Drakensberge und Krüger National Park 2012
Nach meiner wunderschönen Safari durch Namibia und meinem Besuch des
Etosha Nationalparks, Sossusvlei und anderen sehenswürdigen Plätzen,
habe ich Gelegenheit, den weltberühmten Krüger National Park sowie die
herrlichen Landschaften auf dem Weg zu ihm kennenzulernen.
Unsere Route:
Pretoria (bei Johannesburg) – Nelspruit – Graskop – Hoedspruit –
Pilgrims Rest - Blyde River - Canyon - Krüger Park – Rückreise über
Phalaborwa – Tzaneen – Haenerburg – Polokwane – Pretoria
Meine in Pretoria lebende Tochter hat unseren gemeinsamen Ausflug
organisiert, d.h. unsere Quartiere im voraus gebucht. Der erste Stopp
ist in Graskop, einer ehemaligen Minensiedlung aus den 1880 Jahren.
Unser Bed and Breakfast-Guesthouse heißt „Autumn Breeze“. Drei Nächte
haben wir gebucht und von hier aus wollten wir die
umliegenden
Sehenswürdigen anfahren.
Das Haus entpuppt sich jedoch als Bruchbude: die Decke im
Badezimmer ist kurz vor dem Herunterfallen, auch die unseres
geräumigen Zimmers weist obskure schwarze Flecken auf. Als Zudecke
dienen alte, kratzende Überwürfe, die sich als Pferdedecken
eignen würden. Außerdem liegt „Autumn Breeze“ direkt an einer
stark befahrenen Straße, so dass auch der vorhandene Balkon wegen
des Autolärms und der Abgase nicht nutzbar ist. Kurzum: diese Bleibe
ist eine Katastrophe und der schöne Name ein Witz. Im Internet, wo
wir diesen Platz gefunden haben, sind alle Bilder geschönt und
stellen einen heimeligen, angenehmen Ort dar, eben das, was man sich
unter „Autumn Breeze“ vorstellt. Deshalb fackeln wir nicht lange
und reisen am nächsten Tag unter einem Vorwand wie von
einer schweren Last befreit weiter. Irgendwo werden wir schon
unterkommen.
Auf unserem Weg weiter in Richtung Park kommen wir an dem kleinen Ort „Pilgrims Rest“
vorbei, den wir uns anschauen wollen. Unsere Straße führt uns schmal
und kurvig durch ehemaliges Goldrauschgebiet. Im Jahr 1873 war es
William Trafford, der das erste Gold fand. Der kleine Ort entwickelte
sich rasant. Ein Jahr später lebten hier 1500 Goldgräber. Es entstanden
Bars, Geschäfte, Bäckereien und natürlich auch Banken.
Doch diese turbulente Zeit ist heutzutage Geschichte. Übrig geblieben
sind einige markante Gebäude, u.a. das Royal Hotel, mit einer alten
Bar, die aus einer römisch-katholischen Kirche in Maputo stammt.
Wir fahren weiter über eindrucksvolle Bergpässe, die uns atemberaubende Blicke
über die Drakensberge schenken, in Richtung Hoedspruit, wo
wir erst einmal unseren Hunger in einer lauschigen Pizzeria stillen. Dann
telefonieren wir ein bißchen herum und werden fündig.
Die nächsten zwei Nächte verbringen wir in einer wunderschönen Lodge, der Blyde River Canyon Lodge, in der auch einige wilde Tiere, Zebras und Gamsböcke ihr Zuhause haben.
Unserer Lodge liegt malerisch direkt unter einem Massiv der Drakensberge.
Auf unseren Streifzügen durch das Gelände herunter zum Blyde River
begegnet uns die 7-köpfige Zebraherde, die wir schon an unserem Ankunftstag gesehen haben. Die Tiere grasen friedlich und
lassen sich von unserer Gegenwart nicht stören.
Am Spätnachmittag
sitzen wir in bequemen dick gepolsterten Sesseln am Pool
und genießen den Sonnenuntergang bei einem kühlen Drink.
Zu
dieser Stunde treffen auch "unsere" Zebras ein und geben uns
Gelegenheit, sie von allen Seiten zu fotografieren und ihr
Verhalten zu studieren. Manchmal stehen sie stundenlang, ohne
sich zu regen. Nur auf das schmatzende Geräusch des schwarzen
Wildhüters hin setzen sie sich sofort in Bewegung und steuern wie immer hungrig den
Futterplatz hinter dem Haus an.
