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Eine Reise nach Malawi, in das "Warme Herz Afrikas"
Mai / Juni 2006


Auch ich träumte immer schon von Afrika, und jetzt sollte ich Gelegenheit haben, dieses faszinierende, aus der Ferne leuchtende Land kennen zulernen. Es würde keine Reise „von der Stange“ werden, bei der  die Reisenden an nur ausgewählte Orte geführt und alle Schattenseiten eines Landes dieses großen Kontinents ausgeblendet werden.

Nein, ich hatte das Glück, Malawi privat kennen zu lernen, durch meine Tochter Susanne, die seit einem halben Jahr als Entwicklungshelferin dort lebt.

Nie hätte ich geglaubt, einmal dorthin zu kommen, in dieses Land, das mein Bruder  Rudolf schon so viele Male bereist hatte und das er, wie man ohne weiteres sagen kann, wie seine Westentasche kennt.
 
Malawi gehört zu den vom Tourismus noch nicht sehr bereisten Ländern  und liegt im Südosten Afrikas, zwischen dem 9. und 17.  Grad südlicher Breite und dem 33. und 36. Grad östlicher Länge in den äußeren Tropen,  eingebettet zwischen Sambia (westlich) und Mocambique (östlich), südwestlich erstreckt sich Zimbabwe und nordöstlich Tansania. Die Nord-Südausdehnung beträgt 850 km und die west-östliche  70 - 170 km. Malawi ist nur ein Drittel so groß wie die Bundesrepublik  Deutschland. Ein Fünftel der Fläche ist Wasser, 94 000 qkm Land.

Die Nationalflagge Malawis ist schwarz-rot-grün quergestreift mit dem Symbol der aufgehenden Sonne in dem schwarzen Streifen. Schwarz steht für die Menschen von Malawi, rot für das Blut der Märtyrer des afrikanischen Freiheitskampfes und grün für die immergrüne Natur des Landes. Die Nationalhymne hat einen fast lyrischen Wortlaut:
»Oh God, bless our land of Malawi
keep it a land of peace.
Put down each and every enemy
Hunger, disease, envy.
Join together all our hearts as one
That we'll be free of fear.
Bless our leader, each and everyone
And Mother Malawi.
Our own Malawi, this land so fair,
Fertile, brave and free
With its lakes, refreshing mountain air,
How greatly blessed are we.
Hills and valleys, soil so rich and rare
Give us bounty free.
Wood and forests, plains so broad and fair
All beauteous Malawi.»

Malawi ist heute  ein politisch ruhiger Staat, blickt aber wie jedes afrikanisches Land als ehemalige Kolonie Englands auf Gewalt und Terror zurück.

Auszug aus dem Reiseführer „Zambia und Malawi von Ilona Hupe und Manfred Vachal:

»Im 15. Jahrhundert gründeten die Portugiesen erste Stationen an der Küste des indischen Ozeans und bald darauf die Kolonie Portugiesisch-Ostafrika (Mosambik). Von dort ist 1616 Caspar Bocarro in das Shiretal und bis an den Chilwasee gelangt. Unterwegs hörte er von einem riesigen See im Norden und dem Königreich Maravi. Von diesem Zeitpunkt an wurde der geheimnisvolle See zwar schon auf allen zeitgenössischen Landkarten eingetragen, es vergingen aber noch fast 250 Jahre, bis der erste Europäer ihn entdecken sollte.

Ab dem 18. Jh. breitete sich der Sklavenhandel von Ostafrika nach Süden aus. Die Küstenregionen Ostafrikas litten seit Jahrhunderten unter dem Sklavenhandel, und die menschliche Ware wurde dort knapp und teuer. Daher dehnten sich die Beutezüge und Handelsrouten immer tiefer in das noch unbekannte Innere Afrikas aus. Entlang des Malawisees gründeten die swahili-arabischen Menschenhändler zahlreiche Handelsposten für Elfenbein und Sklaven und vermischten sich mit den am See lebenden Völkern.

Bis zu 30000 Sklaven wurden mit arabischen Dhaus (Segelschiffen) über den Malawisee transportiert, um dann auf Märkten in Sansibar verkauft zu werden. Durch diese schrecklichen Geschehnisse wurde das Land verwüstet, alle Völker bekriegten sich gegenseitig und blühende Kulturen, so auch das Königreich Marawi, gingen unter.»


Am 29.5.06 war es dann so weit: eine lange beschwerliche Anreise von Frankfurt via Amsterdam, Nairobi, Lusaka, Lilongwe, Zomba war zunächst zu bewältigen.

Obwohl ich schon einige Langstreckenflüge in meinem Leben gemacht habe, bleibt mir diese lange, anstrengende Reise sicher noch lange in Erinnerung.
Im Flugzeug ab Nairobi blätterte ich ein bisschen in dem Flugzeugjournal und schaute mir die herrlichen Bilder von kenianischen Safaris an. Mir gefielen auch einige swahelische Sprichwörter, die ich hier einmal zitiere:
«He who knows
how to go
does not stumble.
Happiness requires
something to do,
something to love and
something to hope for «

Die letzte Zeile gefiel mir ganz besonders gut, da er so viel Wahrheit enthält. Ich kenne so viele Leute, in deren Leben diese drei wichtigen Dinge nicht mehr vorhanden sind,:Arbeit, Liebe und Hoffnung.

