,
diese riesigen Blöcke,
schweren Legosteinen gleich
in endloser Dichte
Kordilleren bildend.
Es scheint, als genüge
ein kleiner Erdstoß nur,
alles wie ein Kartenhaus
zusammenstürzen zu lassen.
Vor Urzeiten floss hier Wasser,
ein Ozean, der alles formte,
Täler und Berge schuf,
durch die wir heute fahren.    


Wir machen Station in Kamanjab, einem trostlosen, staubigen Platz, der mich ein bisschen an genauso traurige Orte im ehemaligen Wilden Westen von Amerika erinnert. Der einzige Laden  ist ein ebenso trister Supermarkt, in dem wir uns mit Wasser für die nächsten Tage eindecken.

Unsere Lodge trägt den schönen Namen „Oasis“. In der dazugehörigen, recht urigen Kneipe sitzen gestandene Mannsbilder beim Bier, alles weiße Namibier. Hier werden wir von dem freundlichen Besitzer in Empfang  genommen. Er teilt uns gleich mit, dass es  wegen des im Ort stattfindenden Oktoberfestes bei ihm nichts zu essen gäbe. Es wäre doch schön, wenn wir alle zu diesem alljährlichen Fest kommen könnten. Für 100 namibische Dollar (10 Euro) könnten wir hervorragend essen, es gäbe natürlich  gegrillte Rindersteaks von bester namibischer Qualität.

Da wir keine Lust haben, nach der anstrengenden Fahrt auf einem staubigen Campingplatz unser Mahl selbst zuzubereiten, sind  wir uns schnell einig. Ein bisschen „Luxus“ schadet  uns allen gewiss nicht.
 
Pünktlich um 19.00 Uhr finden wir uns auf dem etwas nüchtern wirkenden, kleinen  Festgelände  ein. Man hat bereits hübsche Papierlaternen angezündet  - um 18.00 h wird es überall in Afrika schlagartig dunkel -, ein Diskjockey, ein weißgrauer Mittfünfziger, legt bereits Musik auf, uralte deutsche Schnulzen, an die wir uns  gerade noch erinnern, die aber offensichtlich bei den (nur) weißen  meist sehr gut genährten  namibischen Leuten bestens  ankommen. Sie walzen und schieben sich mit Tanzschulschritten über das Parkett und lassen keinen Tanz aus. Kleine Kinder wuseln auf dem Tanzboden herum, ein hübscher kleiner weiß-schwarzer Hund läuft hechelnd die ganze Zeit im Kreis herum und findet offenbar alles sehr aufregend. Die Musik wird immer archaischer, was aber der ansteigenden Begeisterung der Tänzer keinen Abbruch tut.

Wer von den einheimischen Männern nicht tanzt, steht mit Bier und Schnaps in der Hand am Tresen, eine nicht wankende,  dichte Mauer bildend.
Das Oktoberfest ist in vollem Gang. Wir sitzen mit knurrendem Magen an unserem Tisch und wissen schon nicht mehr, über was wir reden sollen.
Geschlagene 3 1/2 Stunden warten wir, bis endlich das Signal zum „Essenfassen“ kommt. Wir sind dann die Ersten, die mit Teller und Besteck bewaffnet, am Grill erscheinen.
Die Steaks sind wirklich  erste Klasse. Das Warten hat sich also doch gelohnt.

Übrigens: Indongo, den wir auch eingeladen haben, ist nicht gekommen. Er hat wohl seine Gründe gehabt, die wir angesichts der kräftigen teilweise angetrunkenen weißen Namibier voll und ganz verstehen. Weit und breit war auch kein einziger Schwarzer zu sehen.


