Hong Kong 2016

                                    Wiedersehen und Abschied für immer

                                                              B121


Prolog

WebAlbum Hong2016

All das, was ich in diesen Tagen erlebe, ist einmalig und kostbar:


Der gestrige Tag, der nur Regen brachte, Wassermassen, die aus einem grauen, dramatisch
aussehendem Himmel zur Erde stürzten und uns innerhalb von Sekunden bis auf die Haut durchnässten.
All unsere Pläne – Spaziergang am
Meer und  anschließendes Schwimmen – machten sie zunichte.

Dieser letzte Besuch in Hong Kong, dieser außergewöhnlichen Stadt am südchinesischen Meer, ist bedeutsam,
eine Zeit, die bald nur noch in meiner Erinnerung leben wird. All die mit Menschenmassen überfüllten bunten
Straßen, der Lärm, dieexotischen Gerüche sind schon bald nur noch eine Episode, ein bunter
Mosaikstein in meinem Leben, das, je älter ich werde, immer schneller zu vergehen scheint.


Unterwegs in Hong Kong
 – Eindrücke


Hong Kong hat sich seit meinem letzten Besuch im Jahr 2002 sehr verändert.  Die Stadt ist noch voller geworden
 (7 Mio. Einwohner), und es ziehen  immer mehr  Chinesen aus dem Mainland hinzu. Sehr hilfreich für die
Bewohner von Hong Kong Island ist die Erweiterung der MTR um eine weitere U-Bahnstation in Kennedytown mit integrierter Busanbindung.

Es gibt zu wenig Platz für alle,  Platz der zunehmend teurer, ja unbezahlbar wird.  Es ist absehbar, dass letztendlich hier
nur noch die Megareichen wohnen werden.  Die Mieten sind horrend. Deshalb wohnen viele ärmere Leute in sog. Cages, mehrere Personen in Einzimmerwohnungen in riesigen, teilweise abbruchreifen Wolkenkratzern.

Hong Kong University

Da meine Schwester lange Jahre an der HK Universität im Department for Languages für das Fach Deutsch tätig war,
 gehörte ein Besuch ihres alten Arbeitsplatzes  auch  zu unserem Programm. Dabei  trafen wir  eine Menge iher  
ehemaligern Kollegen.  Von dem hoch oben gelegenen Casino hatten wir eine herrliche Aussicht auf die umliegenden
Wolkenkratzer und das Meer.

Hervorheben möchte ich auch die alte HK Uni, die in den letzten Jahren durch  einen kompletten Neubau
von Fakultätsgebäuden erweitert wurde.

Es war aber die alte ehrwürdige Universität, die es mir angetan hatte. Dort  hatte ich  Gelegenheit und das Vergnügen,
die Schönheit des Areals mit seinen attraktiven  Gebäuden in einer spektakulären Umgebung  mit tropischer Vegetation
 fotografisch festzuhalten.

DimSum

„Dim Sum ist eine Spezialität der kantonesischen Küche und bedeutet wörtlich "kleine Herzwärmer". Bei den
Häppchen handelt es sich vorwiegend um Teigsäckchen oder -täschchen, die mit den unterschiedlichsten Füllungen serviert
werden. Meist werden Dim Sum gedämpft, doch einige Dim Sum Sorten werden auch frittiert. Das Mekka der Dim Sum ist
 Hongkong, wo es spezielle Dim Sum Restaurants gibt. Vor diesen bilden sich schon vormittags lange Schlangen:
Ein untrügliches Zeichen, dass die Menschen in Hongkong ihre Dim Sum lieben.“ Quelle Wikipedia 

Mit der MTR waren meine Schwester und ich in nach Sham Shui Po (Konwloon)  gefahren. Sie wollte dort für ihre
Schmuckherstellung gewisse Utensilien kaufen, die es nur in diesem Viertel  gab. Nach ausgiebigem Einkauf in einem
ganz kleinen, aber mit  bis zur Decke angefüllten Waren, beschlossen wir, ein Lokal aufzusuchen, das das typische Gericht
 DimSum anbietet   Am besten sind die mit Shrimps gefüllten. Das Lokal war ihrer Erinnerung nach in einem großen,
20stöckigen  Einkaufscenter, wo genau es sich befand, wusste sie nicht mehr. Nach einiger Befragung von mehreren Leuten,
  - der Großteil der Angesprochenen sprach nur chinesisch und ließ uns schulterzuckend stehen, -  wussten wir Bescheid.