30. Mai 2006
Ankunft in Lilongwe. Ich werde von meinen Kindern, Susanne und Roland sowie ihren Freunden in Empfang genommen. Mit ihrem Lachen weht mir der heiße Wind Afrikas ins Gesicht. Nachdem wir uns mit  Proviant (viel Wasser und Sandwiches) eingedeckt haben, treten wir in dem großen Range Rover Susannes unsere Weiterfahrt nach dem ca. 4 Stunden von Lilongwe entfernten Zomba, der ehemaligen britischen Kolonialhauptstadt, an. Es sind weitere vier Stunden, die mir schon einen sehr guten Eindruck des Landes verschaffen. Die Landschaft, die wir durchfahren, ist wunderschön mit vielen Bergen, imposanten, plateauförmigen Gebirgen und grünen Tälern, die wie an einer Perlenkette aufgereiht, an uns vorbei rollen.

Einige Kilometer von Zomba entfernt sehen wir schon das gewaltige, etwa 2000 m hohe Plateau, auf dem Susanne wohnt. Eine gut ausgebaute Bergstraße schlängelt sich bergaufwärts und bietet an jeder Kurve neue, überwältigend schöne Blicke auf unzählige tiefer liegende, kegelförmige Berge und die Stadt Zomba, die dem Bergmassiv seinen Namen gegeben hat. Ich kann mich kaum satt sehen an diesen wundervollen Aussichten, und das war auch so in den folgenden Tagen, immer wenn wir vom Plateau herunter- oder herauf fuhren.

Auf der steilen Straße sind stets unzählige Leute, Männer, Frauen mit Babies auf dem Rücken und selbst kleine Kinder  mit schweren Lasten auf dem Kopf unterwegs. Die meisten laufen barfuss. Wenn man bedenkt, dass ein Aufstieg auf das Plateau zu Fuß ca. 4-5 Stunden dauert und der Abstieg ungefähr 3-4 Stunden (ohne Last) kann man sich vorstellen, was diese armen Menschen leisten, und dies für einen Hungerlohn - ein Bündel Holz bringt ca. 3 Euro pro Tag auf  dem Markt -.Trotz dieser wahrlich unmenschlichen, schweißtreibenden Arbeit lachen uns die Leute immer freundlich an. In Malawi ist übrigens Höflichkeit Gebot: Jedes Gespräch muss begonnen werden mit:

»How are you today?»

Die Antwort und Gegenfrage  lauten dann:  »Fine, thank you. How are you?»

Erst nach diesen einleitenden Worten schickt es sich, zum Punkt zu kommen. Auch die Polizisten sind von ausgesuchter Höflichkeit und verfahren meist nach diesem Ritual der höflich einleitenden Worte.   Wenn alles geklärt ist, wird das Gespräch beendet mit:

 »Thank you,  have a nice day – good bye.»

Dann kann die Fahrt weitergehen.  Polizeikontrollen  sind übrigens fast in jedem Ort  an der Tagesordnung.

31. Mai 2006
Susanne ist für afrikanische Verhältnisse sehr gut in einem Guesthouse des waterboard, der Wassergesellschaft Zombas untergebracht. Das Haus ist ein Flachbau mit insgesamt  drei  Schlafzimmern, einem großen Wohnzimmer mit anschließendem Essraum, einem großen offenen Kamin, einer großen Küche mit angegliederter Speisekammer, zwei Toiletten und Badezimmer. Ganz besonders schön ist auch die Terrasse mit Blick ins Grüne und der große Garten  um das Haus herum. Für eine Person wahrlich ein fürstliches Domizil! Auch der Hausgecko darf nicht fehlen,  der  still und genügsam in einer Ritze sein Dasein fristet.

Heute frühstücken wir auf der Terrasse des Guesthouses. Anschließend fahren wir nach Zomba, den Berg herunter,  vorbei an dem großen Wasserreservoir mit seiner großen Staumauer. Viele Leute am Straßenrand kommen bei unserem Anblick angelaufen und bieten uns gepflückte Früchte an oder auch Mineralien, die sie in den Bergen gefunden haben. Barfüssige Holzträger eilen den Berg herunter, einige transportieren ihr Holz auf klapprigen Fahrrädern. In Zomba essen wir zunächst einmal in einem kleinen offenen Lokal neben dem Golfplatz zu Mittag. Das geschmorte Hühnchen schmeckt überraschend gut und auch das kühle frische Carlsberger (alles zusammen bekommen wir zu einem Spottpreis).  Wir haben vorher bei der First Merchants  Bank Kwatschas eingetauscht, eine Prozedur, die mehr als aufwendig und zeitraubend war. Jeder einzelne Schein wurde  durchleuchtet und auf Echtheit geprüft, unzählige Belege ausgefüllt und gegengeprüft. Dann erhielten wir für unsere Euros einen ganzen Sack voller Geldlappen, ein dickes Bündel, das wir kaum verstauen konnten.

Wir sind die einzigen Weißen in der Stadt und fallen auf wie rote Hunde. Fliegende Händler, bettelnde Kinder, halbblinde Greise laufen hinter uns her und betteln um die Wette. Zombas Zentrum  besteht aus ungepflasterten staubigen Strassen und einstöckigen, mit hochtrabenden Namen versehenen Bruchbuden. Wir amüsieren uns königlich über die bombastischen Namen, die auf diese wirklich elenden Hütten aufgepinselt sind: Einen Doktor findet man zum Beispiel in einer dunklen Bude mit der Aufschrift: „Hope Medical Doctor“. (Wahrscheinlich ist es mehr als angebracht, bei einem Besuch dort viel Hoffnung mitzubringen).

