Kreta

  
    Reiseimpressionen Kreta 1998
     

    19. April 1998
    Wir, d.h. G. und ich,  sind gestern nachmittag angekommen. Unsere Hotelanlage ist sehr schön, der Blick auf das Idi-Gebirge ist wunderbar.
    Schneebedeckt und geheimnisvoll liegt der Berg unberührt vor uns in der hellen Sonne. Das Meer ist weit und herrlich. Das Rauschen der
    Wellen ist unsere Geräuschkulisse.

    Heute ist griechische Ostern. Wir wollen nach Rethymnon. Übrigens: wieder einmal habe ich festgestellt, daß diese Pauschalreisen
    nicht meine Sache ist. Das Publikum ist unter aller Kritik. «Der häßliche Deutsche grinst mich an...«

    20. April 1998
    Wir sind nach Rethymnon gelaufen, 8 km eine lange Straße entlang. Der Wind war sehr stark. Kurz vor dem Ort kehren wir ein
    und essen hervorragend gut. Rethymnon ist ein wunderhübscher Ort, nur heute war es einfach zu kalt.

    Heute ist unser  4. Tag auf Kreta:
    wir haben einen langen Spaziergang durch die Olivenhaine gemacht. Alles blühte und war heiter. Die Sonne brannte heiß vom tiefblauen
    Himmel. Ein Tag wie aus dem Märchen.

    Wir kamen an eine tiefe, schroffe Schlucht, eine Gorge. In der Tiefe unten sahen wir ein türkisgrünes Band, einen kleinen Bach,
    der schimmernd in der Sonne vor sich hin plätscherte. Herrlich!

    Auf dem Rückweg weiter durch die Olivenhaine mit teilweise uralten, knorrigen Stämmen rasteten wir im Schatten, tranken und aßen etwas.
    Plötzlich spürte ich, daß etwas hinter mir war. Ich drehte mich um und sah einen großen, hellen Schäferhund, der mich vorsichtig
    beschnupperte. Ein weiterer Hund der gleichen Sorte tauchte aus dem Schatten auf und hinter ihm ein Schäfer wie aus dem Bilderbuch:    
    groß, kräftig, gebräunter Teint, dicker, weißer, sorgfältig gestutzter Bart. Sicher war er ein ganz einfacher Mann, aber das tut seiner ernsten
    Würde keinen Abbruch, ganz im Gegenteil. Er erinnerte mich an eine biblische Gestalt, einen der drei Heiligen, die auf dem Weg nach
    Bethlehelm waren.
    Sehr freundlich sagte er: «Calimera – guten Tag« – und stapfte gemächlich mit seinem hölzernen Stock von dannen. Die beiden Hunde
    bellten irgendwo zwischen den Olivenbäumen, Schafe blökten. Die Schönheit und Ruhe dieses Haines, die sommerliche Luft, die erfüllt
    war vom Zirpen der Zikaden, der Duft des wilden Thymians und die Erscheinung dieses würdevollen Mannes ließen diesen Augenblick
    magisch werden.



    5. Tag auf Kreta:
    Wir fahren mit dem Überlandbus nach Chania. Die Landschaft, die an uns vorüber gleitet ist atemberaubend schön: besonders das kleine
    Dorf Vrissen ist wildromantisch (ganz in der Nähe muß die berühmte Samaria-Schlucht liegen, durch die ich vor ein paar Jahren mal mit S.
     gewandert bin). Neben mir sitzt eine Kreterin, die sich beim Anblick einer jeden Kirche bekreuzigt. Offensichtlich sind die Menschen hier
    sehr gläubig. Schön, daß es das auch noch gibt in der heutigen Zeit.
    Entspannt bummeln wir durch Chania. Mit dem Geldausgeben halten wir uns bewußt zurück, obwohl manches Stück uns sehr begehrenswert
    vorkommt. Wir essen in einem pittoresken kleinen Lokal direkt an der Uferpromenade und haben einen wunderbaren Blick auf die Moschee
    und den Leuchtturm.
  

b98
Unsere Hotelanlage


    Ein weiterer Ausflug bringt uns nach Arkadi, dem Nationaldenkmal der Kreter. Hier hatten sich im Jahre 1866 eine große Gruppe von
    Männern,
Frauen und Kindern vor der Ansturm der Türken in die Luft gesprengt. Sie wollten lieber sterben als von den Türken versklavt
    zu werden. Das
Kloster muß einstmals sehr schön gewesen sein, ist aber heutzutage in einem sehr schlechten Zustand.
    Die Anlage ist sehr hüsch  gelegen, auf einer Anhöhe mit einemweiten Blick auf das Meer. In einem kleinen, lauschigen  Pinienhain rasteten
    wir eine Zeitlang und genossen die würzige Waldluft.



    Am gleichen Abend fand dann der griechische Abend statt, zu dem man uns eingeladen hatte. Kurz nach 21.00 h legten sie los:
    die griechische Tanzgruppe bestehend aus zwei jungen bildhübschen, großen Burschen und einem schlanken, schönen Mädchen in ihrer
    kretischen Tracht. Die Bouzoukia spielte ein ca. 50 jähriger, 1.50 m kleiner Mann, der genauso verschmitzt aussah wie Danny de Vito.

    Wir hatten alles erwartet, aber nicht, daß dieser Mann sich als ein wahrer Künstler auf diesem schönen griechischen Instrument entpuppte.
    Ganz lässig griff er in die Saiten und fing an mit einer getragenen Melodie, die er kunstvoll in vielen Variationen wieder aufgriff. Er entlockte
    dem Instrument die wunderbarsten, sehnsüchtigsten Töne, die man sich vorstellen kann. Beim Spiel qualmte er, die Zigarette hielt er
    nonchalant
in  der gleichen Hand, mit der er spielte.

    Die jungen kretischen Tänzer boten mit viel Grazie und Eleganz die unterschiedlichsten traditionellen griechischen Tänze dar. Alles in
    allem war
es ein gelungener Abend.
    
    An einem der letzten Tage auf der Insel machten wir dann noch die persönliche Bekanntschaft eines einheimischen Kreters mit dem 
    verheißungsvollen Namen Aristoteles. In seinem Ledergeschäft, in das er uns auf einen Ouzo und einen Kaffee gelockt hatte, zeigte er uns
    die komplizierten Schritte des Sirtaki und verkaufte uns ganz nebenbei ein  paar Stücke aus seiner (schönen) Kollektion. Aristoteles,
    der perfekte Geschäftsmann.

   Kreta2
    Hier  direkt am Meer wurde abends Sirtaki getanzt!

     Berlin, im Mai 1998
      Copyright©1988 Gisela Bradshaw

    
     Anmerkungen 12. März 2015: Leider ist meine Freundin Gisela am 4.Mai 2009 viel zu früh verstorben.
     Mit ihr habe ich eine liebe Reisegefährtin verloren.

     Im Jahr 1998 habe ich noch nicht digital fotografiert, so dass ich diesem Reisereport
     kein Webalbum beistellen
konnte, sondern nur ein paar bescheidene Bilder.