Später im KrügerPark werden wir noch Hunderte von ihnen sehen und
unsere Freude an ihnen haben. Zebras bilden übrigens mit Gnus, in
Namibia werden diese Tiere wilde beast genannt, (Gnus sehen wirklich ziemlich wild aus) eine
Gemeinschaft. So sieht man sie beim Grasen häufig zusammen
stehen. Der Grund ist, dass Zebras sehr gute Augen und Gnus ein
ausgeprägtes Gehör haben. Die Kombination dieser beiden Eigenschaften
ist für das Überleben der Tiere in der Savanne
lebenswichtig. Auch andere wilde Tiere bilden solche
Gemeinschaften.
Von hier aus starten wir unsere Erkundungsfahrten: wir fahren auf gut
ausgebauten Straßen den Blyde River entlang und genießen phantastische
Ausblicke bei dem „Pinnacle“, einer 30 m hohen verwitterten
Quarzitsäule, bei den Bourke's Luck Potholes , wo die beiden
Flüsse Treuer und Blyde zusammenfließen und die erosiven Kräfte des
Wassers, des Sandes und der Kiesel faszinierende Löcher in den
gelben Dolomitgestein gefräst haben, am God's Window, wo die Klippen
700 Meter senkrecht abstürzen, und man einen wahrhaft göttlichen
Ausblick auf das tief liegende Lowveld (und den Krüger Park und
Mosambik) hat. Von den Three Rondavels, Felsformationen in Form
afrikanischer Rundhütten, blicken wir auf die Drakensberge
und das blaue Band des unter uns fließenden Blyde
Rivers.
Wir buchen eine Bootstour auf dem Blyde River und können so von
unten die ganze Pracht der Bergwelt mit ihren Wasserfällen,
Felsformationen und Höhlen, in denen Leoparden ihre Beute
verstecken, genießen. Im Wasser des so friedlich wirkenden
Blyde Rivers entdecken wir Flusspferde und Krokodile.
Nach zwei Tagen in diesem kleinen Paradies fahren wir weiter in Richtung Krüger National Park.
Nachfolgende englische Textpassage habe ich der Schrift „Prime Kruger –
the Prime Origins Guide to the Kruger National Park by Brett Hilton and
Professor Lee R. Berger“ entnommen, einer kleinen,
aber feinen im Park erhältlichen Broschüre über den Krüger
National Park und seiner Bedeutung.
"The Kruger National Park is one of
Africa's premier game reserve, consisting of almost 20 000 square
kilometers of woodland savanna, an area bigger than Wales or Israel,
and almost the size of Massachusetts. It lies in the South
African lowveld between the towering escarpment of the northern
Drakensberge and the Mozambique coastal plains. Spanning a variety of
savanna habitats, ranging form high-rainfall wooded mountains to
semi-arid grassland plains, Kruger has within its borders an abundance
of wild life and a rich, but largely unexplored, natural heritage."
Geschichte des Krüger National Parks
Hand aufs Herz: wie viel weiß man eigentlich über die Entstehung des
Krüger Parks? Ich glaube recht wenig. Auch ich habe mich anhand
der o.a. Broschüre ein bisschen schlauer gemacht.
Das Sabie Game Reserve, ein 4600 Kilometer großes Gebiet zwischen Sabi
und Crocodile River war der Vorläufer des Krüger Parks, das 1898 von
dem damaligen President der Transvaal Boer Republic, Paul Kruger, zum
Reservat erklärt wurde. Es war eine Reaktion auf die desaströse
Lage in diesem Gebiet, in dem exzessive Jagd, Wilderei und die im
Jahr 1896 ausbrechende Rinderpest den Wildbestand auf dramatische Weise
reduziert hatten: Manche Tierarten wurden fast
ganz ausgerottet. Trotz des heftigen Widerstands privater
Landbesitzer und Jäger gründete er ein zweites Reservat, das Shinwedzi
Reserve, das sich zwischen dem Shingwedzi- und dem Limpopo-
River erstreckte. Diese beiden Reservate sind das Herzstück des
heutigen Krüger National Parks.