Ein Hotel, auch sehr finster und heruntergekommen aussehend, trägt die  erheiternde Aufschrift „Resthouse  und bottlestore“. Ich frage mich, wer da wohl absteigt und wie diese Kaschemme von innen aussieht.
 
Trotz der meist armseligen malawischen  Häuser wirkt Zomba wegen der vielen geschäftig herum eilenden und in den Bierstuben lautstark zechenden Menschen sehr lebendig und hat auch einen gewissen Charme. Allein schon die Lage unterhalb des imposanten Bergplateaus ist spektakulär, und auch die noch aus der vergangenen britischen Kolonialzeit übrig gebliebenen schönen stilvollen Gebäude tragen dazu bei.

Im Schein der untergehenden Sonne, die die ganze Kulisse in ein fast unwirkliches Licht taucht, erinnert mich diese Stadt an alte amerikanische Wildwestfilme, wo sich fröhlich lärmende Gesellen durch staubige Strassen schieben und in Spelunken lustig in die Nacht hinein feiern.
 
1 Juni 2006
Frühstück auf der Terrasse. Der Hochnebel, der als weißer Schleier über der großartigen Bergkulisse liegt, verzieht sich immer mehr, und heraus kommt strahlend blauer Himmel. Wir fahren heute nach Blantyre, südlich von Zomba. Auch Blantyre ist sehr schön gelegen und von einer großartigen Bergkette umrahmt. Die Stadt an sich ist enttäuschend. Vergeblich suchen wir einen Teil, den man als Zentrum bezeichnen kann. Es gibt kein Zentrum, wie wir bald feststellen. Blantyre ist eine trostlose Ansammlung von Häusern mit noch trostloseren Geschäften.
Im „Bombay Palace“, dieses indische Lokal wurde uns wärmstens empfohlen, speisen wir als einzige Gäste - umringt von einer Handvoll Kellnern -  vorzüglich und auch recht preiswert.

Anschließend machen wir einen nochmaligen Versuch, etwas Schönes oder Interessantes an der Stadt zu entdecken. Leider ein vergeblicher Versuch.  Auf einem kleinen Markt kaufen wir ein paar Holzschnitzereien und typische Malawibilder (Batiken mit Abbildungen von Zebras, Elefanten oder Malawisee-Motiven) und locken auf diese Weise die ganze Gilde der Händler an. Alle wollen sie uns etwas verkaufen. Ein Händler verfolgt uns sogar bis zu unserem Parkplatz und will uns unbedingt einen sehr schön geschnitzten kleinen Stuhl verkaufen.

»Brother, I will give you a very good price…. Or you tell me what you want to give…»

Zu einem Geschäft kommt es aber nicht, auch schon wegen des sich stellenden Transportproblems auf unserer Rückreise.

2.Juni 2006
Am heutigen Tag steht Mount Mulanje auf unserem Programm. Susanne hat uns dort eine Lodge gebucht, in der sie selbst schon einmal gewohnt hat und die sehr hübsch sein soll. Wir stehen sehr früh auf, weil wir eine längere Fahrt vor uns haben. Die erste Nachricht des Tages ist schlecht: es gibt  weder Wasser noch Strom, so dass wir alle ungeduscht und ohne Kaffee starten müssen. Stromausfälle sind übrigens auch sehr häufig, wie wir immer wieder feststellen müssen. Deshalb haben wir immer genügend Kerzen, Sturmlampen und Taschenlampen griffbereit.

Der Ort Mulanje liegt südöstlich von Blantyre und unterhalb eines gewaltigen Bergmassivs (Mount Mulanje)  im größten Teeanbaugebiet Malawis.

Aus dem Reiseführer „Zambia und Malawi“ von Ilona Hupe und Manfred Vachal:

«1891 begann die Teeproduktion Afrikas. Der Missionar Henry Brown pflanzte einige Teesträucher, nicht ahnend, welche Bedeutung Tee für die Zukunft des Landes spielen sollte, denn die Höhenlage von 1000 m ist für die Teeproduktion eher niedrig. Doch der Mulanje-Berg sorgt für ein günstiges Klima, weil sich um das Massiv regelmäßig Wolken sammeln und der Gegend viel Regen und Feuchtigkeit geben.«

Auf unserer Fahrt zum Mount Mulanje stellen wir wieder einmal fest, wie schön Malawi ist mit seinen Bergen, der grünen üppigen Vegetation in den Tälern (Bananenstauden, Mangobäume, Zuckerrohr, Tabak, Baobabs, (Affenbrotbäume), Palmyrapalmen, die witzigen Leberwurstbäume mit ihren langen, dünnen Früchten, um nur einige Pflanzen zu nennen. Bei Thyolo am Fuß des Mulanje bestaunen wir die riesigen, sauber angelegten Teeplantagen, deren leuchtendes, fröhliches Grün sich bis hin zum Horizont erstreckt.

Wie immer auf unseren Fahrten sehen wir auf beiden Seiten der Straße viele entlang eilende, meist barfüßige Menschen - Frauen mit Babies auf dem Rücken, Männer und Kinder - die auf ihren Köpfen schwere Lasten transportieren. Die Frauen sind meist bunt gekleidet, alle tragen um ihre Hüften farbig gemusterte Tücher, die bis zu den Füßen reichen und an den meist schlank gewachsenen, sehr auftrecht gehenden Frauen ausgesprochen gut aussehen. Auch die Männer sind sehr oft farbenfroh gekleidet,  leuchtend gelb oder pinke Gewänder sind absolut kein Einzelfall.