Zielstrebig steuerten wird das entsprechende Geschoss an. Im Lokal – die Bedienung hatte schon den kostenlosen grünen
Tee eingeschenkt – stellte sich dann bei bei unserer Bestellung heraus, dass dieses Gericht nicht auf der Karte stand . 
Enttäuscht packten wir unsere Sachen und verließen unter den missmutigen Blicken der Bedienung das Lokal und 
machten uns auf erneute Suche.
Endlich landeten wir  in einem riesigen, sehr vollen  Lokal, das auf die von uns gewünschte Speise  hauptsächlich
auf der Karte hatte. Offensichtlich waren wir hier die einzigen Europäer, so dass wir auch hier  Schwierigkeiten mit der
 Kommunikation hatten.  Deshalb  wuselten fast alle Kellner um uns herum, um bei der Lösung unserer Probleme tatkräftig
und freundlich zu helfen. Mit Händen und Füßen gestikulierend  gaben wir unsere  Bestellung auf, die dann auch

wunschgemäß serviert wurde und einfach köstlich schmeckte.

Noch eine Anmerkung zu chinesischen Lokalen: Jeder Europäer sollte sich für einen Besuch dort entweder
warm anziehen oder etwas Warmes im Gepäck haben:

Wegen der ständig laufenden Aircondition-Aggregate herrschen dort eisige  Temperaturen. Auch in den
Zügen der MTR,  der Hong Kong U-Bahn, werden alle Passagiere mit eiskalter Luft überflutet.

Wan Chai

Anlässlich eines Treffens zu einem Abendessen mit einer langjährigen Freundin kamen wir an einem Abend nach 
Wan Chai, einem ziemlich berüchtigten Viertel.

Auf unserem nächtlichen Rückweg gerieten wir in das Treiben eines kunterbunten,  wilden Nachtlebens: 
Menschenmassen auf ihrer Suche nach Vergnügungen aller Art wogten die Straßen hoch und runter:

Große Gruppen sexhungriger Männer aller Nationalitäten und jeden Alters  in Verhandlung mit  hübschen,
meist blutjungen  Mädchen über deren „Preise“, aufreizend gekleidete Frauen, zerlumpte alte Menschen,
die um Almosen bettelten.

Hier war alles vorhanden, was die Menschheit zu bieten hat. 
 Ich war – ehrlich gesagt – froh, als wir uns endlich wieder in normaleren Gefilden  befanden.

Prostitution, das älteste Gewerbe der Welt,  steht in Hong Kong in voller Blüte: auch
auf den großen Märkten (z.B. dem Fa Yuen Markt) am hellen Tag    stehen meist ganz
 junge, bildschöne  Mädchen in aufreizender  Kleidung an den
Ecken und in den Türeingängen auf der Suche nach zahlungskräftigen Freiern.

Hochburg der Smartphones

Hong Kong ist offenbar fest in den Händen der Smartphone-Industrie. Vor ein paar Jahren bei einem früheren Besuch
der Stadt, stellte ich fest, dass alle Leute Mobiltelefone mit sich trugen und ganz egal, wo sie standen oder fuhren,
mit größtmöglicher Lautstärke in ihre Telefone schrien. Nebenbei bemerkt: Kantonesisch, die in Hong Kong  gesprochene
Sprache, ist kein Genuss für europäische Ohren. 

Heutzutage sind es Smartphones, die wie Trophäen mit sich geführt werden.  Speziell in den U-Bahnzügen kann man dies gut
beobachten: es gibt hier so gut wie niemand, der nicht ein solches Gerät hat und damit entweder telefoniert oder
 - ganz oft  - endlose Spiele spielt.

Auch auf der Star Ferry, den großen Fähren, die Hong Kong Island mit Kowloon verbinden, das gleiche Bild.
Niemand nahm Notiz von der wunderschönen Überfahrt, auf der man die herrliche Skyline von Hong Kong bewundern
oder den eleganten und teuren Privatyachten, die von ihren reichen Besitzern lässig durch das Meer gesteuert wurden, 
nachblicken kann.