Erst nach Ende des Burenkrieges konnten diese Reservate
effektiv kontrolliert werden. Zu diesem Zeitpunkt kam James
Stevenson-Hamilton ins Spiel. Mit Hilfe einer kleinen Gruppe von
Rangern setzte er das Recht der Tiere durch und machte sich damit
manchen Feind. Man nannte ihn „Skukuza“ ( The who turns
everything upside down). Ein Parkcamp ist nach seinem Spitznamen
benannt, das Skukuza-Camp.
Trotz großer Widerstände ordnete Hamilton die Umsiedlung von Menschen
an, die schon Hunderte von Jahren in dieser Region gewohnt
hatten. Er kämpfte nicht nur gegen Jäger, Wilderer, sondern auch
gegen Schafzüchter und Minenbesitzer, die claims auf dortige Gebiete
hatten.
Seine Vision eines Nationalparks, der durch Tourismus getragen werden
sollte, konnte erst 1926 Wirklichkeit werden, als die
Reservate Shingwedzi und Sabie zusammen gelegt und 70 private
Farmen von der Regierung dazu gekauft wurden. Alle Gebiete zusammen
formen den heutigen Krüger National Park.
Der Park wurde 1927 eröffnet. Im ersten Jahr kamen nur sehr wenige
Besucher, was sich aber innerhalb eines Jahrzehnts rasch änderte. Im
Jahr 2002 überschritt die Besucherzahl bereits die Ein- Mio. Grenze.
Heutzutage ist der Krüger Nationalpark ein Besuchermagnet, und man muss die Camps,
die alle staatlich geführt sind, schon lange im voraus buchen.
Am Orpen Gate fahren wir in den Park hinein. Das erste
Tier, das uns begegnet, ist ein kleines Warzenschwein, das vergnügt
auf der Fahrbahn entlang schlendert. Es ist auch das einzige
dieser Art, das wir von so nahe sehen. Die männlichen Tiere
können bis zu 150 kg wiegen und sind ca. 80 cm hoch. Im Park soll es
ca. 3 800 Stück davon geben.
Auf dem weiteren Weg zu unserer Unterkunft, dem Olifant Camp, begegnen
uns unglaublich viele Tiere: Springböcke, Kudus, Zebras,
Strauße und zu unserer Freude eine Menge Elefanten, die
teilweise in Familien unsere Straße kreuzen. Wir wissen, dass man
zu diesen Riesentieren Abstand halten muss und verhalten uns
entsprechend. Später, in einem anderen Camp, lesen wir an einer
Nachrichtentafel Berichte über verschiedene fatale Begegnungen
zwischen Mensch und Elefant. Es kam vor, dass sich Elefanten fühlten durch zu
dicht heranfahrende Autos in die Enge getrieben fühlten und deshalb angriffen an.
Dabei kamen glücklicherweise keine Menschen zu Schaden, nur die Autos
wurden teilweise durch die Wucht der Tiere buchstäblich zusammengefaltet.
An der Brücke zum Olifant-River machen wir halt und blicken über
die herrliche Flusslandschaft, die ein Paradies für so viele Tiere ist.
In der Ferne steht mitten im Fluss ein riesiger Elefant und trinkt.
Das Olifant-Camp liegt wie eine Festung sehr
eindrucksvoll hoch über dem Olifant River. Unsere kleine
Rundhütte ist spartanisch einfach, aber sauber. Nach unserer
eleganten Unterkunft in der Blyde River Lodge ist sie allerdings
gewöhnungsbedürftig. Wir passen uns aber schnell an die neue Umgebung
an. Nur an den widerwärtigen Gestank, der vom Kot unzähliger, in
den hohen strohgedeckten Giebeldächern der Anlage nistender Fledermäuse
herrührt, können wir uns kaum gewöhnen.
Von der Terrasse aus haben wir einen überwältigenden Blick auf die
Flusslandschaft, zu der ganze Heerscharen von Tieren gemächlich herunterkommen, um ausgiebig zu trinken.
An den folgenden Tagen fahren wir mit unserem Geländewagen kreuz und
quer durch den großen Park, meist nur auf Schotterpisten. Auf
diesen abseitigen Wegen versprechen wir uns mehr Chancen, viele Tiere,
besonders die ganz großen, zu sehen. Wir werden reich
belohnt: Elefanten, einzeln und manchmal ganze Familien
mit kleinen Kälbern gut geschützt im Schlepptau tauchen aus
dem Busch auf und kreuzen unseren Weg.