Begegnung mit  Himbas

Das Volk der Himbas, das verwandt mit den Hereros ist,  lebt im nördlichen Namibia, in Kaokoveld, einem 50 000 km großen Gebiet , das vom Kuene-Fluß im Norden, dem Damaraland im Süden und  der Namibwüste im Westen begrenzt wird. Die Frauen tragen Lendenschurz, oben sind  sie barbusig. Ihre Haut ist mit  einer roten Paste eingerieben, die sie gegen Sonne und  Insekten schützt. Die  Haare tragen sie geflochten und aufwendig geschmückt. Die Männer kleiden sich mit Ziegenfellen. Dieses Volk lebt noch nach den alten festgelegten Traditionen, ist aber zunehmend auch von der Moderne beeinflusst, dies mit negativen Folgen. So nimmt der Alkoholismus bei den Männern immer mehr zu. Die meist jungen Frauen sind wegen ihres aufreizenden Äußeren sehr oft ein Objekt der Begierde weißer Männer. Prostitution verbunden mit den entsprechenden Krankheiten ist an der Tagesordnung.

Auf unserem Weg zur Hammerstein-Lodge  liegt ein Himbadorf, in das wir eingeladen sind.  Dieses Dorf ist angeblich von einem  vermögenden, weißen Farmer auf seinem riesigen Besitz angesiedelt . Es heißt, der Mann sei mit einer Himbafrau verheiratet, die lungenkrank sei und fortan mit ihrem Stamm in diesem Dorf leben würde. Den Wahrheitsgehalt dieser ziemlich schrägen Geschichte zu überprüfen, ist nicht möglich.

Die erste Begegnung mit Himbas haben wir  jedoch schon an einer Bushaltestelle, wo wir zwei junge  barbusige, schön geschmückte   Frauen mit  ihren Kleinkindern sehen, die offensichtlich auf jemanden warten.

„Unser Himbadorf“ scheint noch nach alter Tradition zu funktionieren. In der Mitte der Anlage befindet sich ein runder eingezäunter Kral mit Kühen, Ziegen, Rindern. Die Anzahl der Tiere ist wie überall in Afrika der Gradmesser für arm oder reich.

Um den Kral herum schmiegen sich  kleine, runde, strohgedeckte, fensterlose  Hütten, mit Tür und Rauchabzug oben. In eine der etwas größeren Hütte dürfen wir eintreten.  Eine ältere Himbafrau will uns zeigen,wie sich  Himbafrauen reinigen  und die rote Paste auf ihre Körper auftragen. Sie berichtet mit etwas verschämtem Blick (unser Guide übersetzt mit hochrotem Kopf), dass keine Himbafrau je mit Wasser in Berührung kommen darf. Die Reinigung der Körper erfolgt ausschließlich durch Bedampfen mit einem aromatischen Rauch, der durch Verbrennen von Kräutern und dem Holz eines bestimmten Baumes erzeugt wird.

Das Volk der Himbas ist polygam. Jedes junge, geschlechtsreife Mädchen  wird sofort einem Mann zugeführt.  In diesem Dorf leben sieben  Männer und über dreißig meist junge Frauen. Jeder Mann hat also ca. vier  Frauen, um die er sich kümmern muss.

Die  Frau des weißen Farmers sitzt ausgemergelt  und krank aussehend bei einer Gruppe von  älteren Frauen und zahlreichen, meist blutjungen Mädchen mit Babies.
 
Während man uns im  Dorf herumführt,  hat man am Eingang eine Auslage von  selbst hergestellten Waren auf dem staubigen Boden ausgebreitet: Ketten, Armbänder, Tücher, Amulette, teilweise recht hübsche Sachen zu Spottpreisen. Die Verkäuferinnen preisen ihre Waren an, sind aber weit davon entfernt, aufdringlich zu sein. Für mich ist es deshalb  selbstverständlich, diesen armen Frauen etwas abzukaufen.  Das weiße Armband aus beigem Horn mit schwarzen Ornamenten ist eine kleine Erinnerung an diesen Besuch in einer anderen Welt bei Menschen, die für uns Europäer so unfassbar weit von den Annehmlichkeiten der Zivilisation leben.