Immer wieder fahren wir an »orphanages» (Waisenhäuser mit vielen kleinen Buben und Mädchen) vorbei. Wie in allen afrikanischen Ländern ist  hier Aids ein ganz großes Problem, und alle Aufklärung scheint für die Katz zu sein. Die Gründe dafür liegen höchstwahrscheinlich in der Art und Weise, wie Afrikaner mit der Sexualität umgehen. So ist Promiskuität und der lockere Umgang mit Sex die Regel. Besonders makaber sind in diesem traurigen Zusammenhang auch die vielen Schreinereien, die neben gezimmerten  Betten auch Särge anbieten, wofür offensichtlich eine rege Nachfrage besteht.

Die Strasse hoch in das Mulanje-Massiv wird für unseren Wagen, ein Nissan Sunny PKW, zunehmend zu einer Herausforderung. Roland vollbringt ein Meisterwerk und jongliert uns sicher über wenig Vertrauen erweckende Holzbrücken und eine Strasse, die ihren Namen nicht verdient. Sie ist vielmehr ein ausgewaschener Bergpfad, der sich steil den Berg hochwindet. Auf dem letzten Stück müssen wir Mitfahrer  aussteigen, weil unsere Reifen auf einer neu angelegten Schotterstrecke keinen Halt finden und völlig durchdrehen. Auch hier oben in den Bergen gibt es unzählige Behausungen mit Leuten,  die uns meist freundlich zuwinken. Wir Weiße  sind für sie Mzungus (Fremde), Wesen aus einer anderen Welt,  die es zu bestaunen gilt. Auch hier sind es besonders die Kinder, die lachend unserem Auto hinterher laufen und „money, money“  rufen.

Unsere Mulanje-Lodge ist ein wahres Schmuckstück mit einem entzückenden Wohnraum, ausgestattet mit Rattanmöbeln, die Gardinen und Sitzkissen sind aus einem sehr dekorativen  Stoff mit Zebramotiven. Auf dem kleinen Couchtisch steht eine Schale mit einem liebevoll geflochtenen Blütenkranz aus lila und weißen Blumen.  Besonders umwerfend  jedoch ist der Blick hinein in die grüne Pracht der Bäume und auf den unterhalb der Lodge vorbei rauschenden Wildbach.
Nach unserem Abendessen mit leider juchtenartigem Rinderbraten sitzen wir noch ein bisschen auf der kleinen Terrasse und erfreuen uns an dem dem herrlich klaren, über und über mit Sternen besäten Nachthimmel. In der Nachbarschaft lodern die Feuer der Wachleute, die die ganze Nacht dort sitzen und über unseren Schlaf wachen werden.

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3. Juni 2006
Der Tag fängt gut an. Wir haben wundervolles Wetter, eine leichte Brise und einen stahlblauen Himmel, ein perfekter Tag also für unsere Bergwanderung, für die wir einen Guide engagiert haben. Es ist ein kleiner 17jähriger Junge, der uns sehr sachkundig über teilweise ziemlich unwegsame Pfade zu dem großen Wasserfall führt. Er bewegt sich schnell und behende, obwohl er an den Füßen nur flip-flops trägt. Wie eine Eidechse springt er von Felsbrocken zu Felsbrocken. Wir hingegen stapfen etwas schwerfälliger daher in unseren festen, knöchelhohen Wanderschuhen. Diese sind jedoch für uns unbedingt notwendig, genauso wie die lange in die Socken gesteckte Hose, da sonst die großen, ziemlich aggressiven Ameisen mit uns allzu leichtes Spiel hätten. Die Bisse dieser Tiere, die blitzschnell ihre Opfer attackieren, sind nicht sehr angenehm. Auch Susannes süße kleine Hündin namens Mzanga (meine Freundin) wurde von Ameisen heimgesucht. Sie hatten sich in ihrem dichten Fell und auch in den Pfötchen eingenistet. Das arme Tier führte regelrechte Veitstänze auf und jaulte zum Gotterbarmen, bis wir sie endlich von der Plage befreit hatten.

Auf unserer ca. 5-stündigen Bergwanderung boten sich uns grandiose  Ausblicke, die wir dann auch in unzähligen Bildern festhielten. Abends sitzen wir dann bei Kerzenschein auf unserer Terrasse und versuchen den sternenbedeckten Himmel über uns zu deuten. Susanne, die ja schon ein halbes Jahr in Malawi lebt, erzählt uns ein bisschen über Land und Leute. Interessant für uns zu hören war zum Beispiel, dass man im Falle eines verschuldeten Unfalles, wo Menschen oder auch Tiere zu Schaden kommen, unbedingt bis zur nächsten Polizeidienststelle weiterfahren soll, weil man, wenn man am Unfallort bliebe, gelyncht werden könnte. Was in Deutschland Fahrerflucht wäre, ist in Malawi unter Umständen für einen selbst lebensrettend.

4. Juni 2006
Heute ist Pfingstsonntag, und das Wetter hat leider umgeschlagen. So hoch in den Bergen ist das  jedoch kein Wunder.  Es regnet leicht, und weiße Nebelschwaden verhüllen den grandiosen Blick auf die Berge, den wir noch gestern so genossen haben.
Auf der Rückfahrt nach Zomba fahren wir über den Robert-Mugabe-Highway, eine funkelnagelneue Strasse, die zu unserer Verwunderung nach einem Diktator benannt wurde. In Afrika ist offen bar vieles möglich.  Vetternwirtschaft ist sowieso an der Tagesordnung.