Afrikanische Elefanten werden bis zu 4 m hoch und wiegen zwischen drei
und vier Tonnen. Allein ihr Herz wiegt 25 kg. Ihr Lebensalter beträgt
ca. 60 Jahre. Sie trinken bis zu 200 l am Tag und fressen 250 kg
Grünzeug, meistens Blätter. Im Krüger Park gibt es ungefähr 12
500 Elefanten, was unter Experten für manche Diskussion sorgt.
Die einen sagen, es sind zu viele, die zu viele Bäume ruinieren, die
anderen sagen, der Elefantendung sei nützlich für die Vegetation.
Wir sehen Zebras in riesigen Herden, Springböcke, Kudus, Gnus, Strauße,
Giraffen, schlafende Löwen und, kaum sichtbar im Dickicht, einen
Leoparden. An einer Wasserstelle zeigen sich Nashörner, im Fluss große
Gruppen von Hippos und Krokodilen. Auch die Vogelwelt ist mit vielen
bunten Spezies zahlreich vertreten. Ungefähr 520 verschiedene
Vogelarten machen den Park zu einem Eldorado für Vogelbeobachter.
Im Krüger National Park ist es unter Strafe verboten, aus dem
Auto auszusteigen. Es gibt einige Ausnahmen, die durch
entsprechende Schilder angezeigt werden.
An einem frühen Morgen sehen wir im Park drei schwarze,
uniformierte Männer, die schwer bewaffnet am Rande des Olifant-Rivers
entlang laufen. Wir finden schnell heraus, dass sie zu einer
Gruppe von Parkrangern gehören, die die Gegend nach "poachern"
(Wilddieben) absuchen. Am Wegesrand ist ihr großer, weißer Landrover
geparkt, er trägt die Aufschrift: „Rhino Rescue Project“.
Zu diesem Thema passend finde ich in einer Zeitung einen
Artikel „Krieg der Wilderer gefährdet ganze Staaten“.
„In Afrika tobt, bisher vor der
Weltöffentlichkeit weitgehend verborgen, ein kriegerischer Konflikt
rund um die Wilderei.....“ stellt der WWF (World Wide Fund for Nature)
fest.
Besonders Nashörner und Elefanten werden gejagt, und dies nur wegen
ihrer Stoßzähne und Hörner. Die Jagd auf diese begehrten Tiere
ist inzwischen hoch organisiert. Schwer bewaffnete Banden fallen
in den Reservaten ein, holen sich die Hörner und Stoßzähne und
schlachten die Tiere anschließend brutal ab. In China und
Südostasien wird das daraus hergestellte Pulver als Heilmittel
gegen Impotenz und neuerdings auch gegen Krebs angesehen und zu
horrenden Preisen verkauft. Solange dieser Irrglauben weiter existiert,
sind diese Tiere gefährdet und auch die Menschen, die sie
schützen. Im ersten Halbjahr 2012 wurden 19 Ranger bei der
Ausübung ihrer Kontrollfunktion in den Parks getötet.
Lt. Bericht des WWF fielen seit Anfang 2012 mehr als
10 000
Elefanten diesen Raubbrigaden zum Opfer.
Grund für das Anwachsen der Wilderei, besonders in Kamerun, Kongo und
der Zentralafrikanischen Republik, ist die Massenarbeitslosigkeit
auf dem afrikanischen Kontinent, so dass die Politik der jeweiligen
Länder andere Prioritäten setzen und die Wilderei für sie
nur ein Nebenthema ist."
Sunset-Pirschfahrt
Wir haben die Wahl zwischen einer (heißen) Tagesfahrt , einer
Sunsetfahrt am Nachmittag und einer späten Nachtfahrt.
Zu unserer Sunsetfahrt finden wir uns um 16.30 Uhr am Treffpunkt
ein und besteigen einen hohen, offenen Safariwagen. Von einer
Gruppe breitestes Bayrisch sprechender älterer Herrschaften werden wir
freundlich begrüßt.
Ihre teure Kleidung mit Aufklebern u.a. aus Indien, dass sie
weitgereist sind und schon große Erfahrung mit Safaris haben. Unser
Guide ist ein junger Schwarzer mit klaffender Zahnlücke und einem kaum
verständlichen Englisch.