Anmerkung: in dem benachbarten kleinen Ort sehen wir die zwei blutjungen schmuckbehängten  Himbamädchen von der Haltestelle  mit ihren kleinen Kindern  in angeregter Unterhaltung Seite an Seite mit  zwei dicklichen weißen namibischen Männern!


Namibwüste mit Sossusvlei, Sesriem-Schlucht und Naukluft-Gebirge

Auf unserem Weg zum Nationalpark Sossusvlei passieren wir eine  sagenhafte, bizarre Landschaft, die   „moon landscape“, Hier gibt es keinen Baum, keinen Strauch. Soweit das Auge reicht, erstrecken sich blanke Felsen, öffnen sich tiefe Schluchten. Die einzige Pflanze, die hier unter extremen Bedingungen gedeiht, ist die Welwitschia mirabilis  (genannt nach ihrem österreichischen Entdecker  Friedrich Welwitsch).

Die Pflanze, die bis zu 2000 Jahre alt werden kann, ist alles andere als schön, aber einzigartig auf der Welt. Es soll sie schon vor 3 Mio. Jahren gegeben haben. Ihre Blätter, die 8 m lang werden können, liegen auf dem Boden. Es gibt jeweils eine männliche und eine weibliche Pflanze.  Die Befruchtung erfolgt durch Wind und Insekten, die den Samen zwischen den Pflanzen transportieren.

Aufgrund der Besonderheit dieser eigenartigen Landschaft und ihrer Vegetation steht der Welwitschia Nature Drive  unter Naturschutz. Um sie zu durchfahren, braucht man eine  kostenpflichtige Genehmigung.

Wir passieren  den Kuiseb-Pass und den Kuisep Canyon mit seinen gigantischen Stufen. Hier in diesem entlegenen Ort hielten sich während des 2. Weltkrieges zwei  deutschstämmige Geologen, Henno Martin und Hermann Korn auf. Sie waren hierher geflüchtet, um einer drohenden Internierung zu entgehen. Ihr  lesenswertes Buch “Wenn es Krieg gibt, gehen wir in die Wüste“  ( per Zufall  habe ich es nach meiner Reise in einem Antiquariat gefunden)  ist ein Zeugnis eines abenteuerlichen Lebens und  eine Liebeserklärung an die Wüste Namib.

Ebenfalls auf der Route  liegt  in einer großartigen, weiten  Landschaft  der  kleine Wüstenort Solitaire, der in jedem Reiseführer erwähnt ist. Die skurrile Besonderheit des Platzes ist  die Bäckerei, in der ein schwergewichtiger weißer Bäcker  opulente Kuchen mit Blaubeeren, Äpfeln und anderem Obst herstellt. Er erzählt mir, dass er immer wieder neue  Rezepte ausprobiert, mit denen er offenbar großen Erfolg hat.
 
Ich kann aber nur jedem raten,, der einmal hierher kommt,  mit diesen so hoch gepriesenen Kuchen vorsichtig zu sein. Denn  nur jemand mit einem starken Magen wird Freude an diesem Gebäck haben. Ich habe nach Genuss von nur einem Stück Obstkuchen das Gefühl, ein kleines Kalb verschlungen zu haben und bin  für Stunden unpässlich.
Andere wiederum aus der Gruppe verzehren ohne mit der Wimper zu zucken gleich zwei Stücke davon.

Solitaire ist ein nostalgischer Ort: an einer verlassenen Tanksäule liegen  mitten im Wüstensand dekorativ ins Licht gesetzt Wracks von alten amerikanischen Schlitten. Ein kleiner Laden ist Fundgrube für nützliche und unnütze Dinge. Es gibt auch eine Lodge,  die  Solitaire Country Lodge, wo man auch  übernachten kann.

Endstation an diesem  Tag ist  die  Hammerstein-Lodge.  Sie liegt  ganz versteckt und kaum auffindbar mitten in der Wüste. Als wir sie endlich aufgespürt haben, sind wir von ihrer  sehr abgeschiedenen, wundervollen Lage  mit Blick auf die lang gezogene Bergkette  des Naukluftgebirges begeistert.