Wieder zurück auf unserem Plateau treffen wir den Supervisor des großen Staudamms, Henderson, der mit Anthony, unserem  Hausmeister, befreundet ist. Er will uns die Anlage zeigen, die ganz besonders Roland als Water-Engineer  interessiert.  Henderson führt uns zu dem Tunnel, der unterhalb des Stausees zu dem aus dem Wasser herausragenden Turm führt. Die Vorstellung unterhalb des Sees zu laufen, ist ein bisschen unheimlich, und so sind wir alle froh, bald wieder Tageslicht zu sehen. Leider hat sich das Tageslicht in eine dicke Nebelwand verwandelt, so dass wir es nur unserem Guide Henderson und seiner  Ortskundigkeit zu verdanken haben, unversehrt wieder zu unserem Haus zurückzufinden.
 
5. Juni 2006  – Pfingstmontag - Auf dem Zomba-Plateau:

Aus dem Reiseführer „Zambia und Malawi“ von Ilona Hupe und Manfred Vachal:

"Frische, kühle Bergwälder, klare Luft und Ruhe bietet das Plateau. Ein dichtes Netz an Wanderwegen und Aussichtspunkten lädt ein zum Verweilen. Ob im Luxushotel oder auf dem Campingplatz. am Abend wärmt auf jeden Fall ein heimeliges Lagerfeuer vor der heraufziehenden Frische. Besonders in den heißen Monaten ist der Aufenthalt auf dem kühlen Plateau eine willkommene Erholung und Abwechslung von den warmen Niederungen am Malawisee.
Drei markante Aussichtspunkte sind Queens View, Emperor’s view , wo man an klaren Tagen bis zum Chilwasee und dem Mulanje-Massiv blicken kann und Chingwe’s hole, ein Aussichtspunkt im Westen mit Blick auf Urwälder und das Shire-Valley.

Früher lebten in der Bergwildnis viele Leoparden, Hyänen und Antilopen. Sie wurden allerdings stark bejagt. Leoparden sind selten geworden und Hyänen wahrscheinlich ausgestorben. Mit viel Glück kann man noch Schirrantilopen, Affen, Schliefer    und Otter entdecken. Bezaubernd ist die Vielfalt an bunten Schmetterlingen. Adler, Bussarde, Krähen und Uhus lassen sich aufspüren, auch Tschagras, Schopfschnäpper und Sägeflügelschwalben, Schwarzkehlchen und Fiskalwürger. Typisch sind die kehligen Schreie der seltenen Livingstone-Lourie“.

Heute bleiben wir auf unserem Plateau und machen eine ca. 5-stündige Wanderung durch die herrliche Berglandschaft. Den ersten atemberaubenden Blick auf Zomba und ins Tal haben wir am „Emperors’s View“. Fast 2000 m  unter uns erstrecken sich die kleine Stadt und unzählige, kegelförmige Berge.  Wir bestaunen diese großartige Landschaft und haben das Gefühl, auf dem Dach der Welt zu stehen.

Hier oben treffen wir auf einen jungen einheimischen Mann, Felix, den wir nach einem kurzen Gespräch bitten, uns den Rest unseres Weges zu begleiten. Zusammen wandern wir weiter zu einem weiteren wunderbaren Aussichtspunkt, dem Songani-Lookout. Hier treffen wir auf weitere Einheimische, die uns Mineralien (Quarze, Aegirine etc)  aus dem in der Ferne liegenden  Bergmassiv Malosa anbieten. Felix kennt sich, wie sich herausstellt, sehr gut auf dem großen Plateau aus und weiß auch eine Menge zu erzählen. Er hat diverse Berufe: Forstarbeiter, local miner und guide. Seine Art ist freundlich und nicht aufdringlich. Als sich dann herausstellt, dass er meinen Bruder Rudolf kennt, wird er richtig zutraulich. Wiederholte Male sagt er: :»You are most welcome in Malawi. It is a pleasure for me to show you around…»

 Er führt uns auf einem anderen, sehr schönen Weg zu unserem Ausgangspunkt zurück, quer durch ein Moor und mit vielen Haken und Abkürzungen, die wir alleine nie gefunden hätten. Nach dieser langen und teilweise sehr anstrengenden Wanderung mit Klettereien über riesige Felsbrocken und vorsichtigem Balancieren durch das Sumpfgebiet sind wir alle recht kaputt, jedoch hochzufrieden mit unserem schönen Ausflug.

Zuhause erwartet uns schon Anthony mit einem Bündel Zedernholz !!, aus dem er, wie jeden Abend, ein großartiges, wohlriechendes Kaminfeuer entfacht.

»Mum – (damit meint er mich!) must not freeze!»

Das sind seine Worte, wenn er abends das Kaminfeuer anzündet.  Ich finde zwar, dass das herrlich duftende Zedernholz viel zu schade zum Feuermachen ist. Aus einem langen, glatten Zedernholzast lasse ich mir von Anthony kleine Scheiben schneiden und mit Sandpapier schmirgeln. Die kleinen Klötze liegen jetzt in meinem Schrank, und ich erfreue mich täglich an ihrem wunderbaren Geruch.