Ein paar Worte noch zu der Star-Ferry (Quelle Wikipedia)

Die grün-weißen Boote der legendären "Star Ferry" pendeln seit 1888 zuverlässig zwischen Hong Kong Island und Kowloon.
Obwohl die beiden Ufer des Victoria Harbour mittlerweile durch ein hochmodernes Straßen- und Eisenbahntunnel-System
verbunden sind, erfreut sich die traditionelle Art den Hafen zu überqueren nach wie vor großer Beliebtheit. So nutzen immer
noch jedes Jahr zig Millionen Menschen die einfachen Fährboote. Übrigens ist dies auch der optimale Ausgangspunkt, um den
perfekten Schnappschuss einer der weltweit am meisten fotografierten Häfen vor die Linse zu bekommen.

Kein Wunder also, dass National Geographic die Überfahrt mit der Star Ferry als einer der "50 Plätze, die man
in seinem Leben besucht haben sollte" auszeichnete.

Apropos Skyline

Eine gute Freundin meiner Schwester hatte uns zu einem Drink in der im letzten Stock liegenden Bar „FELIX“ 
im „The Peninsula Hong Kongeingeladen, eine Einladung, die für mich  unvergesslich sein wird.

Die Drinks waren sündhaft teuer, aber in Anbetracht der umwerfenden Aussicht auf Hong Kong bei Nacht auch wieder
gerechtfertigt. Auch von der futuristisch gestylten Damentoilette hatte ich einen grandiosen Blick auf diese Stadt, die für
jeden, der sie einmal gesehen  und erlebt hat, ein besonderes, unvergessliches Erlebnis ist.

Dieses im Jahre 1928 eröffnete, den Reiz der Alten Welt bietende Luxushotel  befindet sich am Victoria Harbour in Tsim
Sha Tsui.  Die Zimmer, die orientalische Eleganz und modernen Luxus verbinden, gewähren Blicke auf den Innenhof des
Hotels und den Victoria Harbour sowie Kowloon.

Im  Entrée des Hotels, in dem wir auf die Freundin warteten, hatten wir Gelegenheit, die ein-und ausgehenden Menschen
zu beobachten: sowohl  ganz normal, sportlich gekleidete Leute als auch ultra gestylte Frauen und Männer, von denen die
Eleganz der Inder mir ganz besonders ins Auge stach, defilierten an uns vorbei und verschwanden über die großen Treppen in
den Tiefen der Nobelherberge.

Auf dem Peak

„Sein chinesischer Name Tai Ping Shan bedeutet „Berg des großen Friedens“. Der Gipfel bietet einen weiten Blick
über Kowloon und große Teile der Insel Hongkong.
Der Aussichtsturm Victoria Tower auf 379 Metern Höhe, auch The Peak Tower genannt, ist mit der Peak Tram,
einer 1888 eröffneten Schweizer Standseilbahn, zu erreichen.
Als im 19. Jahrhundert die Malaria in Hongkong grassierte, war der Victoria Peak bevorzugtes Wohngebiet der
Kolonialherren. Heute erreichen die Grundstückspreise am Peak astronomische Werte; je weiter man nach oben kommt,
desto höher werden sie, so dass sich dort die reichsten Bewohner Hongkongs angesiedelt haben.“

Quelle Wikipedia

Natürlich gehört zu einem Besuch Hong Kongs auch die Besteigung des hoch über der Stadt liegenden Peaks.
Über den Morning Trail ging es durch die herrlich grüne Vegetation hoch zum Gipfel.

Vom berühmten Lugard-Weg, der rund um die Bergkuppe führt, hatten wir spektakuläre Blicke auf die unter uns liegende
Stadt, die leider, wie meist zu dieser Jahreszeit, unter  einem leichten Dunstschleier lag.
Oben an der Tramstation gönnten wir uns ein leckeres Eis, zu einem Preis, für den man in Deutschland fünfmal soviel
bekommt. Aber wir waren ja auf dem Berg, dessen Berühmtheit legendär ist.

Weitere Stationen

Fa Yuen Market, Shen Zen (China Mainland), Stanley Market.

Alle drei Orte sind riesengroße Märkte, wobei ShenZen in China der größte ist. Um dorthin zu kommen, nimmt
 man die MTR (gezahlt wird in allen Verkehrsmitteln (Bus,  Zug, MTR) mit der sogenannten Octopus-Card, die aufladbar ist.

Shenzen liegt ca. eine gute Stunde von Hong Kong entfernt in den sog. New Territories in Mainland China.
Europäische Besucher benötigen einen gültigen Reisepass und ein Visum, das man an der Grenze kaufen kann.
 