Auf dem Gelände treffen wir wilde Esel ,die jeden Morgen an unserem Bungalow vorbeikommen und sich an den Blumenbeeten gütlich tun.  Unser „Zeltler“, der noch abgeschiedener auf seinem Campingplatz schläft, berichtet von einer Herde wilder Elefanten, die mit Jungen an ihm vorüber gezogen sei. Es muss ein großartiges, aber nicht ungefährliches Erlebnis gewesen sein, denn solche Begegnungen können fatal ausgehen.   Elefanten mit Nachwuchs  können besonders aggressiv sein und  Menschen in ihrer näheren Umgebung angreifen.

Von der Hammerstein Lodge  aus brechen wir auf nach  Sossusvlei, der herrlichen  roten Dünenlandschaft im Naukluftgebirge.

Wir sind sehr früh aufgestanden, um 4.30 Uhr, da wir von unserem Quartier aus noch eine relativ lange Anfahrt vor uns haben.  Der Park öffnet um 7.00 Uhr.  Trotz der frühen Stunde ist es schon fast  hell. Von Ferne hört man das fröhliche Krähen eifriger Hähne.

In unserem alten Landcruiser rumpeln wir auf staubigen Schotterpisten los. Wie immer werden wir  auf unseren Sitzen hoch - und nieder  geschleudert. Aber das kennen wir ja bereits schon von unseren ausgiebigen Fahrten durch dieses  kahle, staubige Land, in dem es unzählige Trockenflüsse zu durchqueren gilt.

Sossusvlei ist ein Trockenflussgebiet, eine der ebenmässigsten und farbigsten Dünenlandschaft Namibias. Die roten, orangefarbenen und gelben Dünen sind vom Wind geformt. Man vermutet unter ihnen  ältere, in früheren Feuchtperioden erstarrte Sandberge, die erst in den letzten 30000 Jahren mit neuem Sand belegt wurden. Ihre Kammrichtung verläuft den vorherrschenden Winden entsprechend von Süd nach Nord.  Der rote  Sand  ist Abrieb von den  Naukluft-Bergen, was wir  auf    unserer Fahrt entlang der uns lange begleitenden 1900 m hohen  rötlichen Berghänge sehr anschaulich nachvollziehen können.

Das Vlei ist das ausgetrocknete Flussbett des Tsauchab, der vermutlich vor 60 000 Jahren seine Richtung änderte und irgendwann nur noch unterirdisch verlief. Sossus heißt in der Nam-Sprache „blinder Fluss“.
Wo scheinbar aus dem Nichts Kameldornbäume aus dem Sand in den blauen Himmel ragen, ist sein heutiger Verlauf.

Sossusvlei ist einer der beliebtesten Parks in Namibia, und deshalb sind wir nicht verwundert, dass bereits viele große Autos und Busse vor dem Parktor warten. Alle Besucher werden von einer Uniformierten genau registriert. Das Gleiche gilt beim Herausfahren aus dem Park. Auf diese Weise hat man eine Kontrolle über alle Besucher, was zu deren Sicherheit beiträgt.

Es herrschen mittlerweile Temperaturen von fast 30 Grad C., und wer jetzt nicht für Trinkwasser gesorgt hat, hat ein Problem. Vor dem eigentlichen Eingang, der 2. Pforte des Parks, müssen alle Besucher, die kein wüstentaugliches Fahrzeug haben, in geeignete Fahrzeuge  umsteigen. Das merkwürdigste,  das wir sahen, war ein großer Traktor, der  als Zugmaschine vor eine Safarikutsche gespannt war.