6. Juni  - 8. Juni 2006
Auf unserem Programm steht heute der Lake Malawi Nationalparc  - Cape Maclear.

Aus dem Reiseführer »Zambia und Malawi» von Ilona Hupe und Manfred Vachal:

«Cape Maclear ist ein Naturparadies, das zum Träumen und Erholen einlädt. Die glühendroten Sonnenuntergänge sind legendär. Weiße Strände heben sich gegen das klare, blaugrüne Wasser ab. Die Bucht ist traumhaft schön: ein Tauch- und Schnorchelparadies zwischen blanken Felsen. Vorgelagerte, bewaldete Inseln runden das harmonische Bild ab.
David Linvingstone hatte die Bucht entdeckt und nach seinem Freund Thomas Maclear, Königlicher Astronom in Kapstadt benannt. Schottische Missionare wählten 1875 die geschützte Bucht als ersten Standort der Livingstonia Mission. Doch die Bucht hatte zwei Nachteile: Die Malaria forderte innerhalb kürzester Zeit fünf Todesopfer, und da nur das Dorf Chembe in der Nähe lag, konnten auch nur wenig Menschen missioniert werden. Daher verließen die Missionare 1881 das Cape Maclear und gingen nach Bhandawe.«


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Gleich nach einem frühen Frühstück brechen wir in Richtung Malawisee auf. (Zomba – Liwonde – Mongochi – Cape Maclear (ca. 190 km).

Die Fahrt geht durch wilde, felsige Landschaften und teilweise über unbefestigte Sandpisten. Susanne hatte uns die Gecko-Lodge empfohlen, die sehr hübsch aussieht,  uns aber mit 20 US-Dollar pro Person doch zu teuer ist  (auf jeden Fall für afrikanische Verhältnisse). Wir inspizieren die nächst gelegene Fat Monkey Lodge, die rein äußerlich auch sehr attraktiv erscheint. Jedoch bei der Besichtigung der Schlafhütten springt uns sofort  in den Ecken herumwuselndes Ungeziefer ins Auge.

Die dritte Lodge, Gaia Lodge,  ist  dann endlich die unsere: mit einer wunderbaren Lage direkt am See, ansprechenden, blitzsauberen Hütten und einem einladenden Restaurant im Freien. Der Übernachtungspreis ist mehr als moderat: pro Person ca. 6 Euro. Auch die Küche ist gut und preiswert. Besonders gut schmeckt der „Herbal Tea“, einer Mischung von Pfefferminze, lemon grass und Echinacea. Wir trinken ihn kannenweise.

Zu gerne hätten wir uns nach der recht strapaziösen Anreise in die Fluten des blauen Sees geworfen und ein paar Runden geschwommen, jedoch die Angst, Billharziose aufzuschnappen, hält uns davon ab. Als wir dann am Abend, kurz vor dem herrlichen Sonnenuntergang beobachten, wie einheimische Frauen mit ihren  Babies auf den Rücken anfangen, ihr schmutziges Geschirr und ihre Wäsche im See zu waschen, sind wir sicher, richtig entschieden und auf ein Schwimmen im See verzichtet zu haben.

(Anmerkung: Billharziose ist eine chronische Infektionskrankheit, die man sich weltweit in tropischen Gebieten in stehenden oder leicht fließendem Süßwasser mit Uferbewuchs einhandeln kann. In dieser Umgebung lebt eine spezielle Wasserschnecke,  die als Zwischenwirt der Erreger fungiert. Als torpedoförmige Zerkarien lösen sie sich von  der Wasserschnecke, um im Wasser menschliche Haut aufzuspüren und unbemerkt zu durchbohren. Über die Venen nisten sie sich im Darm oder der Blase ein und wachsen zu Würmern heran, die bis zu 15 Jahre lange überleben können. Die Symptome einer chronischen Infektion sind Fiebe, Schwäche und erst sehr spät blutiger Urin.)

Auf unserem Spaziergang am See entlang sind  wir wieder Zielscheibe aller fliegenden Händler, die uns lautstark und gestenreich ihre Bilder, Schnitzereien und Schmuck aufschwatzen wollen.  Bei jeder sich ergebenden Gelegenheit lauern sie uns auf und bedrängen uns. Die Aufdringlichkeit der Burschen ist kaum zu überbieten.  Trotzdem versuchen wir, unsere Nerven zu bewahren und gute Miene zu diesem unschönen Spiel zu machen.

Nach einem schönen Abend am Seeufer, von wo aus wir das Farbenspiel des wunderbaren Sonnenuntergangs genießen und einer ruhigen Nacht in unserer sauberen Hütte unter dem Moskitonetz, – ich bin in der stummen Gesellschaft eines gut genährten Geckos, der unbeweglich an der Decke klebt und mich von dort aufmerksam betrachtet – entschließen wir uns am nächsten Morgen, noch einen weiteren Tag an diesem schönen Plätzchen zu bleiben. Das Wetter ist wunderbar. Auf einem Motorboot begleitet von drei einheimischen Burschen fahren wir raus auf den See und lassen uns den unglaublichen Fischreichtum des Lake Malawi zeigen. Die Jungs haben zu diesem Zweck extra Fischfutter mitgenommen, mit dem sie die Fische anlocken.