Unsere Route führt uns kreuz und quer durch den Park, auch auf Wegen,
die für normale Besucher in eigenen Fahrzeugen gesperrt sind. Wir
sehen Springböcke in Scharen (Kommentar der Bayern: Appetithappen für
Löwen und Hyänen), Herden von Zebras, Kudus, einige Elefanten in weiter
Entfernung, viele bunte, exotische Vögel, die meine Tochter sofort in
ihrer Vogelliste vermerkt. Sie hat ein gutes Fernglas dabei, was sich
als sehr nützlich erweist.
Inzwischen ist es fast 18.00 Uhr und die Sonne am westlichen Horizont
beinahe untergetaucht. Ihr feuerroter Ball hüllt die Savanne in
ein letztes warmes Licht.
Unser Guide lenkt unser Gefährt in einen Weg, der eigentlich
wegen einer beschädigten Brücke gesperrt ist. Die Nacht ist inzwischen
hereingebrochen, und an beiden Seiten unseres Wagens sind als
zusätzliches Licht zwei schwenkbare, starke Scheinwerfer montiert.
Ihr gleißendes Licht ergießt sich tief hinein in den Busch, aus
dem die glühenden Augen nachtaktiver Tiere aufleuchten und
wieder erlöschen.
Plötzlich ein Ruf: „Hyänen“! Es ist eine ganze Familie, die wir
aufgestöbert haben. Durch unser Auftauchen sind die Tiere
offensichtlich voneinander getrennt worden. Das klägliche Schreien
eines Hyänenbabies auf wackligen Beinchen ertönt. Seine Mutter befindet
sich auf der anderen Seite und läuft aufgeregt hin und her. In seiner
Not verkriecht sich das Kleine unter dem Fahrgestell des uns folgenden
zweiten Safariwagens. Es dauert eine Weile, bis die Familie wieder
zusammengefunden hat und im Dunkel der Nacht verschwunden ist.
Langsam nähern wir uns einer zerstörten Brücke, die wir kaum in der
Dunkelheit ausmachen können. Jetzt wird er doch umkehren,
denke ich und kann es kaum fassen, dass der Fahrer einfach weiterfährt.
Er hält auf einen schmalen, auf beiden Seiten unbefestigten Damm
zu, der offenbar als neue Brücke ausgebaut werden soll. Rechts und
links gurgelt das Wasser des Flusses, in dem Krokodile und Hippos auf
Beute warten. Ich höre den dumpf hallenden Ruf der Flusspferde,
sehe die Köpfe von riesigen Krokodilen, die tief im Wasser
verborgen sind.
Wir sind alle wie gelähmt, und auch die munteren Kommentare der
Bayern sind verstummt. Ich drehe mich um und sehe, dass uns das
zweite Safariauto auf den Fersen ist. Jetzt wird mir klar, dass
diese gewagte Flussüberquerung Programm ist.
Wir sind gut über den Fluss gekommen. Bei der Vorstellung, was uns
alles hätte passieren können, läuft es mir noch immer kalt über den
Rücken. Aber: es war ein unvergessliches Abenteuer, wie man es selten
erlebt.
Unsere Zeit im Krüger National Park ist fast zu Ende. Wir verlassen ihn
beim Gate Phaloborwa und fahren auf Route Nr. 1 über Tzaneen (das in
einer wunderschönen, fast tropisch anmutenden Landschaft liegt) über
Polokwane nach Pretoria zurück.
Epilog
„The rythm of life and death
Kruger is a landscape in which life
and death are woven into the fabric of everyday experience. It is an
environment beyond sentiment. Birth, growth and death are part of the
same natural cycle. To experience the thrill of a kill is to access the
core emotions of our African origins, to feel the horror and the power
of circumstances beyond us. To come across death in the veld is a
visceral reminder of our own mortility and a chance to marvel at the
elegance with which death ensures that life is dispersed back into the
environment. The bush is a reminder of our animal instincts of
survival, competition and collaboration, which are often disguised by
what we call civilisation but are an integral part of our African
heritage.“
Zitiert aus der Broschüre „Prime Kruger – the Prime Origins Guide
to the Kruger National Park by Brett Hilton and Professor Lee R.
Berger“
Idar, 16.12.2012 /
Copyright2012 Gisela Bradshaw