Unser Toyata-Cruiser hat einen 4-Radantrieb und darf weiterfahren.  Die Piste besteht jetzt nur noch aus feinem Dünensand, in dem die Reifen nicht mehr richtig greifen können. Wir fangen an stark zu schlingern. Auf einmal stecken wir endgültig fest. Unser Fahrer startet immer wieder das Auto neu. Die Räder drehen jedoch nur noch mehr  durch, und graben sich immer tiefer in den Sand hinein.
In Gedanken sehe ich uns alle  schon in der unbarmherzigen Hitze der Wüste verdursten. Wir müssen alle aussteigen. Trotz der prekären Situation  ergreife ich sofort die Gelegenheit, ein paar Meter weiter auf eine  der hohen Dünen zu klettern.  Von dort aus habe ich einen herrlichen Ausblick auf die rosarote Märchenlandschaft.

Nach kurzer Zeit aber naht schon Rettung,   in Form von zwei Geländewagen, denen zwei über alle Ohren grinsende Ranger   entsteigen. Offensichtlich  amüsieren sie  sich köstlich  über die Unfähigkeit unserer jungen Fahrers,  uns problemlos  durch die  Wüste zu chauffieren.  Fachmännisch stellen sie sofort fest,  dass  unsere Reifen  viel zu viel  Luft haben. Sofort machen sie sich ans Werk und lassen die überschüssige Luft ab. Nach einigem Geschiebe und lebhaftem Palaver können wir endlich unsere Fahrt  fortsetzen.

Die Nachricht: Sieben  deutsche Touristen mitsamt Fahrer elendiglich in der Namibwüste verdurstet.“
braucht Gott sei Dank nicht gemeldet zu werden.

Je weiter wir in Sossusvlei vordringen, um so großartiger wird diese seltsame Gegend. So weit das Auge reicht, erstrecken sich  rostrote und rosa Dünen. Man kann es kaum fassen, welch eine wundervolle  Landschaft durch Wind und Erosion über Jahrtausende hinweg  geschaffen wurde.

Mit festen Schuhen, Sonnenbrillen und Hüten starten wir unsere Wanderung  hoch hinauf auf eine der großen Dünen, die Big Mama. Big Papa, ebenso groß und schön geformt, liegt neben ihr.

Auf einem schmalen Grat stapfen wir  bei glühender Hitze bergauf. Ab und zu schaue ich nach unten. Wir sind jetzt ungefähr 20 Meter über dem Boden. Plötzlich habe ich das Gefühl, von einer ungeheuren Kraft nach unten gezogen zu werden und bekomme Todesangst. Ich breche deshalb den Aufstieg ab und steige vorsichtig  gegen den Strom der Hochkommenden  ab.
 
Am Fuß der Düne spaziere ich in die Landschaft hinein. Dabei achte ich auf Skorpione und Schlangen, die hier auf ihre Opfer lauern.

Zu meinen Füßen sehe ich unzählig schön geformte schwarze Steine. Ich vermute, dass sie vulkanischen Ursprungs sind  und im Lauf der Zeit, als alles hier noch unter dem Meer lag, von der unendlichen Bewegung des Wassers geformt und geschliffen wurden. Diese Zeugen einer so langen und wilden Geschichte sind so schön, dass ich einige besonders attraktive Exemplare einsammle.

Ca. 200 m von mir entfernt grast friedlich ein einsamer Gamsbock.  Ich fotografiere ihn, wobei ich ihn mit meinem Zoom so nah wie möglich an mein  Auge heranhole.

Alle Leute unserer Gruppe sind inzwischen wieder mit hochroten Köpfen unten angekommen. Sie berichten begeistert von grandiosen Ausblicken auf das gesamte Dünenpanorama. Manche würden am liebsten noch einmal hochkraxeln. Die Sonne steht inzwischen fast im Zenit, und die Hitze ist mörderisch.

Im Schatten eines Baumes hat unser Guide und Koch Indongo ein Picknick vorbereitet. In einem großen Topf hat er Rührei von mindestens 20 Eiern gebrutzelt. Gerade als wir anfangen wollen  zu essen,   werden wir von  einem Schwarm wilder Bienen attackiert. Hals über Kopf raffen wir alles zusammen und und bringen uns in Sicherheit.  An einem etwas weiter entfernten, schattigen Platz können wir dann endlich unseren Hunger stillen.