Aus dem Reiseführer »Zambia und Malawi» von Ilona Hupe und Manfred Vachal:

»Natur und Tierwelt des Malawisees:
Schwerpunkt des National Parks Malawisee ist die Unterwasserwelt. Hunderte verschiedene Fischarten, von denen längst nicht alle bekannt sind, haben sich in dem warmen Gewässer entwickelt, ein großer Teil davon ist im Malawisee endemisch. Die  Fische leuchten in den buntesten Farben und sind beliebt bei Aquarianern in aller Welt. Der berühmteste unter ihnen ist der Mbuna, ein Steinfisch aus der Familie der Zichliden. Der etwa 15 cm große Vegetarier lebt nur in felsigem Terrain. Viele bunte Zierfische kommen nur in bestimmten Regionen oder Buchten des Sees vor. So sind im See regional sehr unterschiedliche Varianten entstanden. Bei den Buntbarschen haben sich besonders eigenwillige Arten herausgebildet, wie Schuppenfresser, Schnecken- und Wurstlippenbarsche. Hier tummelt sich auch der gelbe, mit schwarzen Längsstreifen gezeichnete Türkisgoldbarsch. Ferner gibt es zahlreiche Tiger- und Katzenfische, Karpfen und eben auch Barsche (der schmackhafteste heißt Chambo).»

Ein weiteres Spektakel sind die Fischadler (fish eagle), die unsere Burschen mit lauten Schreien und entsprechendem Fischködern von den hohen Bäumen herunter locken. Die großen Vögel reagieren auf die lockenden Rufe und stürzen sich auf ihren mächtigen Schwingen zum Aufgreifen der Köder ins Wasser, um dann wieder so schnell wie möglich zu ihrem hohen, sicheren  Ausgangspunkt auf dem Baum zurückzurauschen.

Mitten im See geht dann der Schiffsmotor aus, offensichtlich ist nicht genügend Benzin vorhanden. Wir machen uns bereits Gedanken, wie wir - ohne zu schwimmen -  wieder das rettende Ufer erreichen können, als endlich der Motor wieder anspringt und uns sicher zum Ufer zurückbringt.

9. und 10. Juni 2006
Heute und morgen steht der Nationalpark Liwonde auf unserem Programm. Wir sind in Liwonde mit Susanne verabredet, die die letzten Tage über arbeiten musste. Sie hat für uns alle ein Safaripaket gebucht, bestehend aus einer Übernachtung und zwei Touren, eine am Abend und die andere am frühen Morgen.

Wir lassen unseren Nissan auf dem Gelände der Hippo View Lodge stehen und fahren alle zusammen in Susannes Range Rover in den Park hinein.

Aus dem Reiseführer »Zambia und Malawi» von Ilona Hupe und Manfred Vachal:

»Liwonde Nationalpark:
Die bezaubernde Flusslandschaft mit Palmen und gelben Fieberbäumen war einst die Heimat von hunderten Elefanten und noch viel mehr Flusspferden. Bevölkerungszuwachs und Wilderei bedrängten diese Wildnis. Manche Tierarten wie Nashorn, Zebra und Büffel starben aus. Anderen drohte das gleiche Schicksal. Zahlreiche ausgelegte Tierfallen verwundeten die Tiere unnötig. Die Folge: Die Löwen und Elefanten von Liwonde zählten zu den aggressivsten in Zentralafrika, denn sie haben den Menschen lange Zeit nur als gefährlichen Feind erlebt. Anfang der 90er Jahre besuchten nur wenige den Park. Das staatliche Camp war vernachlässigt, die Wildhüter unterbezahlt, das Wild sehr scheu.  Mit internationaler Unterstützung – vornehmlich aus Südafrika, aber auch die Frankfurter Zoogesellschaft ist beteiligt – wurde ein 3-Phasen-Projekt zur Rettung des Parks entworfen. Der Park wurde von einem 117 km langen, elektrischen Zaun umgeben. Das Camp wurde privatisiert und zur Luxuslodge ausgebaut. Ausgestorbene Tiere wurden schrittweise wieder eingegliedert.»

Der Liwonde Nationalpark hat heute zahlreiche Besucher und gilt als malawischer Vorzeigepark. Inzwischen kann man wieder große Elefantenherden und zahlreichen Antilopen in dieser reizvollen Flusslandschaft bewundern.
Nach  den ersten Kilometern im Park sehen wir schon die ersten Tiere: Impalas, Affen und ganz in der Ferne sogar eine ca. 30-köpfige Elefantenherde.
 Die 28 km zu unserer Lodge M’Wuu-Camp sind selbst für unseren großen 4-wheeler, den Susanne meisterhaft durch das unwegsame Gelände steuert, eine Herausforderung. Das M’Wuu-Camp ist ein sehr ansehnliches Anwesen direkt am Shire-River gelegen.

Unsere Abendsafari startet kurz nach 16 Uhr. Um 18.00 Uhr wird es bereits stockdunkel sein. Wir sehen viele Impalas, Baboos (Affen), Mongus, Waterbucks, Warzenschweine und am Shire-Fluß viele Hippos und Krokodile.
Der Sonnenuntergang, den wir an dem herrlich grünen Flussufer und mit einem Drink erleben dürfen, ist unbeschreiblich schön. Der Himmel verfärbt sich in alle denkbaren Rottöne, bis letztendlich die Sonne irgendwo am bläulichen Horizont versinkt.