Der riesengroße Markt in Shen Zen ist in einem weitläufigen Gebäude untergebracht, in dem man alles Erdenkliche kaufen
und erhandeln kann. Um dort einen Tag zu verbringen, muss man gut zu Fuß sein und starke Nerven haben.
 Die Verkäufer sind teilweise sehr aufdringlich (ich wurde von einer Schuhverkäuferin verfolgt und aufgelauert).
Trotzdem lohnt es sich, dort einzukaufen.

Es gibt alles in Hülle und Fülle:
 
Stoffe (mit den dazugehörigen Angeboten von Schneidern), Taschen, Koffer, Schuhe, Schmuck, Perlen,
Gemälde, Gewürze, Unterwäsche, Kleidung usw. und so fort.

Fa Yuen Market

Bei all meinen Hong Kong-Besuchen stand der Fa Yuen Market mit auf unserer Liste. Auch dieses Mal war er mit
dabei. Er liegt in der Nähe des nightmarkets/Temple Street und ist ein Eldorado für Schnäppchenjäger. Man bekommt
buchstäblich alles hier. Dies gilt im übrigen auch für den night Market, den man unbedingt auch einmal gesehen haben sollte.
Neben den üblichen Waren gibt es hier  Wahrsager, die einem  für ein paar Hong Kong Dollar das Schicksal aus der Hand lesen.

Nach Stanley nahmen wir von Pok Fu Lam aus, wo meine Schwester und ihr Mann wohnen,  einen Bus, dessen Strecke
sehr schön verläuft und fast eine Sight seing Tour ist. Von meinem Fensterplatz aus  habe ich viele Fotos „geschossen“,
die wegen der etwas holprigen Fahrt  ein bisschen verwackelt, aber doch sehr interessant geworden sind.

Der Markt in Stanley ist sehr charmant und edel und liegt mit seinen vielen, gut bestückten  Ständen direkt am Meer.
Auf der schönen Uferpromenade laden viele  Restaurants und Cafés zur Einkehr ein.  Die Preise sind  jedoch wegen
der schönen, exklusiven Lage gesalzen.

Lamma Island

„Mit der Entwicklung von einem traditionellen chinesischen Fischerdorf zu einer entspannten multikulturellen Gemeinde
sorgt die Mischung aus westlichem und chinesischem Inselleben für die Atmosphäre von Lamma, die so anziehend auf die
 geschäftigen Einwohner von Hong Kong wirkt. Viele kommen als Tagesausflügler, einige sind für immer hier geblieben.
Die Insel ist die drittgrößte von den Hong Kong umgebenden Inseln,  liegt 3 km im Südwesten von Hong Kong gegenüber v
on Aberdeen und hat 60000 Einwohner.“
Quelle Internet

Unser letzter Ausflug führte uns,  wie in allen vorigen Besuchen, zu Lamma Island.   In Aberdeen bestiegen wir ein
Ausflugsboot, das uns in einer halben Stunde über das Meer zu der Insel brachte. Unser Ziel war – nach einer kleinen
Wanderung  am Meer entlang -  das Fischlokal  „Hilton“ direkt am Wasser.

Hier labten wir uns an frischen Fischgerichten (gegrillten Octopus, Prawns, Muscheln sowie einem köstlichen  gedämpften
grünen Gemüse (choi sam) und spülten alles mit einem vorzüglichen Chardonnay hinab.

Auf unserer Rückfahrt gegen Abend konnten wir Hong Kong bei Nacht bewundern:
 
bunt beleuchtete  Boote und Sampas und das Lichtermeer der Stadt zogen gemächlich an uns vorbei und hielten
uns in ihrem Bann.
Nur die chinesischen Passagiere fanden ihre Smartphones interessanter.

Aber: wie heißt es so schön: Chacun à son goût!


In dieser Reisebeschreibung  habe ich versucht, ein bisschen die Atmosphäre von Hong Kong, dieser großartigen Stadt
am südchinesischen Meer,  einzufangen und vielleicht dem einen oder anderen Appetit auf eine Reise dorthin zu machen.
Diese Stadt ist auf jeden Fall eine Reise wert.


Epilog


„Man hat keine Idee davon, wie groß und wie schön die Welt eigentlich ist, wenn man nicht Meere und Länder
durchstrichen hat.“

Georg  Werth an Heinrich Heine



Webalbum Hongkong



Idar, 8. Mai 2016
CopyrightGisela Bradshaw