Unsere letzte Station   ist die Sesriem-Schlucht. In einem etwas unscheinbaren Gelände sehen wir schon von weitem den gewaltigen Aufriss der Landschaft, den Sesriem-Canyon (Sechs Riemen brauchten die Siedler, um das Wasser vom Grunde des Canyons hochzuholen).

 Direkt an der Kante der Schlucht stehend erkennen  wir ihre Größe und Weitläufigkeit. Auch hier waren es Wind und Erosion und sonstige vor Urzeiten tätigen Kräfte, die in dem Konglomeratgestein diese tiefe, Kluften mit Windungen und  ausgewaschenen Höhlungen geschaffen haben. In  der Regenzeit kann man zwischen den 50 m hohen Felsen umher schwimmen.

Es ist inzwischen so heiß, dass ein Abstieg in die Tiefe der Schlucht sich von selbst verbietet.  So verlassen wir diese bizarre Landschaft und donnern mit unserem Landcruiser zurück in unsere schöne Lodge.


Namibia – Land der Slums und Diamanten

Die Armut zeigt sich in den townships. In Windhoek, einer  lebhaften und wohlhabenden Stadt, ist es Katutura, ein riesengroßer, heißer, staubiger Slum, in dem die Menschen teilweise in armseligen Blechhütten ihr Dasein fristen.

Katutura heißt: „Wo wir nicht leben wollen“.

Wir fahren langsam durch dieses Armutsviertel , und ich persönlich habe  ein etwas unbehagliches Gefühl, als neugieriger Tourist von einem teuren Landrover aus direkt in das Elend dieser Menschen zu blicken. Viele der Township-Bewohner winken  uns  jedoch freundlich zu, und so winken wir ebenso freundlich zurück.Was hätten wir sonst tun sollen?

Namibia ist jedoch reich, nur kommt von diesem Reichtum nichts bei den einfachen Menschen an.  Im Süden des Landes bei  Lüderitz, einer  nach dem deutschen Kaufmann Adolf  Lüderitz benannten kleinen 25 000 Einwohnerstadt, wurde beim Eisenbahnbau 1908  der erste Diamant gefunden. Daraufhin brach ein unbeschreiblicher Boom aus. Heute ist der Diamanthandel industrialisiert und in festen ausländischen Händen.

Das Land um Oranjemund und Keetmanshop ist Sperrgebiet. 90% der Schmuckdiamanten stammen aus dieser Region.  Neben Diamanten findet man hier  Uran und seltene Erden. Der Handel auch dieser Güter ist in fremden Händen, so dass die namibische Bevölkerung nichts davon hat. Hinzu kommen noch Korruption und Vetternwirtschaft wie in allen reichen Ländern auf der Erde.


Namibia in meiner Erinnerung


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Namibia, dieses große, leere Land mit endlosen, eingezäunten Farmen, ist voll von aufregenden, sehenswerten  Orten und Plätzen. Alles zusammen, die freundlichen Menschen, ob schwarz oder weiß, die wunderschönen Nationalparks wie Etosha, diese riesige Arche Noah, die einer  überwältigenden Tierwelt eine Heimat gibt, die unendlichen Weiten der Namib mit Sossusvlei, dem  Sesriem-Canyon, die rosa leuchtenden  Bergketten des Naukluft-Gebirges mit  Schluchten, Mondlandschaften,  all das  war für mich eine unvergessliche Erfahrung, die  mich tief berührt hat.

Gerne würde ich noch einmal hierher zurückkommen, um noch mehr von dem Land kennenzulernen und vielleicht noch weitere schöne Gegenden zu sehen.




Texte und Fotos Copyright  Gisela Bradshaw
im Dezember 2012