Der 2. Teil der Abendsafari findet bei Vollmond und unter dem mit Sternen übersäten Nachthimmel statt. Es ist angenehm kühl geworden. Unser Guide hat am vorderen Ende des großen Safariwagens einen großen Scheinwerfer montiert, mit dem er während der langsamen Fahrt durch das Terrain in die Büsche leuchten will, um nachtaktive  Tiere aufzustöbern  Das erste Tier, das uns zu Gesicht kommt, ist ein ….Hase, der uns erschrocken anstarrt.

Unsere »Ausbeute» an nachtaktivem Getier ist relativ gering, was uns aber nicht weiter stört. Als wir dann mitten im Busch auf ein gemächlich  auf grazilen Beinchen daher schlenderndes Riesenhippo auf Futtersuche treffen, sind wir bestens entschädigt. Auch uns knurrt inzwischen der Magen, besonders wenn wir an das schöne Dinner denken, das auf uns wartet.

Das Dinnerbuffet ist ganz lecker, und wir langen kräftig zu. Jeder Tisch hat, wie es sich für eine Luxuslodge gehört, einen eigenen Kellner, der uns fürsorglich betreut. Nach dem Essen setzen wir uns noch zu einem Absacker in den offenen Barraum und lassen die Nacht mit ihren geheimnisvollen Geräuschen auf uns wirken. Eine Überraschung der nicht so schönen Art wartet allerdings noch auf uns:

Im Augenwinkel sehe ich Schatten über der Bar und entlang des Tresens huschen. Beim näheren Hinsehen entpuppen sich diese als fröhlich herum sausende und fiepende Ratten.  Direkt neben der Bar lag übrigens die Küche!

Nach einer denkwürdigen Nacht (unser zeltartiges Chalet war von brüllenden Hippos und anderen kreischenden Tieren umzingelt), erwachen wir leicht gerädert. Auch die Ratten waren gedanklich noch in unserem Kopf, so dass wir das Frühstück mit etwas spitzen Zähnen zu uns nahmen.

Unsere Morgensafari auf einem Boot führt uns den Shire-River hoch und runter. Wir sehen viele Gruppen leise vor sich hingrunzende Hippos, teilweise mit Babies (so groß wie ein kleines Kalb). Unser Guide ist ein sehr sympathischer, belesener Mann, der sich mit der Tierwelt rund um den Shire-Fluß sehr gut auskennt. Selbst die Namen seltenster Vögel kennt er neben  auf Latein und  Englisch auch auf Deutsch. Einfach erstaunlich!

Wir sehen Lilians lovebirds, Boehms-bee eaters, white-breasted cormorants, tail herons, cattle egret, sacred ibis, southern brown-throated weavers, grey louries, um nur einige mit den englischen Namen zu nennen.

11. - 13.Juni 2006
Nach den interessanten  Erlebnissen in dem Liwonde Nationalpark verbringen wir die letzten Tage auf »unserem» Plateau  und machen kleine Abstecher runter ins Tal. Ein wunderschöner Spaziergang führt uns durch den Botanischen Garten in Zomba, einer grünen und blühenden Oase, die sich in Terrassen über das Gelände erstreckt. Ein munter vor sich hinplätschernder Wildbach und riesige, herumliegende Findlinge erhöhen noch den Reiz des Gartens. Ganz besonders gefallen uns die hohen Bambusstauden mit ihrem sattgelben geometrischen Muster.

So langsam geht unsere Zeit in Zomba zu Ende. Das Wetter ist ganz herrlich, und wir beschließen, nochmals eine größere Wanderung auf dem Plateau zu machen. Anthony ist dieses Mal unser Guide und begleitet uns hoch zum chingwe’s hole, einem Punkt, von dem wir einen grandiosen Blick in das Shiretal haben.

Aus dem Reiseführer „Zambia und Malawi“ von Ilona Hupe und Manfred Vachal:

»Chingwe’s hole, ein Aussichtspunkt im Westen mit Blick auf Urwälder und das Shire-Valley. Verschiedene Legenden spinnen sich um Chingwe’s hole. Eine Überlieferung sagt, das Loch sei so tief, dass man kein Ende erreichen könne. Einer anderen These zufolge wurden hier früher Begräbnisse abgehalten».

Hier oben treffen wir junge Leute, die uns Aegirine und Quarze aus dem Malosa-Mountain verkaufen wollen. Ein hübscher Junge, dem ich meine nagelneue Golfkappe schenke, erzählt mir, dass er schon sehr oft das  Chingwe’s hole herunter geklettert sei, angeseilt und auch nicht angeseilt über die Bäume, die von tief unten herauf wachsen.  Das Loch würde sich unten an der Basis in zwei Kammern aufteilen, die eine Kammer liefe direkt in Richtung Shire-River, die andere ins Landesinnere. Auch er erwähnt, dass man vor langer Zeit  an Lepra Verstorbene  in „diesem Loch entsorgt“ hätte. Eine gruselige Vorstellung!

14. Juni 2006
Heute ist unser letzter Tag in Malawi und es heißt, Abschied zu nehmen.
Abschied von Malawi,
dem Land der roten Erde,
der hohen Berge und tiefen Seen.
Malawi, dem Land mit 100 000 Sternen
am nachtblauen Himmel,
dem Land des Lächelns
und fröhlich winkender Menschen
am Wegesrand.

G.B.
 
Meinem  Reisebericht zugrunde
lag der Reiseführer  "Zombia + Malawi", von Ilona Hupe und
Manfred Vachal, aus dem ich zitiert habe.
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Rötsweiler-Nockenthal, im Juli 2006

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Gisela Bradshaw