Moderne Autorinnen
Die Zeit
von Eva Maria Heymanns
Hier ist mein Kleid.
Mein Kleid der Vergangenheit.
Es ist mir zu eng.
Ich liebe es weit
Es ist mir zu dunkel.
Ich liebe es hell.
Gib acht auf die Zeit.
Sie verfliegt so schnell.
Du lebst im Gestern.
Du lebst im Morgen.
Das Heute bleibt dir verborgen.
Gib acht auf die Zeit.
Friede
von Eva Maria Heymanns
Himmel jauchzen
Sterne stürzen in mich ein
Kannst das Glück dir nicht erkaufen
Es muss in dir selber sein
Spür die Urgewalt des Himmels
Frieden zieht in meine Seele ein
Wenn
von Suzana Djuric
Wenn ich noch tausend Jahre leben könnte...
würde ich es tun?
Könnte ich Dich sterben lassen?
Herumziehen würde ich
wie ein Komet in unbekannter Bahn.
Ich würde sehen und gesehen werden,
würde lernen und lehren.
Doch wie hoch der Preis wäre:
niemand würde ich mehr sehen,
nie könnte ich berührt werden,
nie Dich berühren.
Wenn ich noch tausend Jahre leben könnte...
Ich würde sterben...
Wenn ich die Zeit zurückdrehen könnte...
Würde ich es tun?
Würde ich Dich zurückholen,
um wieder der Einsamkeit zu entfliehn...?
Würde ich Dich festhalten,
nur um dich einmal richtig zu spürn?
Würde ich Dich umklammern und schrein':
"Lass' mich nicht allein!"
Nein!
Könnte die Zeit zurück ich drehn',
ich liesse Dich wieder wortlos gehen....
Anmerkung zu diesem Gedicht:
Im Jahr 2001, als ich noch in anderen
Poesieforen wie "Die Leselupe" und dem "Poesie-Channel" (letzterer
existiert heute nicht mehr)
unterwegs war, fand ich dieses
Gedicht "Wenn" von Suzana Djuric. Ich korrespondierte mir ihr und bat
sie um Erlaubnis, ihr schönes
Gedicht in meiner damaligen homepage zu bringen.
Sie war damit einverstanden, was sie mir per email mitteilte.
Ich habe sie leider aus den Augen verloren, im Internet nach ihr gesucht, aber leider nicht gefunden. Es gibt viele Frauen ihren
Namens im Netz, so dass ich letztendlich meine Suche aufgab. Ihr Gedicht aber habe ich in meinen Unterlagen
wiedergefunden,
und weil mich es noch immer beeindruckt, in meiner aktuellen homepage veröffentlicht.
Einst werde ich....
von Johanna (1942 - 2002)
Einst werde ich
das Ende des Regenbogens ereichen. Dann werden
meine Wünsche klein und meine unerfüllte Sehnsucht
wird mir unverständlich sein.
Einst werde ich
den Wind festhalten und mit ihm reden. Und er wird
mir seine Geschichte erzählen.
Einst werde ich
- ein Tropfen im Meer - mich selbst vergessen können,
und wer schon erinnert sich
an einen Tropfen im Meer.
Einst werde ich
Dinge, die schmerzen, nicht mehr sehen,
und sehe ich sie,
werden sie nicht mehr schmerzen.
Anmerkung zu diesem Gedicht:
Es stammt aus dem Jahr 2007. Eines Tages sah ich der Zeitung diese Zeilen, im Zusammenhang mit der Todesanzeige von Johanna,
einer Frau, der ich nie vorher
begegnet bin. Leider. Auch sie schrieb wie ich Gedichte. Vielleicht
wären wir sogar Freundinnen geworden.
Jetzt habe ich dieses Gedicht, das
ich meinen Unterlagen wiedergefunden habe und sehr bewegend
finde, in meiner aktuellen homepage
aufgenommen. Vielleicht hätte Johanna sich darüber gefreut.
Die obigen Gedichte anderer Autoren wurden ins Netz gestellt von: Gisela Bradshaw (www.lyrik-am-fluss.de)
Idar, im Juli 2014/update August 2021